„Du bist wichtig!“ (You Matter): Ein Satz, den Jugendliche von ihren Eltern hören müssen. Noch wichtiger: Eltern müssen diesen Satz nicht nur aussprechen, sondern auch leben. Elterncoach Regula Lehmann weiß, das dies am besten geht, indem Eltern sich Zeit für ihre Kinder nehmen und Präsenz zeigen. 

Von Regula Lehmann
Kindererziehung ist kein Job, der sich „einfach mal nebenbei“ erledigen lässt. Wer denkt, dass Eltern nur im Kleinkindalter „da sein“ müssten, irrt sich: Gerade Teenager und Jugendliche sehnen sich nach präsenten Bezugspersonen, die ihnen Halt und ein gesundes Mass an Reibungsfläche und Widerstand bieten. Auch, wenn sie dies in der Regel nicht zugeben mögen.
„Mama, du bist nie zu Hause!“ beklagte sich vor einiger Zeit meine 20-Jährige. Und das, obwohl ich gerade diejenige war, die ziemlich viel Zeit „tochterlos“ zu Hause verbrachte, während die sich Beklagende ständig unterwegs war … verkehrte Welt!
Tatsache ist, dass Eltern gefragte Leute sind und bleiben. Mag der Mainstream die familienexterne Betreuung bejubeln und subventionieren; Eltern sind mit ihrem Angebot an Zuwendung, Verbindlichkeit und ausdauernder Liebe nicht zu toppen. Je schwieriger der Jugendliche sich verhält, desto verzweifelter ist er auf Bezugspersonen angewiesen, die zugewandt bleiben, Liebe schenken, Zutrauen aussprechen, Konflikte wagen und Grenzen ziehen. Auf vertraute Erwachsene, die ihre Präsenz erhöhen, statt sich entmutigt oder beleidigt zurückzuziehen.
Ein Eindrückliches Beispiel für die Kraft von ausdauernder Präsenz liefert die aus Montenegro stammende „Nacherzieherin“ Sefika Garibovic. Sie kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die von Eltern, Schulen und Institutionen als „nicht führbar“ bezeichnet werden und aus allen Systemen herausfallen. Die Hälfte dieser Jugendlichen bringt sie wieder auf die Spur – inklusive Lehrabschluss und anschließende feste Erwerbstätigkeit. Nach ihrem „Geheimnis“ befragt, meint Garibovic: „Meine Methode ist meine Person. Ich nehme das Kind ernst, indem ich etwas von ihm fordere, aber ihm auch etwas gebe.“ Präsenz zum Beispiel: Wenn Garibovic einen Jugendlichen übernimmt, steht sie 24 Stunden zur Verfügung. Während sieben Tagen die Woche. Weil Präsenz Wertschätzung bedeutet, Sicherheit und Rettungsanker. Zu wissen, dass jemand für sie da ist, dass jemand „für sie“ ist – trotz allem –  gibt Kindern und Jugendlichen den Mut, ihr Leben anzupacken und Verantwortung zu übernehmen.
Dass ausgerechnet unser Gott sich im Buch Genesis als der „Ich bin der, der da ist“ vorstellt, muss gute Gründe haben!

 

Regula Lehmann ist diplomierte Familienhelferin und arbeitet freiberuflich als Autorin, Referentin und Elterncoach. Sie ist verheiratet mit Urs und Mutter von vier erwachsenen Kindern. Regula Lehmann wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von St. Gallen. Ihr neuer „Familien-Aufsteller“ wird im Frühjahr bei Fontis erscheinen.

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