One Response to Dominik Klenk: Sprachverhunzung – Wie der Genderismus den Wörtern ihre Bedeutung raubt
  1. Leserbrief zu:
    „Sprachverhunzung – Unser Reden zwischen Bibel und Babel“

    Sprachpflege für Gottes Wort in Menschensprache

    Als Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, gab es noch keine deutsche Sprache, sondern nur deutsche Dialekte. Der Reformator wollte, dass alle Menschen selbst das Wort Gottes lesen können. Aber die Bibel in alle deutsche Dialekte zu übersetzen, kam ihm nicht in den Sinn. Die Lösung war vielmehr, eine gemeinsame deutsche Sprache zu schaffen. Er wählte dazu als Ausgangspunkt den mitteldeutschen Dialekt, denn der war selber schon eine Mischsprache, da die Bergbauarbeiter Mitteldeutschlands aus vielen Dialekten zusammenkamen und infolgedessen ihre Dialekte, um sich zu verständigen, einander anglichen. Außerdem stützte sich Luther bei seiner Sprachgestaltung auf Sprachformen, die die Kanzleien der Fürsten verwendeten, die ebenfalls bestrebt waren so zu schreiben, dass möglichst viele die volkssprachlichen Urkunden lesen konnten. Luther musste beim Bau der Sätze (Grammatik) und bei der Auswahl der Wörter immer Entscheidungen treffen, aus welcher lokalen Mundart er auswählte. Wir sehen also: Luther betrieb Sprachplanung. In vielen anderen Bibelübersetzungen in die Volkssprachen verlief es ähnlich.

    Sprachplanung ist keine Verhunzung, sie ist schlichtweg notwendige Sprachpflege. Seit es Menschen gibt, gibt es Sprache, und Sprache muss gepflegt werden, damit sie den Menschen dient. Sprachpflege ist ein fester Bestandteil einer jeden Kultur. Dem Neuhebräischen Israels (Iwrit) liegt die alte Sprache der hebräischen Bibel zugrunde, aber Wörter wie „Zeitung“ und Zigtausende anderer Wörter des modernen Lebens wurden in bewussten Entscheidungen aus anderen Sprachen ins moderne Iwrit aufgenommen oder aus alten Wörtern neu gebildet.

    Die Notwendigkeit, Sprache zu gestalten, gilt auch für den religiösen Bereich. Als die irischen, später englischen und danach fränkischen Missionare den Germanen Mitteleuropas das Evangelium verkündeten, fanden sie in der germanischen Sprache ihrer Zuhörer kein geeignetes Wort für „glauben“ vor, das das griechische Wort pisteuein und das lateinische credere angemessen wiedergeben könnte; sie wählten das Wort „geloben“, das das Treueverhältnis zwischen Herrn und Untertan ausdrückte. Durch die Annahme des Evangeliums entsteht ein Treueverhältnis zu Gott als dem Herrn.

    Durch diese Wortwahl verstanden die Neubekehrten am besten, worauf es bei der Annahme des Evangeliums ankommt. Das war Sprachschöpfung, um Gottes Wort in menschlicher Sprache deutlich zu machen. Aus „geloben“ wurde „glauben“ So ist das Wort „glauben“ im Sinn des Evangeliums neu geschaffen worden, während der Glaube selbst von Gott kommt.

    Man würde all den Verkündern des Wortes Gottes in der Christentumsgeschichte schwer Unrecht tun, wenn wir ihre sprachschöperische Arbeit mit Schimpfwörtern verhöhnen würden. Gott verkündet seine Frohbotschaft in menschlichen Sprachen.

    Esperanto ist heute Muttersprache in etwa tausend Familien weltweit. Hunderttausende von Menschen auf der Welt benützen diese Sprache täglich als Verkehrssprache. Viele Sprecher dieser Sprache lesen die Bibel in Esperanto. Nicht nur auf den jährlichen ökumenischen Esperanto-Treffen, sondern auch bei allen Deutschen Esperanto-Kongressen, so auch auf dem Treffen, das kürzlich zu Pfingsten in Freiburg stattfand, wird täglich ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, ein Abend- und/oder ein Morgengebet gebetet. Es existiert ein ökumenisches Gesangbuch mit 1000 geistlichen christlichen Liedern für solche Gottesdienste, die aus der Tradition von 13 verschiedenen Kirchen stammen.

    Und noch etwas: Sprachbrücken zu bauen, kann nicht gegen den Willen Gottes sein. Ganz im Gegenteil. Verständigung ist ein Wesensbestandteil für Frieden.

    Der Kongress in Freiburg hatte den Frieden zum Thema. Der Erkenntnis, dass Religionen sehr oft gegeneinander ausgespielt werden, um Kriege zu schüren (unter anderem damit Waffen verkauft werden können), trug der Freiburger Kongress Rechnung durch eine Podiumsdiskussion zwischen Gläubigen aus sechs Glaubensgemeinschaften, die alle ihr persönliches Bekenntnis ablegten und mit dem Publikum diskutierten: ein Katholik, ein Protestant, eine Muslima, ein Gläubiger der Bahai-Religion, ein Buddhist und eine humanistische Freidenkerin. Eine Jüdin diskutierte aus dem Publikum mit. Die Ernsthaftigkeit dieses Gespräches, natürlich auf Esperanto, war sehr beeindruckend. Die Seligpreisung Jesu: „Selig sind die Friedensstifter“ wurde hier zur gemeinsamen Grundüberzeugung.

    Die wachsende Literatur in Esperanto – jährlich erscheinen weltweit etwa 120 neue Bücher in dieser Verkehrssprache, Prosa und Poesie ebenso wie Sachbücher aus unterschiedlichen Fächern – zeigt, dass Esperanto nicht nur an Verbreitung und Anwendung, sondern auch an Tiefe zunimmt. 240 000 Artikel auf Esperanto sind in dem Online-Lexikon Wikipedia, dem heute wohl verbreitetsten Nachschlagewerk, enthalten. Hinter der Verbreitung von Esperanto steht die Überzeugung: Wir sind alle Menschen, gläubig ausgedrückt: Wir sind alle Gottes Kinder.

    Im Gegensatz zu den Sprachen, die sich durch die Macht von Kolonialherren verbreitet haben, war Esperanto von Anfang an ein Verständigungsmittel, in dem Menschen gleichberechtigt aufeinander zugehen.

    Alois Eder
    Gärtringen, Deutschland


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