Die Story hinter Coffee with Jesus


David Wilkie

David Wilkie

Coffee with Jesus wurde aus der Frustration über das aufgeheizte politische Klima meines Landes geboren. Die Deutungshoheit über die «christliche» Sicht der Dinge oder die «christliche» Art des Wählens wurde von Vertretern und Politikern an beiden Enden des politischen Spektrums für sich beansprucht.
Coffee with Jesus war zunächst nur als einzelner Strip auf meinem Blog gedacht. Unter Verwendung alter Werbebilder für meine Hauptfiguren und einiger Sonntagsschulbilder für die Figur von Jesus gefiel mir einfach der Gedanke, Jesus könnte bei ganz normalen Leuten am Tisch erscheinen (normal gekleidet und Kaffee trinkend) und ihre Vorstellungen davon über den Haufen werfen, wie er in einer x-beliebigen Situation denken oder handeln würde, und sie außerdem davon überzeugen, ihre Flagge nicht mit ihrem Gott zu verwechseln – und so gesehen ihre schräge Sicht der Dinge geraderücken.
Ziemlich schnell begann der Jesus aus Coffee with Jesus den wiederkehrenden Charakteren Ratschläge zu geben in Fragen ihres Privatlebens, ihrer Beziehungen, der Arbeit, Erfolge, Niederlagen, Sehnsüchte und Bedürfnisse. Als Christ wollte ich den Menschen einen Erlöser zeigen, der mit Humor, Sarkasmus und ruhig auch einmal einer Prise Spott die Dinge anspricht, die sie wirklich beschäftigen. Verbreitet über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, schoss die Bekanntheit der Strips durch die Decke, und ich verspürte bald das Bedürfnis und die Verpflichtung, Jesus so einzufangen, wie ich ihn kenne.
Das Herz von Coffee with Jesus ist Gebet. Die Charaktere Carl, Lisa, Ann, Kevin und Joe befinden sich in Gesprächen mit ihrem Gott. Seine Antworten kommen mit leiser Stimme – geflüsterte Worte, Erkenntnisse oder feine Berührungen unseres Gewissens, die wir erfahren, wenn wir still werden und warten. Die Figuren in Coffee with Jesus sind oft selbstsüchtig, kindisch, bitter, wütend, engstirnig und eifersüchtig. Zunächst einmal sind sie natürlich Comic-Figuren, doch in jeder von ihnen steckt auch etwas von mir. Sie bringen alberne Fragen vor Jesus, die weit außerhalb des Wissenskreises liegen, der ihnen eigentlich zugedacht ist. So wie auch ich es manchmal tue. Jesus ist meistens geduldig mit ihnen. Doch manchmal würde er ihnen vermutlich auch am liebsten eine verpassen und sie fragen: «Bist du eigentlich noch ganz dicht?»
Während diese Comicstrips im Netz für eine Menge notwendiger und teils heftiger Debatten sorgten, haben sie auch ein verbindendes Element hervorgebracht. Sie werden von Mitgliedern jeder nur denkbaren Konfession und Glaubensrichtung und sogar von einigen kirchenfernen Menschen geschätzt. Baptisten, Katholiken, Pfingstler, Lutheraner, Methodisten – traue ich mich, es zu sagen: sogar Mormonen – konnten sich weit genug mit einigen dieser Comics identifizieren, um sie auf ihren Webseiten zu platzieren, sie in Gemeindebriefen abzudrucken oder sogar Predigten mit ihnen zu untermalen. In meinen Augen hätte für diesen Erfolg keine Mühe zu groß sein können.
David Wilkie

Zum Buch

Charaktere in Coffee with Jesus