Stanley Hauerwas & William H. Willimon – Christen sind Fremdbürger

4.5 von 5 basierend auf 4 Kundenbewertungen
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Art.-Nr.: 204075 Kategorie:

Produktbeschreibung

Hauerwas und Willimon zeigen, wie porös das Hantieren mit christlichen Machtfantasien von jeher war, und setzen die christliche Gemeinde auf die Fährte des Nazareners: Im Zeichen der «Ohn-Macht» und gleichzeitig im Zeichen der Versöhnung liegt die Sprengkraft der christlichen Gemeinde, um die Welt zu verändern.

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4 Kundenbewertungen für Stanley Hauerwas & William H. Willimon – Christen sind Fremdbürger

  1. 5 von 5

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    Das Volk Gottes kann der Welt nicht erlauben, darüber zu bestimmen, wie es auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren hat. (Seite 93)

    Meine Meinung

    „Resident Alien“ ist der nur schwer übersetzbare Originaltitel des Buches. Das „Fremdbürger“ des deutschen Titels geht aber in die Richtung dessen, was die Autoren gemeint haben. Indirekt weist das auf einen Satz von Jesus hin: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagte er zu Pilatus; eine Aussage, die im Laufe der Jahrhunderte bei den Christen anscheinend in Vergessenheit geriet, denn zu sehr war bzw. ist man Teil dieser Welt. Hierauf und auf sich daraus ergebende Folgen hinzuweisen, haben sich die Autoren zur Aufgabe gemacht.

    Mit Konstantin begann es, so schreiben die Autoren, daß die Christen Teil der Welt wurden. „Man kann kein Reich beherrschen, in dem die Menschen an nichts glauben. Unsere besten Köpfe wurden auf das konstantinische Projekt verpflichtet, den Glauben gegenüber den jeweils Mächtigen glaubwürdig zu machen, so dass Christen Anteil an der Macht bekommen konnten.“ (S. 43) Und so begann denn der Weg fort von den Ursprüngen hin zu den Fleischtöpfen der Macht. Dieses Modell wird erst heute wieder in Zeiten zunehmender Säkularisierung infrage gestellt, da sich die Christen zunehmend in einer Welt wiederfinden, die ihren Grundüberzeugungen entgegengesetzt gestaltet ist.

    Im ersten Teil des Buches mit der Überschrift „Abschied“ führen die Autoren diese ihre These weiter aus. Sie skizzieren die Entwicklung der „Welt“, die schließlich dazu führte, daß z. B. das Bombardement von zivilen Zielen im Krieg heute zu etwas geworden ist, was als „militärische Notwendigkeit“ angesehen und nicht hinterfragt wird (vgl. S. 48f). Sie machen deutlich, daß Christen in gewisser Weise blind wurden und über das Ziel hinaus schossen. Daß sie nicht mehr sahen, wo sie hätten Widerstand leisten müssen, einfach, weil sie zu sehr Teil der Welt geworden sind.

    „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Der Satz zeigt eigentlich deutlich auf, worum es im Grunde geht: Christen sind nicht berufen, in der Welt für deren Ziele und Überzeugungen zu leben und zu arbeiten, sondern sie sind in dieser Welt quasi eine Kolonie von „Fremdbürgern“, „Bürgern“ des Reiches Gottes, eine kühne Kolonie von Gläubigen in einer Gesellschaft des Unglaubens. (vgl. S. 79) In diese Richtung weist auch die Bergpredigt, die von den Autoren immer wieder und zentral zitiert und thematisiert wird.

    Ein großes Augenmerk wird auch auf die Bedeutung der Kirche gelegt, wobei mich die starke und immer wieder kehrende Betonung der kirchlichen Gemeinschaft im Gegensatz zum Einzelnen nicht ganz überzeugen konnte. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, daß der Begriff „Kirche“ nicht weiter definiert oder eingegrenzt wurde, weshalb eigentlich so ziemlich jede Konfession diesen auf sich beziehen kann. Und in der Tat haben die Autoren so tief gegraben, sind so weit zu den Wurzeln zurückgekehrt, daß sie ein hohes Maß an Allgemeingültigkeit erreicht haben; auch als Katholik hatte ich wenige bis keine Schwierigkeiten mit ihrer Argumentation und ihren Schlußfolgerungen. In diesem Licht werden auch die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. emer. über die „saturierte deutsche Kirche“ (sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert) verständlich und nachvollziehbar.

    Im Untertitel taucht der Begriff der „nachchristlichen Gesellschaft“ auf. Mit ihrem „Weckruf“ zeigen sie deutlich Fehlentwicklungen auf und skizzieren, wie das Leben der „Fremdbürger“ und ihrer Kirche in dieser Welt wieder so ausgerichtet werden kann, daß es dem Plan und Willen Gottes entspricht. Zwar sind beide Autoren Amerikaner und beziehen sich demgemäß oft auf amerikanische Verhältnisse, doch fast alles läßt sich problemlos auf unsere europäischen bzw. deutschen Verhältnisse übertragen und hat diesseits des Atlantiks die gleiche Gültigkeit und Richtigkeit wie jenseits.

    Die Autoren haben ein für Christen überaus wichtiges Buch geschrieben, dessen voller Inhalt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen in ihrer ganzen Tragweite sich vermutlich erst bei mehrmaligem Lesen in ihrer Gänze erschließen.

    Mein Fazit

    Ein wahrer „Weckruf“ zur Nachfolge Jesu in einer nachchristlichen Gesellschaft.

  2. 4 von 5

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    CHRISTEN SIND FREMDBÜRGER

    Gemäß Professor Stanley Hauerwas und Professor William H. Willimon soll das vorliegende Buch „eine Ermutigung für die Gemeinden und ihre Geistlichen darstellen, die Menschen in der Kirche stärken und ihnen vor Augen führen, welche wunderbaren Möglichkeiten im Dienst der Gemeinde liegen, wenn die Integrität der Kirche wiederhergestellt ist.“

    Auf über 250 Buchseiten und den drei Abschnitten „Abschied, Abenteuer und Ausrüstung“, die ihrerseits wieder in sieben Kapiteln gegliedert sind, berichten sie über das Leben als Gemeinde, als Mitglieder der Kirche. Kirche wird als Kolonie betrachtet, als Insel des Glaubens inmitten einer Kultur des Unglaubens. Das Leben der Christen ist ein Leben als Fremdbürger, mit gegenseitiger Unterstützung von anderen Christen. Im Leben der Fremdbürger, der Christen, gilt deren Loyalität einem anderen Reich als dem Irdischen und sie werden dazu aufgerufen, die „Waffenrüstung Gottes“ (Glaube, Liebe, Hoffnung) anzulegen und in der Gemeinschaft mit anderen Christen ein Leben in Glauben zu führen. Kirche heute – ein Volk , das im Hier und Jetzt lebt, aber als Fremde, in dem Wissen, dass unsere Heimat im Himmel ist.“

    Dieses Buch soll eine echte Erneuerung der christlichen Kirchen anregen und versteht sich „als provokative Bestandsaufnahme von Kultur und kirchlichem Dienst für Menschen, die wissen, dass etwas nicht stimmt.“ Die beiden Autoren bieten lt. Einleitung „Einsichten, die anders sind, ungewohnte Blickwinkel und Überzeugungen, die quer liegen. Sie stellen bisherige Denkgewohnheiten in Frage, brechen lieb gewordene Unterscheidungsmuster auf und durchleuchten Paradigmen, die unser Denken bislang stabilisiert haben – bis hin zur Offenbarung ihrer Haltlosigkeit.“

    Dieses Buch ist eine regelrechte Herausforderung, es ist durchaus unbequem und analysiert radikal. Das auktoriale „Ich“ und das auktoriale „Wir“ finden in vielen Anekdoten aus dem Leben der Verfasser in diesem Buch Anwendung.

    Stanley Hauerwas und William H. Willimon gehen auf die Veränderungen in der heutigen Zeit ein, sie durchleuchten die politische Mission der Kirche zur Verbesserung der Welt und thematisieren die Bedeutung der Nachfolge in der heutigen Zeit. Die christliche Ethik wird diskutiert, wobei hier großes Augenmerk auf die Bergpredigt gelegt wird. Ethik wird als eine Frage des rechten Sehens betrachtet, noch bevor die Autoren sich dem Aspekt des rechten Handelns zuwenden. Ein Abschnitt dieses Buches befasst sich mit der Gemeindearbeit und ihren verschiedenen Facetten und soll Pfarrern bzw. Pastoren bei der Ausübung ihres Amtes eine Unterstützung sein, deren Aufgabe es ist, „Diener der Diener Gottes zu sein und die Gemeinde aufzubauen.“ Es wird auch über die Ausbildung der Pfarrer berichtet und über jenen Zeitpunkt, wo sie aktiv ihren Dienst in einer neuen Gemeinde antreten. Die Autoren stellen auch Reflexionen über den christlichen Dienst in und an der Gemeinde an.

    Im gesamten Buch werden immer wieder Beispiele aus der Praxis (aus dem Gemeindeleben) sowie Bibelzitate angeführt. In den Anmerkungen findet man einige Erläuterungen zu bestimmten Buchstellen, ein Index ermöglicht das rasche Auffinden bestimmter Passagen.

    Das schlichte Cover mit den geradlinigen Konturen, dem in dezenter Farbe gehaltenem Hintergrund und der gelben Untermalung des Titels passt perfekt zum Inhalt dieses Buches. Für die Lektüre sollte man sich jedoch ausreichend Zeit nehmen, für mich selber war es an einigen Stellen sogar notwendig, einzelne Begriffe bzw. deren Bedeutung nachzuschlagen.

  3. 4 von 5

    :

    In ihrem Buch über das Christentum in der heutigen Gesellschaft beschäftigen sich die beiden Autoren mit drängenden Fragen der Nachfolge. Dabei wollen sie uns wieder auf das Abenteuer aufmerksam machen, das es eigentlich bedeutet, ein Christ zu sein. In drei Teilen geht es wie in drei Stufen um Abschied, Aufbruch und Ausrüstung. Spezieller um solche Themen wie die soziale Strategie der Kirche, christliche Ethik oder den Dienst an der Gemeinde.

    Dieses Buch war zunächst einmal gut zu lesen, trotz der eher heiklen und komplexen Themen auch für Laien verständlich. Es kommen darin viele Dinge zur Sprache, die gerade in ihrem Zusammenhang sehr interessant sind. Dabei nehmen die Autoren kein Blatt vor den Mund und scheuen sich auch nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Diese Ehrlichkeit ist sehr erfrischend. Die Leser sollen hier, wie es auch im ersten Abschnitt heißt, wieder lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Zumindest einen ersten Einblick und Anstoß dazu kann dieses Buch liefern. Wie lebt man als Christ in einer Welt, die von der Kirche erwartet, sich sozial angemessen zu präsentieren und einzubringen? Vergessen wir nicht, worauf es wirklich ankommt, nämlich zu bekennen, dass Gott hinter allem steht? Nachfolge wird im Buch sehr radikal dargestellt, und vielleicht sollte sie so auch gedacht werden, wenn es einem wirklich ernst damit ist.

    Jedoch ist dieses Buch auch sehr speziell, gerade im letzten Abschnitt, und richtet sich dort meiner Meinung nach hauptsächlich an Personen, die in leitende Stellung in einer Gemeinde tätig sind oder es werden wollen. Und auch wenn ich vielen Gedanken und Schlussfolgerungen zustimmen konnte, so wird doch auch der Gemeinde ein unglaublich hoher Stellenwert gegeben. Alles immer in Bezug auf die Gemeinde zu denken und danach zu handeln finde ich persönlich etwas zu kurz gedacht. So haben mich auch einige Passagen in dem Buch ein wenig gestört, weil sie meines Erachtens die nötige Objektivität vermissen ließen. Ich fühlte mich, als sollte ich von diesem oder jenem überzeugt werden und das nimmt mir als Leser die Chance nachzudenken und mich selbst dazu zu entschließen. Was das angeht, habe ich auch schon wesentlich bessere und gerade durch ihre Zurückhaltung überzeugendere Bücher gelesen.

    Dennoch war das Buch im Großen und Ganzen spannend und anregend, sodass ich es weiterempfehlen kann, wenn einen oben genannte Schwächen nicht stören.

  4. 5 von 5

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    Großes Lob, dass der Fontis-Verlag in Basel im Februar den Klassiker “Resident Aliens” von Stanley Hauerwas und William Willimon auf Deutsch unter dem Titel “Christen sind Fremdbürger” veröffentlicht. Das Buch erschien 1989 in den USA und wurde mit gutem Grund ein theologischer Best- und Longseller. Jenseits von bürgerlich-liberalem Religionsautismus und wertkonservativem Bausparerpietismus wird die Provokation des Evangeliums für die Kirche als Lebensgemeinschaft freimütig zur Sprache gebracht. Da klemmen alle Schubladen, in die man die “Christus-Frommen” stecken will. Das Buch muss man unbedingt lesen.

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Zusätzliche Informationen

BN204075
ISBN3-03848-075-4
AutorenStanley Hauerwas , William H. Willimon
ErscheinungsjahrFrühjahr 2016
Umfang252 Seiten
Format22,5 x 15,0 cm