Julia Willmann – was es ist

5 von 5 basierend auf 4 Kundenbewertungen
(4 Kundenbewertungen)

16.00  inkl. Mwst.

Roman

Produktbeschreibung

Violas Erfolg im Beruf fühlt sich an wie eine kugelsichere Weste. In ihrem gläsernen Büro entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und sieht ihrem Assistenten dabei zu, wie er für sie das Telefon abnimmt. Die Feierabende bieten ein anderes Bild. Da steht Viola am Fenster ihrer Loft-Wohnung und bügelt sich ins gedankliche Nichts. Weg von den Jahren zuhause. Weg von der Zeit mit Yannick, den sie geliebt hat, so mutig sie konnte. Als ihre Mutter erkrankt und ins Koma fällt, verliert Viola die Waffe, die sie geschützt hat: Kontrolle. Die Zugreisen zwischen Elternhaus und Wohnort, zwischen damals und heute, führen sie an unerwartete Orte. Sie kommt zurück in ein Leben, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat.
„was es ist“ erzählt die Geschichte einer inneren Wende – in kraftvollen Bildern und einer Sprache, die kein Wort zu viel sagt.
„Julia Willmann erzählt von der Überwältigung der Gefühle, klar, knapp, und zwischen den Worten fängt sie das Unsagbare ein.“ Maria Schrader
„Julia Willmann ist eine großartige Erzählerin. Ihre Schilderung einer gefrorenen Seele, die auftaut, hat mich tief berührt und außerdem grandios unterhalten. Ein zutiefst wahres und wunderschönes Buch.“ Markus Spieker

Leseprobe

4 Kundenbewertungen für Julia Willmann – was es ist

  1. 5 von 5

    :

    Was mich neugierig gemacht hat:

    Zum einen war es der erste Eindruck von dem prägnanten Titel und dem so schlichten und sich gerade dadurch so ausdrucksstark entfaltenden Cover, zum anderen vor allem das Grundthema, das mich angezogen hat. Eine innere Entwicklung, die Suche nach sich selbst und dem Leben, das man führen will, das Verhältnis zu den älter werdenden Eltern und die Bewältigung von einer schweren Lebensphase – all das hat mich sehr neugierig auf die Umsetzung von „Was es ist“ gemacht.

    Wie es mir gefallen hat:

    Literatur ist Kunst – das hat mir „Was es ist“ noch einmal neu bewusst gemacht.
    Es gibt so viele Spielarten, Geschichten zu erzählen. Dieses Buch hat eine ganz besondere.

    Als Leser begleitet man Viola durch viele Szenen ihres Lebens – oft nur kurze Begebenheiten, die sich aneinanderreihen und insgesamt ein Puzzlebild ergeben, das der Leser zusammensetzen kann, um in Violas Situation und Stück für Stück auch ihre Vergangenheit hineinzufinden.
    Durch die Kürze der Abschnitte und den Schreibstil, der ohne Ausschmückungen und in knappen Beschreibungen funktioniert, wird die kühle, oft bedrückende Atmosphäre der Geschichte noch verstärkt. Violas Seelenzustand wird praktisch in der Art des Erzählens widergespiegelt.

    „Was es ist“ ist keine leichte Kost, sondern sehr anspruchsvoll zu lesen, da es gilt, auf Details zu achten und viel zu interpretieren und sich selbst zu erschließen. Selbst kleine nebensächlich scheinende Dinge kann man als Metaphern oder Stimmungsfänger auffassen, wenn man sie eingehender betrachtet.
    Obwohl man das Verhalten der Figuren (besonders natürlich der Protagonistin) beobachten kann, erhält man keinen direkten Zugang zu ihrem Wesen, sondern muss selbst deuten und zu verstehen versuchen.
    Die Autorin erzählt zwischen den Zeilen noch weit mehr als die 230 Seiten selbst fassen könnten. Ein Stück weit lässt sie den Leser damit allein, und das mag nicht jedermanns Sache sein. Ich persönlich fand das Leseerlebnis sehr faszinierend, auch wenn ich an einigen Stellen ein bisschen ratlos war oder gern noch Konkretes über Viola erfahren hätte. Über das eine oder andere werde ich sicher noch nachzudenken haben
    Man muss sich bei diesem Buch damit abfinden, dass man nicht so viele Erklärungen bekommt, wie man sich das vielleicht manchmal wünschen würde – wenn man das erkannt hat, entspinnt sich die ganz eigene Wirkung des Textes.

    Für ein Buch wie dieses eine Bewertung zu finden, die sich in Sternen oder einer Note ausdrückt, ist fast unmöglich. Es ist ein Meisterwerk, aber es setzt beim Leser vieles voraus – vor allem die Bereitschaft, sich auf die vielen Zwischentöne einzulassen. Daher wird es vielleicht nicht den Geschmack einer breiten Masse treffen, aber ich denke, genau das will und muss es auch gar nicht.
    Ich vergebe gern die volle Punktzahl für dieses Buch, aber mit der kleinen Einschränkung, dass es den Zugang nicht für jeden leicht macht. Außerdem ist für mich ein kleiner Minuspunkt, dass das Thema Glaube sich nur hinter der Geschichte erahnen lässt. Wie Viola selbst oder z.B. auch ihre Eltern dazu stehen, wird nie explizit thematisiert. Ich hatte bei der „inneren Wende“ durchaus damit gerechnet, dass Gott hier eine unmittelbare Rolle spielen würde, und aufgrund des Erscheinens in einem christlichen Verlag hätte ich selbst mir noch einen stärkeren Bezug in diese Richtung gewünscht.

    (Für wen) Lohnt es sich?

    „Was es ist“ kann sich sehr lohnen und bereichernde Gedankenimpulse zu Themen wie Identität, Lebenskrisen, Familie, Selbsttäuschung und Davonlaufen, Sinnsuche, … geben, wenn man vor der recht außergewöhnlichen Umsetzung und einer Tendenz zur Melancholie nicht zurückschreckt. Der Text fordert von einem, dass man sich auch über das, was schwarz auf weiß zu lesen ist, hinaus damit auseinandersetzt und in Eigenleistung Fäden weiterspinnt.

    In einem Satz:

    „Was es ist“ ist kein leichtes Buch für nebenbei, sondern eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen, um ihre Lebensweisheit für sich entdecken zu können.

  2. 5 von 5

    :

    In Violas Leben geht es vor allem um eines: Kontrolle. Sie führt ein ziemlich einsames Leben. Aber dann fällt ihre Mutter ins Koma und nun kann sie sich nicht länger aus allem raushalten.

    Dies ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Buch. Ich finde es gelungen, kann aber auch bisher geäußerte Kritik nachvollziehen. Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig und fordert den Leser heraus, zwischen den Zeilen zu lesen. Teilweise sind die Sätze sehr kurz und abgehackt, was dem Ganzen eine gewisse Härte verleiht. Trotzdem ist das Buch auch sehr feinfühlig und tiefgründig. Aber es sind eher leise Töne, die mehr indirekt anklingen. An manchen Stellen sind diese knappen Sätze auch genau richtig und viel treffender als umständliche.
    Es kann auch sein, dass ich Teile der Geschichte nicht verstanden habe, weil außerdem Gegenwart mit Vergangenheit gemischt wird, aber beides immer nur bruchstückhaft. Erst nach und nach ergibt sich überhaupt ein Bild. Aber es ist eine tragische und sehr traurige Geschichte, die zum Vorschein kommt. Deshalb ist die Atmosphäre im Buch auch ein wenig bedrückend. Nichtsdestotrotz muss ich noch einmal betonen, dass ich das Buch gut finde. Es thematisiert Einsamkeit und vieles andere, ohne die traurigen und negativen Seiten zu verschweigen oder schönzureden. Das ist etwas sehr Wertvolles. Viola als Protagonistin bleibt ein wenig verschwommen, sie ist nicht leicht zu durchschauen. Es wird eher distanziert geschildert, was passiert. Vielleicht ist das so, weil Teile der Geschichte fehlen. Viel wird angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt. Das ist natürlich auch ungewohnt, aber nicht schlecht. Gerade in den Andeutungen kann man so viel herauslesen. Auch der Titel ist sehr poetisch und schön.

    Fazit: Ein sehr sanftes und ruhiges Buch, das man nicht einfach so zwischendurch lesen kann. Man sollte es auf keinen Fall zur Seite legen, nur weil der Einstieg ungewohnt ist. Es lohnt sich!

  3. 5 von 5

    :

    Viola ist über 30, alleinstehend, erfolgreich im Beruf und….ja, und anfangs wirkt sie farblos. Doch es gibt vieles, was man über sie schreiben kann.
    Sie ist einsam, in ihrer steril wirkenden Wohnung, belastet mit ihren Erinnerungen an eine nicht so schöne Kind- und Jugendzeit. In der Wärme, Liebe und Geborgenheit fehlte. Trotz allelm gebunden an ihre Eltern, die inzwischen alt und von Krankheit getroffen sind. Und da ist auch noch eine alte Liebe, Yannik, für den sie es nicht gewagt hat mutig genug zu sein um über ihren Schatten zu springen.

    Auf diese Erzählung muss man sich einlassen. Muss auch die kleinen Hinweise in diesem knappen und doch eingängigen Stil bemerken.
    Es wird nicht linear erzählt, Erinnerungseinschübe bringen erst nach und nach mehr ans Licht.
    Meines Erachtens hat es die Autorin geschafft, mit ihrer ausdrucksstarken Erzählweise, die anfangs sehr kühl und vielleicht spröde klingt, sehr gefühlsstark die Kälte, die Einsamkeit, die anfängliche Leere der Protagonistin wiederzugeben.

    Es ist eine Geschichte, die auch beim Leser Fantasie, Verstehen, Emphatie und vor allem Verständnis erfordert. Erst im Laufe der Geschichte merkt man, wie viel mehr in der Vergangenheit liegt, die die Zukunft behindert.
    Die Protagonistin Viola muss sich erst von ihrer Vergangenheit lösen um nach vorne schauen zu können. Doch im Buch ist sie erst auf der Suche nach Antworten nachdem sie die Nachricht einer lebensbedrohliche Erkrankung ihrer Mutter erhält. Es beginnt das erste Aufbrechen alter Strukturen. Eine Verschiebung der Abhänigkeiten, die manche Antworten liefert oder andere Prozesse in Gang setzt.

    Es ist die Frage nach dem „was war“ und dem „was es ist“. Dabei bewirkt der Titel des Buches schon ein Nachsinnen. Ist es eine Frage, eine Aussage, betrifft es die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft ? Ein Interpretationsspielraum für den Leser. Den es auch bei manchen anderen Szenen im Buch zu geben scheint, aber dennoch bin ich der Überzeugung, die kleinen Hinweise der Autorin lassen sich entdecken und auslegen.

    Es ist keine heitere Geschichte, aber eine, die sicher nicht abwegig, sondern im Gegenteil, in unserer heutigen Gesellschaft viel öfters vorkommt als man meint.
    Viola ist ein Spiegelbild manch einer einsamen Frau, mit einer nicht glücklichen Kindheit, die Bindungsängste hat, die sich in Erfolg flüchtet. Viola muss sich ihrer Vergangenheit stellen, ihren Eltern, ihren Beziehungen innerhalb dieser Familie und deren Auswirkungen auf ihre eigene Zukunft.
    Nichts scheint einfach schwarz oder weiß, vieles, dass der Leser selbst bewerten muss. Manches wirkt nebulös, aber dass ist es gerade, was mir so gefallen hat. Man bekommt manches „vorgesetzt“, manches muss man sich selbst erarbeiten, selbst bewerten.

    Julia Willlmann hat mich mit diesem Buch gefesselt. Der ausdrucksstarke, niveauvolle Stil und die knappe und doch so aussgekräftige Erzählweise hat mich überzeugen können, hat mich berührt und mir Stoff zum Nachdenken beim Lesen gegeben. Mir gefällt es, wenn man beim Lesen auch selber Mit- und Weiterdenken muss, so wie hier !

  4. 5 von 5

    :

    „Aus ihrer Kindheit erinnerte sie sich an Margarete als eine Frau mit einem weichen Rücken und geflochtenem Zopf. Eine Lieblingstante, die sich nicht wehrte, wenn man ihr ein Salatsieb über den Kopf stülpte und unter der Kaffeetafel die Schuhe auszog. Als Viola acht Jahre alt war, hatte Margarete mit dem Rauchen aufgehört und sich von ihrem Verlobten getrennt. Sie begann sich um kranke Menschen zu kümmern und allein in den Bergen wandern zu gehen. Sie schnitt ihr Haar kurz. In den Jahren, die folgten, wurde es weiß. Ihr Blick veränderte sich. Ihre feine Gestalt wurde noch feiner, es sah aus, als würde sie wachsen. Zu Violas Erstaunen schien ihre Tante mit den Jahren jünger zu werden.“

    Viola Leben wird von ihrer Arbeit bestimmt. In ihrem Büro über den Dächern der Stadt entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und hat sogar einen eigenen Assistenten. Doch abends fühlt sie sich oft allein. Darüber kann auch ihre wunderschöne Loftwohnung nicht hinwegtrösten. Gedankenverloren bügelt Viola stundenlang, um zu Vergessen. Doch dann steht ihr Leben Kopf als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt. Mit dem Zug pendelt Viola nun zwischen ihrer Wohnung und ihrem Elternhaus, zwischen ihrem neuen und ihren alten Leben, zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Doch wo liegt ihre Zukunft?

    Die Autorin Julia Willmann schafft mit „Was es ist“ eine ganz neue Perspektive auf das Thema „Wendepunkte“. Was passiert, wenn die Welt plötzlich still steht? Wenn alles um einen herum zusammenbricht? Wenn man nur noch dasitzt, nichts mehr fühlt. Wenn man keine Pflichten, aber auch keine Wünsche mehr hat?
    Oft wird in diesen Zeiten von einem „Davor“ und einem „Danach“ gesprochen. Doch was passiert genau in diesem Momenten; was passiert „währenddessen“? Es geht in diesem Buch nicht vorrangig um ein Ergebnis, nicht (nur) darum was danach kommt. Und so verwundert es nicht, dass das Ende eher offen daherkommt. Zuerst war ich ein bisschen überrascht. Ich hatte so sehr auf ein Happy End gehofft. Viele Fragen bleiben offen und es bleibt damit dem Leser überlassen, was er daraus macht. Und doch bleibt dem aufmerksamen Leser nicht verborgen, dass die Autorin auch das „Danach“ nicht ganz dem Zufall überlassen hat. Es lohnt sich also durchaus, die Geschichte ein zweites Mal zu lesen.

    „Mehr als alles hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.“ Ich mag diesen Einstieg ins Buch und muss sofort an eine ganz bestimmte Figur im Buch denken: an Margarete, Violas Tante. Sie ist das krasse Gegenteil zu Violas Mutter, ein Gegenpol. Auch wenn es sicher nicht der Schwerpunkt des Buches ist, zeigt sich in der Geschichte, welchen Einfluss das System Familie auf die Entwicklung eines Kindes haben kann. Und zwar in beide Richtungen.
    Eine Szene an die ich mich, mit Erschrecken UND mit Freude erinnere, ist das Modellhaus von Viola und ihr Gespräch mit Bernard und seiner Plätzchentüte. Auch die sich entwickelnde Vater-Tochter-Beziehung hat mich sehr berührt. Gern würde ich meine Gefühle mit euch teilen. Aber ich möchte nicht spoilern.

    Das Buch wurde 2017 als kleines Hardcover mit Schutzumschlag im Fontis-Verlag veröffentlicht. Es ist hochwertig verarbeitet, und was mir besonders gut gefällt, ist die angenehm große Schriftgröße und der raue, griffige Einband unter dem Schutzumschlag. 16 Euro sind aber auch ein stolzer Preis. Ich hoffe, dass das potentielle Neuleser nicht abschreckt. Das wäre wirlich schade.
    Das Cover wirkt auf den ersten Blick einfach und unauffällig. Doch nach dem Lesen finde ich es passend. Ich empfinde es als ein Fenster oder eine Glastür, durch die man hinausschaut. Es könnte regnen? Auf jeden Fall sieht man nicht zu viel. Man müsste den Fokus, den Blick erst schärfen.
    Der Schreibstil der Autorin ist eingängig, direkt und sehr intensiv. Ihre Worte lassen kraftvolle Bilder entstehen, obwohl nicht zu viel gesagt wird. Man sollte als Leser bereit sein, sich auf dieses Buch unvoreingenommen einzulassen. Denn irgendwie ist es anders.

    Fazit:
    Ein wunderschönes, kurzweiliges Buch, dass viel Fragen – auch um die eigene Verletzlichkeit – aufwirft und nicht auf alles eine Antwort hat. Eine (meist) unaufgeregte, nicht wertende Geschichte, die nachdenklich stimmt, aber trotzdem – oder gerade deshalb – anregt, sich auf die Suche zu machen und sein eigenes Leben immer wieder einmal zur Diskussion zu stellen und zu hinterfragen.

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Zusätzliche Informationen

BN204106
ISBN978-3-03848-106-5
AutorJulia Willmann
UmschlägeHardcover , Leinen mit Schutzumschlag
Umfang230 Seiten
Format13,5 x 21 cm