Claudia Schmid – Die Feuerschreiber

4.13 von 5 basierend auf 8 Kundenbewertungen
(8 Kundenbewertungen)

19.99  inkl. Mwst.

Martin Luther und Philipp Melanchthon. Historischer Roman

Produktbeschreibung

Philipp Melanchthon wurde als Professor an die Wittenberger Leucorea berufen. Niemand sonst arbeitete danach so eng mit Martin Luther zusammen. Die beiden führenden Gestalter der Reformation waren zwar ein ungleiches Gespann. Und doch wirkten sie auf kongeniale Weise zusammen und brachten die Erneuerung der Kirche in Gang. Besonnen, scharf formulierend, immer auch auf ein konstruktives Miteinander bedacht – so war Melanchthon. Hingegen Martin Luther: Dem Freund an körperlicher Größe sowie Statur überlegen, zeigte er sich oft laut polternd. Hochbegabt der eine in den alten Sprachen, der andere ein genialischer Wortschöpfer des Deutschen. Melanchthon war es schließlich, der den Freund zur Übersetzung des Neuen Testaments während dessen Zeit auf der Wartburg anregte. Claudia Schmid hat umfassend recherchiert. Sie zeichnet einfühlsam das spannende und lebendige Bild einer Epoche des Umbruchs, die neben der Reformation und zahlreichen Entdeckungen in wissenschaftlichen Bereichen vom Bauernkrieg und von politischen Spannungen großen Ausmaßes in Europa geprägt war.

Leseprobe

8 Kundenbewertungen für Claudia Schmid – Die Feuerschreiber

  1. 4 von 5

    :

    Dieser historische Roman beginnt im Jahre 1517 und endet (wenn ich das richtig verstanden habe) im Jahre 1540. Er erzählt, wie Philipp Melanchthon und Martin Luther sich in Wittenberg an der Leucorea kennen lernten, gemeinsam unterrichteten. Claudia Schmid stellt dabei die enge Freundschaft zwischen diesen beiden Männern dar und schildert die Reformation hauptsächlich aus Melanchthons Sicht.

    Und genau das war für mich eine Überraschung, zumal ich über Melanchthon bislang recht wenig wusste. Hier wird er lebendig und ich fand es beeindruckend, wie detailliert die Autorin dessen Wesen und die Freundschaft der ungleichen Männer eingefangen hat. Auch die Hintergründe, die zur Reformation führten und die Unruhen, das, was im Hintergrund geschah, flicht sie in die Handlung ein. Man spürt dem Buch beim Lesen die intensive Recherchearbeit ab.

    Schreib- und Sprechweise sind der damaligen Zeit angepasst, was auch der Grund dafür war, dass ich mich anfangs einlesen musste. Ich mag es zwar, weil man dadurch besser in die Epoche abtauchen kann, aber da man heutzutage anders spricht, muss man sich stärker konzentrieren. Insgesamt fand ich den Schreibstil häufig eher sachlich, so dass ich das Gefühl hatte, eher eine Biografie bzw. ein Sachbuch zu lesen, als einen Roman. Es fließen halt viele Fakten in die Handlung ein und das Persönliche, das Umschreiben der Umgebung oder mancher Situationen haben mir dabei ein wenig gefehlt.

    Dennoch fand ich das Buch sehr interessant. Hervorheben möchte ich noch den roten Leineneinband, der sich unter dem Schutzumschlag versteckt, geprägt mit goldener Schrift. Ein wertiges Buch, das ich historisch Interessierten empfehle, Lesern von Biografien und Ähnlichem.

  2. 5 von 5

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    Eindrücklicher Einblick in die Welt, das Leben sowie die Ereignisse der Reformation

    Mit dem ersten Satz „Ist es also wahr? Er hat sie wirklich an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen?“ ist man direkt mitten in der Geschichte. Luther hat seine Thesen an die Tür geschlagen. Indem wir mitgenommen werden in das Leben von Luthers Freund und Mitstreiter Philipp Melanchthon, erhalten wir Einblick über die darauf folgenden Ereignisse. Wir begleiten Melanchthon auf seiner Reise nach Wittenberg und erhalten so ganz unkompliziert viele Details über das Leben und Reisen von damals. Durch das Mitverfolgen der Bemühungen von Luther und Melanchthon für die Reform des Glaubens und der Kirche, erfahren wir auch, wie das religiöse Leben damals ablief, was die Menschen damals beschäftigte und was eine Erneuerung der Kirche für sie bedeutete.
    Das Buch schenkt dem Leser eine sehr gute Einsicht über die ganze Lebenssituation von damals und hilft, viele Ereignisse besser verstehen und einordnen zu können. Die teilweise „altmodische“ Sprache beziehungsweise Ausdrücke hilft beim Eintauchen in die Welt von damals, aber es ist nicht so extrem, dass man es nicht mehr verstehen würde. Von den meisten historischen Ereignissen wird in Dialogen zwischen den Protagonisten berichtet, da wäre es schön gewesen, sie „mitzuerleben“ und nicht nur durch eine Drittperson erzählt zu bekommen. Handkehrum regt diese Tatsache zum Nachlesen der historischen Begebenheiten in anderen (Geschichts-)Büchern an: Was ging dem Thesenanschlag voraus? Wie lief das genau in Augsburg, Leibzig und Worms? Wer war Jan Hus und was geschah mit ihm?
    Mich hat positiv überrascht, wie gut und subtil ich mit diesem Buch einen Einblick in das Leben, die Umstände sowie Ereignisse von damals erhalten habe und auch, was dies alles für die Menschen bedeutete. Auch wenn es theologie-geschichtlich vielleicht etwas oberflächlich bleibt, kann ich mir die Welt von Melanchthon und Luther nun viel besser vorstellen. Daher ist das Buch sehr empfehlenswert!

  3. 4 von 5

    :

    500-Jahr-Jubiläum der Reformation? Das ist 2017, oder? Aber um was geht es da eigentlich genau? „Die Feuerschreiber“ ist eine spannende Möglichkeit, etwas zur Reformation zu lesen, ohne dass es gleich ein tonnenschwerer Geschichtswälzer sein muss. Der Roman eignet sich jedoch auch für alle, die Kirchengeschichte und historische Romane mögen.

    Sehr persönlich erzählt Claudia Schmid die Geschichte von Philipp Melanchthon, der „rechten Hand“ Luthers. Sie beginnt mit dem Anschlag der 95 Thesen, macht jedoch auch Rückblenden in die Kindheit Melanchthons. Dabei gelingt es ihr gut die unterschiedlichen Temperamente von Luther und Melanchthon darzustellen. Wieder einmal war mir der ruhige, diplomatische Melanchthon sympathischer als der aufbrausende und zuweilen höchst polemische Luther (genauso ist mit Bucer lieber als Zwingli, aber das ist Geschmackssache). Schmids grosse Leistung ist sicher, dass sie es versteht, nicht nur den Hauptfiguren eine gewisse Charaktertiefe zu geben. Gerade die Nebenfiguren vermitteln durch ihre ganz eigenen Schicksale das grössere Bild der Reformationszeit. In ihren Leben spiegeln sich die die praktischen Konsequenzen der Ideen Luthers.

    Historisch ist der Roman solide recherchiert. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sowohl die Katholische Kirche als auch die Täufer in diesem Buch schlechter wegkommen, als sie es wohl effektiv waren. Wie sagt man so schön: Der Sieger schreibt die Geschichte. Mir hat eine etwas differenziertere Auseinandersetzung mit den „Gegnern“ der Reformation gefehlt. Viele Anliegen der Täufer waren meiner Meinung nach berechtigt und wurden von den grossen Reformatoren zu wenig beachtet. Dann und wann erscheint Luther in „Die Feuerschreiber“ schockiert über die Folgen seiner Schriften. Doch eine echte Kritik bleibt aus, wo in Luthers Namen Schreckliches getan wurde, da hat man ihn lediglich falsch verstanden. Da hätte man mehr herausholen können.

  4. 3 von 5

    :

    Ein Roman über Philipp Melanchthon und Martin Luther, wobei Melanchthon deutlich im Vordergrund steht – da konnte ich nicht dran vorbeigehen. Melanchthon bleibt sonst immer ein wenig im Schatten von Luther, ist aber im Grunde in vielem moderner als dieser und steht mir mit seiner vernunftbasierten Theologie und seinem steten Wunsch nach Ausgleich auch näher. Von daher hat es mich gefreut, ihn einmal im Vordergrund einer Erzählung zu sehen.

    Grundsätzlich hat mir der Roman auch gut gefallen. Die Personen sind meiner Meinung nach sehr gut getroffen, und man kommt ihnen richtig nah. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist, dass die Autorin sie nicht in die heutige Zeit umpflanzt, wie das so oft passiert – Melanchthon darf an Horoskope glauben und böse Vorzeichen, weil das eben zu der Zeit dazugehört, und das macht ihn auch nicht weniger vernünftig.
    Auch die Darstellung der etwas schwierigen, aber auch sehr fruchtbaren und engen Freundschaft der beiden so völlig unterschiedlichen Reformatoren ist sehr schön gelungen.
    Außerdem lernt man wirklich viel über die beiden Männer und ihre Zeit.

    Trotzdem konnte das Buch mich nicht völlig begeistern, und das liegt vor allem daran, dass ich es als zu kurz empfinde. Es hat gerade mal 346 Seiten, das ist für einen historischen Roman nicht viel, und für diese Kürze war zu viel hineingepackt. Teilweise hatte ich das Gefühl, eher so etwas wie Vorskizzen für Szenen zu lesen, die dann später noch ausgefüllt und mit Details und lebendiger Erzählung versehen werden sollten, was aber nie passiert ist. Die Stellen, an denen man die Ereignisse wirklich ausführlich aus der Perspektive der Protagonisten erlebt, sind gut geschrieben und bewegend, aber diese Zwischenberichte eben nicht.
    Dazu wurden oft Details und vor allem Namen von historischen Personen eingefügt, die völlig überflüssig waren. Vor allem die Namenflut war nervig, dabei kannte ich als jemand, die im Studium viel mit der Reformationszeit zu tun hatte, sogar noch etliche davon. Wenn man mit den betreffenden Personen nicht einmal was anfangen kann, wird es sicher ganz frustrierend und auch teilweise verwirrend.

    Dann hat mir ein eingefügter Handlungsstrang mit einer erfundenen Person, einem Jugendfreund Melanchthons aus einer der unteren Gesellschaftsschichten, nicht wirklich gefallen. Ich verstehe, warum er eingefügt wurde (um eben auch die Bauernkriege etc. aus der Sicht der Beteiligten darstellen zu können), aber es las sich wie aufgepfropft und wurde spätestens da völlig überflüssig, als mangels weiterer politischer oder geistiger Strömungen, die man dem guten Jörg noch hätte angedeihen lassen können, noch eine Verbrechensgeschichte daraus wurde, die in meinen Augen überhaupt nicht mehr zum Rest des Romans passte.

    Das ging mir inzwischen schon bei mehreren Romanen so – eingefügte Handlungsstränge mit erfundenen Personen, um neben der höheren Klasse auch das „gemeine Volk“ mit einzubinden, gefallen mir einfach nie, und ich denke jedes Mal: Eigentlich will ich doch über die historischen Personen lesen, wie geht es denn da weiter, hoffentlich kommen wir bald wieder zum eigentlichen Protagonisten/ zur eigentlichen Protagonistin des Romans …

    Vom Stil her gefiel mir auch manches nicht, vor allem zu Anfang. Gegen Ende hatte ich mich dann entweder einfach daran gewöhnt, oder es ist wirklich besser geworden. Aber gerade am Anfang kam ich nur schwer in die Geschichte rein, weil man sehr viel von außen auf die Figuren schaute. Dazu kamen Beschreibungen an Stellen, wo sie nicht hingehörten, wie z.B. die Beschreibung von Cranachs Haus inklusive einer Frau, die dort herauskam – und dann gingen die Protagonisten ganz woanders hin. Dabei kam das Haus später durchaus handlungsrelevant vor, so dass man es in aller Ruhe dort hätte beschreiben können. Teilweise wurde das dann auch noch einmal gemacht, so wie überhaupt vieles, auch an Aussagen der Reformatoren, ständig wiederholt wurde, so dass ich ab und zu laut aufstöhnte und sagte: „Ja, das wissen wir inzwischen!“

    Einige Details waren auch schlichtweg falsch – da wurde z.B. von „verwanzten Hübschlerinnen“ geredet, woraufhin ich etwas lachen musste, weil das nach Spionage klingt – Bettwanzen sind nun mal Bettwanzen und halten sich nicht am Körper, sondern in Matratzen und Decken auf. Weshalb es auch eine ähnlich dämlich Aussage ist, dass sich Übernachtende davor fürchten, im Stroh im Stall irgendwelches Getier vorzufinden – in den Betten eines Gasthofes wimmelte es in der Regel von Wanzen, Flöhen etc., da war der Stall vermutlich sogar die bessere Alternative. Dann wird von der „Landgrafschaft Darmstadt“ gesprochen – die gab es damals nicht, sondern Hessen war zu dieser Zeit gerade nicht geteilt. Gut, das ist noch zu verschmerzen. Was mich mehr gestört hat, ist die mehrfache Erwähnung von Pergament als Material für Notizen. Pergament war teuer und zu dieser Zeit auch längst nicht mehr gebräuchlich, schon gar nicht für normale Schreibarbeiten – es gab schließlich Papier! Nur offizielle Dokumente wie Urkunden wurden noch auf Pergament geschrieben.

    Das sind allerdings wirklich Details, und mir ist bewusst, dass das für die meisten Leser kaum relevant ist. Ich wollte es trotzdem erwähnen.
    Auch erwähnen möchte ich übrigens, dass ich mich eine ganze Weile nicht darüber beruhigen konnte, dass nicht nur Luther offenbar selbst seine Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen hat (und das als erstaunliche Tatsache berichtet wird, obwohl es völlig normaler universitärer Brauch war, zu diskutierende Thesen ans „Schwarze Brett“ anschlagen zu lassen) und das Gewittererlebnis mit dem Versprechen Luthers, Mönch zu werden, berichtet wird (was sehr wahrscheinlich Legende ist), sondern wahrhaftig auch der Wurf des Tintenfasses in der Wartburg, was nun wirklich ins Reich der Legenden gehört.

    Es ist aber symptomatisch für den Roman, dass all das unbedingt mit hineingenommen werden musste. Um mal ein Fazit zu wagen: In meinen Augen hätte die Autorin besser getan, sich auf bestimmte Aspekte und Figuren zu beschränken – oder aber den Roman deutlich dicker schreiben müssen. Außerdem hätte eine Überarbeitung dem Roman gut getan – wenn all die Wiederholungen und unnötigen Beschreibungen und Namen weggeblieben wären, dafür aber mehr szenisch erzählt worden wäre, hätte es ein wirklich guter Roman werden können. So bleibt für mich ein etwas zwiespältiges Gefühl: Einerseits sehr interessant und informativ, teilweise auch sehr berührend, andererseits zu überladen für die Kürze und zu viel beschrieben und zu wenig miterlebt.

  5. 3 von 5

    :

    In diesem Buch erfahren wir Einiges über das Wirken der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Die Idee dahinter ist, in Romanform den Lesern die Ansichten dieser überaus gelehrten Männer und die von ihnen angestoßenen bahnbrechenden Neuerungen in der Kirche näher zu bringen.

    Ich war gespannt auf das Buch, da ich die Zeit der Reformation sehr interessant und lehrreich finde. Allgemein bekannt ist der Kampf gegen den Ablasshandel, welcher jedoch lediglich den Anfang darstellte. Darüber hinaus lag auch vieles Andere in der damaligen Kirche im Argen, die lateinische Messe war schwer zugänglich und auch die Bibel konnte nur von wenigen gelesen werden. Luthers Übersetzung ins Deutsche behob diesen Missstand. Sehr anschaulich kann man in diesem Buch sehen, dass nicht unbedingt alle einverstanden mit den Neuerungen waren. Es gab Gegenwind von allen Seiten, sogar aus den eigenen Reihen, selbsternannte Propheten und misstrauische Blicke.

    Jedoch muss ich sagen: Ich war an vielen Stellen enttäuscht von dem Buch. Die Handlung in Form eines Romans fand ich nicht wirklich gelungen, vieles wirkte aus dem Zusammenhang gerissen. So werden beispielsweise die Ansichten der beiden Reformatoren ausführlich in gegenseitigen Diskussionen dargelegt, diese Gespräche erscheinen jedoch hölzern und alles andere als authentisch. Zudem wiederholt Vieles sich mehrfach. Ich hatte oft den Eindruck, dass hier der Versuch unternommen wurde, viel Inhalt in einen verhältnismäßig kurzen Roman zu pressen. Deshalb fehlen oft die Zusammenhänge. Auch andere Ereignisse aus dem Leben der beiden wurden geschildert, jedoch relativ teilnahmslos. Die Figuren wirkten insgesamt recht leblos, da es selten unter die Oberfläche ging. So habe ich am Ende zwar eventuell Einiges gelernt und Wissenswertes erfahren, einen Roman hätte es dafür aber nicht gebraucht, zumindest nicht in dieser Form.

  6. 4 von 5

    :

    Der Inhalt
    Philipp Melanchthon und Martin Luther, zwei große (Voraus)Denker ihrer Zeit, die viel bewirkt haben, das in die heutige Zeit fortwirkt.
    Die Freundschaft von Philipp und Martin, die sich als Magister an der Leucorea in Wittenberg kennen- und schätzen lernen, gefällt mir … der Denker und der Macher.
    Wobei Martin ja auch denkt und sich in den Bann ziehen lässt. Philipp ist da eher vorsichtig und sieht auch die Gefahren.
    Sie ergänzen sich sehr gut und stärken sich durch ähnliche Gedanken, auch wenn sie eigentlich eben sehr unterschiedlich wirken.

    Auch Luthers Flucht auf die Wartburg und die Übersetzung des Alten und Neuen Testaments sind natürlich inhaltlich eingebunden – mit allen ob ihrer Wahrheit kontrovers diskutierten Geschichten darum (Wurf des Tintenfass bspw.). Die Ungewissheit nach seinem Untertauchen bei den Sympathisanten ist nachvollziehbar – heute mit Internet wäre Luther vielleicht gerade dadurch zu einem Hype geworden.

    Die Suche nach der perfekten Übersetzung, die fand ich super beschrieben.

    Fürs Volk, dem Volk aufs Maul geschaut … heute sicher einfacher dank Internet.
    Inhaltlich hatte ich teilweise den Eindruck, dass über Seiten hinweg Personen und Ereignisse aufgezählt wurden.
    Der hat den besucht, der war mit dem verschwägert, der hat das getan, der …
    Da wurden mir (un)bekannte Namen runter gerattert und eingebunden in das Geschehen, aber wirkliche Zusammenhänge aus meiner Sicht nicht hergestellt.
    Ab und an sind dann aber mir wichtige Fakten als fast belanglos nebenher erwähnt.
    (das bringt auch meinen Punktabzug)

    Eingebunden ist die Freundschaft und das Wirken von Luther und Melanchthon in die Erzählungen über die Umstände der Zeit sowie in ihre persönlichen Zusammenhänge familiär und Freundschaften betreffend. Das macht das Buch lebendig und zu einem historischen Roman.

    Mein Eindruck/Resümee
    Die Geschichte und der Erzählstil zogen mich in den Bann.
    Einerseits zieht das Buch (der Inhalt und Schreibstil) mich in den Bann und ich mag es nicht weg legen, weil ich einfach weiter lesen MUSS – und andererseits braucht es eben doch auch seine Zeit.
    Die Charakterisierung der Personen finde ich hervorragend. Luther, Melanchton aber auch Jörg und seine Kumpane …
    Auch die Gesamtzusammenhänge werden nachvollziehbar eingebaut und die Zeit mit ihren Lebensgewohnheiten kommt ebenfalls gut rüber.
    Die Beschreibungen der Umstände und Kleinigkeiten gelingen der Autorin wirklich gut … wohingegen mir wie schon geschrieben nicht gefällt, dass viele Dinge/Personen mit eingebunden werden um (scheinbar) einfach genannt zu sein.
    Insgesamt ein Buch, das anstrengend zu lesen ist, aber mir Melanchton und Luther sowie die Zeit der Reformation näher gebracht hat.
    Dafür danke ich!

    Die Autorin
    Claudia Schmid schreibt Historisches, Kriminelles und Reiseberichte. Die Germanistin lebt in der Metropolregion Rhein-Neckar und ist Redakteurin bei Kriminetz.de.

    Das Cover/das Buch
    Feuerrotes Hardcover mit Schutzumschlag, kein Lesebändchen. Auf dem Schutzumschlag ein Flammenmeer und Schreibfeder mit Tintenfaß, also sehr stimmig.

    Gebundene Ausgabe: 352 Seiten 19,99€
    E-Book 17,99€
    Verlag: Fontis – Brunnen Basel; Auflage: 1 (14. September 2016)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3038480908
    ISBN-13: 978-3038480907

  7. 5 von 5

    :

    Als der Mönch Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen an die Stadtkirche zu Wittenberg geschlagen hat, konnte er noch nicht damit rechnen, dass sich auch 500 Jahre danach noch Christen damit beschäftigen und darüber froh sind, dass er diesen Schritt gewagt hat. In diesem sehr gut recherchierten Roman erzählt Claudia Schmid die Geschichte von Martin Luther und seinem engen Freund Philipp Melanchton. Der Autorin ist ein wunderbarer Einblick in die Zeit von 1517 bis 1530 gelungen. Dass Martin Luther eng mit Philipp Melanchton zusammengearbeitet hat, ist ja bekannt. In diesem Roman bekommt allerdings nicht Luther sondern Melanchton die Hauptrolle, denn es wird hauptsächlich aus seiner Perspektive erzählt, was mir wirklich gut gefallen hat. Natürlich kommt Martin Luther dennoch nicht zu kurz. Einige Details und Handlungsstränge sind dichterische Freiheit, dennoch versucht die Autorin sehr nah an der überlieferten Geschichte zu bleiben. Besonders berührt war ich auch von den Liebesgeschichten der beiden Männer, die anfangs gar nicht danach aussehen und sich erst entwickelt haben. Das meiste kann man so auch in den Geschichtsbüchern finden.

    Ich muss zugeben, der Einstieg fiel mir etwas schwerer, weil man sich an die doch etwas andere Sprache erst gewöhnen muss und auch viele Gespräche zwischen den Gelehrten sind anspruchsvoll. Trotzdem habe ich diesen interessanten Roman sehr gern gelesen und war überrascht über das ein oder andere Detail, was ich bisher noch nicht kannte. Auch die Einblicke in das Privatleben der beiden und das Leben allgemein in der damaligen Zeit sind sehr interessant. Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass viele Dinge der heutigen Zeit sehr ähneln, nur dass sich die Möglichkeiten heute sehr erweitert haben. Es werden immer noch Menschen aus Habgier getötet, die Reichen werden immer reicher auf Kosten der Armen. Dennoch hat sich natürlich vor allem auch in der Kirche viel geändert. Die Gottesdienste sind nicht mehr auf Latein und vor allem kann jeder selbst die Bibel lesen, was vor Luther nur den Gelehrten vorbehalten war.

    Ein Roman, der mich sehr berührt hat und für Geschichtsinteressierte aber auch für Liebhaber historischer Geschichten genau die richtige Lektüre ist.

  8. 5 von 5

    :

    „…Sein Naturell war auf Ausgleich bedacht, und er hätte gern all Parteien zusammengebracht, so dass sie gemeinsam zum Wohle aller wirken konnten…“

    Wir schreiben das Jahr 1517. In Tübingen erfährt Philipp Melanchthon vom Thesenanschlag Luthers. Im Jahre 1518 wird Melanchthon an die Universität nach Wittenberg berufen. In dem Moment beginnt die Zusammenarbeit der beiden ungleichen Männer.
    Die Autorin hat einen spannenden und abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Das Buch lässt sich gut lesen. Viele Stellen zeugen von der exakten Analyse der Zeitverhältnisse. So werden auch Personen erwähnt, die die Lebenswege von Luther und Melanchthon nur marginal tangierten, erwähnt, wenn sie im Rahmen der Reformation eine Rolle spielten.
    Die beiden Protagonisten werden gut charakterisiert. Da ist Luther, der ein begnadeter Redner ist, und durch seine Stimmgewalt auffällt. Sein cholerisches Temperament macht ihn nicht unbedingt zu einem einfachen Partner. Melanchthon dagegen ist ganz Wissenschaftler. Sein Handwerkszeug ist die Feder. Während seiner Arbeit kann er alles um sich vergessen. Stets ist er auf Ausgleich bedacht, kritisiert aber natürlich falsche Entwicklungen. Dabei sieht er vieles differenzierter als Luther. Obiges Zitat beschreibt ihn sehr gut.
    Der Schriftstil des Buches ist abwechslungsreich. Es gibt Teile, die eher informativen Charakter tragen. So gewährt mir die Autorin einen ausreichenden Einblick in Melanchthons Kindheit und Jugend. Andere Stellen sind der genauen Darstellung der Bibelübersetzung gewidmet. Dabei wird deutlich, dass das Ringen um das rechte Wort harte Arbeit war. Genügend Raum gibt es für das Privatleben, insbesondere von Melanchthon. Er entpuppt sich als liebevoller Vater, der trotz seiner Arbeit als Professor Zeit für die Kinder hat. Sehr viel Platz nimmt Melanchthons Einstellung zum Thema Bildung ein. Hier fallen Sätze, die man sich gut merken sollte, weil sie auch für unsere Zeit nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Auch abweichende Meinungen zu Luthers und Melanchthons Lehre finden Platz, so die Ansichten von Zwingli, aber auch von Müntzer oder den Wiedertäufern. Neben Luther und Melanchthon gibt es einen weiteren Protagonisten, der der Phantasie der Autorin entsprungen ist. Jörg ist ein Freund und Begleiter Melanchthons, stammt aber aus einer völlig anderen Bevölkerungsschicht. Seine Einführung ermöglicht es der Autorin, mir als Leser Einblicke in das Denken und Handeln der ärmeren und wenig gebildeten Teile der Bevölkerung zu gewähren. Gut ausgearbeitete Dialoge sorgen für zusätzliche Tiefe in der Handlung. Dabei meine ich nicht nur die Gespräche der Protagonisten, sondern denke auch an die Auseinandersetzung mit Eck. Oft wird diese Möglichkeit genutzt, um unterschiedliche Ansichten zu Bibelaussagen gegenüberzustellen. Die weltweiten historischen Gegebenheiten werden in genügenden Maße berücksichtigt und in die Handlung integriert.
    Ein Personenregister, eine Literaturliste und ein Glossar vervollständigen das Buch.
    Das Cover wirkt edel.Der rote Streifen mit dem Titel trennt Tinte und Feder im oberen Teil von den lodernden Flammen im unteren.
    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Im Gegensatz zu anderen Büchern über die Reformation erhält hier Melanchthon ein Gesicht. Sein Anteil an der neuen Lehre wird deutlich herausgearbeitet. Gleichzeitig werden wichtige Unterschiede zwischen beiden Männern verdeutlicht.

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Zusätzliche Informationen

BN204090
ISBN978-3-03848-090-7
AutorClaudia Schmid
ErscheinungsjahrHerbst 2016
UmschlagHardcover mit Schutzumschlag
BindungLeinen
Umfangca. 352 Seiten
Format22,5 x 14,5 cm