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Welttag des Briefeschreibens

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Briefe schreiben ist eine fast schon vergessene Kunst, an die der Welttag des Briefeschreibens erinnert. Tina Schmidt über wertvolle Worte und selbstgeschriebene Briefe.

Zückt die Feder – denn heute ist Welttag des Briefeschreibens (im englischen Original „World Letter Writing Day“)! Vor vier Jahren hat ihn der australische Fotograf, Künstler und Autor Richard Simpkin ins Leben gerufen. Der ist nämlich ein Fan von handgeschriebenen Briefen und findet, dass sie viel mehr Persönlichkeit haben als beispielsweise E-Mails, eine SMS oder WhatsApp-Nachricht. Fragt man Graphologen, würden sie auf alle Fälle zustimmen – können Sie doch von der Handschrift einer Person auf ihren Charakter schließen.

Wenn ich einen handgeschriebenen Brief erhalte, dann weiß ich, dass sich die Person besonders viel Zeit und Mühe genommen hat, um mir – und nur mir – zu schreiben und ich ihr deshalb etwas bedeute. Ein handgeschriebener Brief erfordert mehr Zeit als

wenn man am Computer in die Tasten haut. Nicht nur ein möglichst schönes Schriftbild braucht seine Zeit, sondern auch das Sortieren der Gedanken: Was möchte ich meinem lesenden Gegenüber eigentlich mitteilen? Leider kann man einen Fehler auf dem Briefpapier nicht schnell mit der „Delete“-Taste korrigieren, sondern sie bleiben meistens sichtbar. Doch anstatt viele Male ein neues Blatt anzufangen und es dann doch zerknüllt in den Papierkorb zu werfen, sollten wir die sichtbaren Imperfektionen stehenlassen – denn gerade sie verleihen dem Brief seine persönliche Note. Und vielleicht gehört ein Tassenabdruck vom Kaffee oder Weinglas und eine vergossene Träne, die die Schrift verwischt, sogar dazu.

Überraschung im Briefkasten

Der Gang zum Briefkasten ist ein Moment der Erwartung. Ganz besonders liebe ich es, wenn mich ein handgeschriebener Brief überrascht. Er ist ein unerwartetes Objekt, ja geradezu eine Rarität zwischen den vorgedruckten Umschlägen von Rechnungen und Werbebriefen. Er sticht heraus durch sein andersartiges Aussehen – der Umschlag ist vielleicht nicht weiß, sondern farbig. Vielleicht ist er sogar dekoriert, bemalt, beklebt. Die von Hand geschriebene Adresse und die Briefmarke mit dem Stempel verraten die Herkunft des Briefes. Die Aufregung ist groß, und die Frage über den Absender drängt sich auf. Drehe ich den Brief, löst sich die Frage vielleicht schon auf, sofern der Absender seine Adresse hinterlassen hat. Den handgeschriebenen Brief bringe ich wie einen kleinen Schatz in meine Wohnung. Vielleicht koche ich noch eine Tasse Tee, bevor ich mich aufs Sofa setze und ihn mit aller Sorgfalt öffne – ein fast heiliger Moment.

Briefe sind wertvolle Momentaufnahmen

Handgeschriebene Briefe sind kostbare Zeitdokumente. Als es noch kein Internet gab, fungierten sie als wichtige Kommunikationsmittel. Und für einen Gefängnisinsassen wie etwa für Dietrich Bonhoeffer während seiner Haft im zweiten Weltkrieg waren Briefe das Tor zur Außenwelt. Ja, die Briefwechsel mit seiner Verlobten Maria von Wedemeyer oder seinem Freund Eberhard Bethge waren ihm Lebenselixier. Heute füllen sie Bücher und lassen uns teilhaben an seinen Sehnsüchten, Ängsten und innersten Gedanken.

Ein Brief ist ein Erbe für die Ewigkeit

Ein Brief geht eben nicht so schnell verloren wie eine Nachricht in der Flut von Informationen der digitalen Welt. Und öfter wird er daher auch lange aufbewahrt. Ein Brief bleibt also immer auch eine Art „Beweisstück“ – und wenn man möchte, dass er nicht entdeckt wird, muss man ihn schon nachhaltig entsorgen, zum Beispiel verbrennen.

Geschehen ist das bei mir mit einigen Briefen von ehemaligen Liebhabern. Aber noch immer stapeln sich bestimmt um die Hundert Briefe in Schachteln von Brieffreundinnen aus fernen Ländern, aber auch von ehemals sehr nahen Freundinnen. Sie erinnern an eine besondere Zeitspanne und rufen sofort nostalgische Erinnerungen hervor. Sobald ich einen öffne und anfange zu lesen, eröffnet sich mir eine ganz andere Welt. Viele Briefe haben wir einander geschrieben, sogar, wenn wir uns oft sahen.

Mindestens genauso wie ich es liebe, handgeschriebene Briefe zu erhalten und ich liebe es, Briefe zu schreiben, den Umschlag zu dekorieren und jemanden damit zu überraschen. Gerade diese Woche habe ich eine SMS erhalten, in der sich eine Freundin für die Briefe und Geschenke von mir bedankt, die sie offenbar aufbewahrt hat und wiederentdeckt hat. Und oft passiert es mir, dass ich der Person am Postschalter ein erstauntes Lächeln aufs Gesicht zaubere, wenn ich meine persönlich gestalteten Umschläge aufgebe.

Mitmachen beim Welttag des Briefeschreibens

Beim Welttag des Briefeschreibens kann man ganz einfach mitmachen: Überlegt euch, wem ihr eine Freude machen möchtet, zückt die Feder, den Füllfederhalter oder einen schönen Stift und dazu ein Blatt Papier – ganz schlicht oder schön handgeschöpft aus der Papeterie ––­ und los geht das Briefeschreiben. Es müssen ja nicht seitenweise Ergüsse sein – wichtig ist die richtige Intention. Dann wird die Überraschung wird bestimmt gelingen.

Über die Autorin

Tina Schmidt ist Autorin von „Venus – mein Leben zwischen Freiheit und Liebe“ und moderiert die Bücher-Sendung „Lesen. Lieben. Leben.“, die auf Bibel TV zu sehen ist.

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