Fontis-Blog

Vom Ursprung der Buchkultur

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23. April 2021 – heute wird das Medium «Buch» weltweit gefeiert. André Bégert, Mitglied der Geschäftsleitung und Verwaltungsratspräsident von Fontis, teilt mit uns seine Gedanken über die Bedeutung des Buches, seine Abgrenzung zur Onlinewelt und die Vertrauenswürdigkeit gebundener Seiten.

Wir sind Menschen, die Bücher machen. Ein schöner Beruf! Andere Erdbewohner fliegen Passagier-Jets oder operieren am offenen Herzen. Auch das ist besonders. Dennoch stammt das Wissen für ihre Tätigkeit in der Regel aus Büchern. Ein gedruckt erschienenes Werk ist wie eine Quelle, in der sich die Wasser sammeln und sich dazu entschließen, zu einem Fluss zu werden.

Seit Beginn der digitalen Revolution wurde der Untergang des Buches herbeigeredet. Und in der Tat haben neue Formate und Plattformen im Internet ein interessantes Konkurrenz-Angebot für die Leserschaft erzeugt. Insbesondere mit dem Aufkommen des Web 2.0, wo der Nutzer nicht nur konsumiert, sondern als «Prosument» selbst Inhalte zur Verfügung stellen kann, haben Online-Publikationen stark zugenommen. Diese Fülle hat zu interessanten Dialogen unter den Leserinnen und Lesern beigetragen, wenn auch nicht immer zum Guten. Denn allzu oft ist die Qualität auf der Strecke geblieben. Es ist verhältnismäßig leicht, seichte Beiträge online zu stellen. Und es ist sogar noch einfacher, polemische Kommentare dazu zu verfassen. Ob das die Leserschaft aber bereichert, ist die große Frage. 

Wikipedia, YouTube & Instagram

Lassen Sie uns an dieser Stelle drei wichtige Konkurrenten des gedruckten Buches kurz betrachten: Wikipedia, YouTube und Instagram.

Wer die beiden Begriffe «Qualität» und «Wikipedia» bei Google gleichzeitig eintippt, findet auf den ersten Seiten praktisch nur Beiträge, die Wikipedia selbst über sich verfasst hat. Man stellt sich also quasi ein eigenes Gütesiegel aus. Erst viel weiter hinten finden sich Beiträge von Fachleuten, die bemängeln, dass jeder und jede auch nur halbwegs Kundige jederzeit Artikel über alles und jeden schreiben und verändern darf. Sie bezweifeln, dass die Plattform hinsichtlich der Qualität einen akzeptablen Standard bietet. Und in der Tat finden wir bei «Wiki» Länder in Asien, die es nie gab, Cäsaren-Mörder, die gar keine waren, Bands, die nie existierten, und französische Philosophen, die niemals in Erscheinung getreten sind. Eine amerikanische Freundin von mir, die heute in Los Angeles ein eher bescheidenes Leben führt, wurde fälschlicherweise als ehemalige Schönheitskönigin von Schweden gelistet. Dies hat mein Vertrauen ins Online-Nachschlagewerk endgültig erschüttert.

Wenn man bedenkt, dass sogar Studierende beim Einstieg in neue Themen heutzutage erst einmal Wikipedia konsultieren, sollte uns das nachdenklich stimmen. Wiki bezeichnet sich selbst als Online-Enzyklopädie. Eigentlich wäre Kompendium passender: Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «Ersparnis, Abriss, abgekürzter Weg». Ich finde, diese Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf. 

Ähnlich geht es mir bei YouTube: Ich würde mich zum Beispiel nie bei einem Chirurgen unters Messer legen, der seine Fähigkeiten bei YouTube erworben hat. In ein richtiges Sprechzimmer gehört doch neben einem weißen Kittel ein massives Bücherregal mit Titeln über den Aufbau und die Funktion des menschlichen Körpers und seiner Organe. Arzt werden, indem man sich Filme anschaut, funktioniert vielleicht bei Leonardo diCaprio in «Catch Me If You Can», aber kaum im richtigen Leben.

Instagram gehört derzeit zu den bekanntesten Zeiträubern und ist beliebt bei Jung und Alt. Fast jeder kann sich irgendwo im Netz tolle Sprüche zusammenklauen und zu seinen Bildunterschriften hinzufügen. So wird man über Nacht zum Influencer, aber der nachhaltige Einfluss für die Gesellschaft hält sich aus meiner Sicht in Grenzen. Stellen Sie sich vor, Sie wären auf dem Landeanflug in Gibraltar, während Ihr Sitznachbar Sie darauf hinweist, dass die Verhältnisse auf der Landebahn etwas beengt, die Piste etwas kurz und die Seitenwinde legendär sind. An dieser Stelle wünscht man sich doch einen Piloten, der seine Bücher über Aerodynamik und Crosswinds so zerlesen hat wie die Tageszeitung in einem Wiener Kaffeehaus! Oder? Denn sollte der Captain sein Wissen nur bei Instagram unter dem Hashtag #trickylandings erworben haben, würde es jetzt wahrscheinlich etwas ungemütlich.

Die Suche nach dem Schönen

Wir sind Menschen, die Bücher machen. Wir verstehen nicht alles, was drinsteht, aber uns liegen die Menschen am Herzen, die Inhalte ernst nehmen und sich durch und durch damit beschäftigen, bevor sie etwas veröffentlichen. Wir unterstützen ihren Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen und sie niederzuschreiben. Unsere Lektorinnen und Lektoren begleiten und hinterfragen die Themen und Meinungen unserer Schreibergilde. Von 300 eingereichten Manuskripten schaffen es im Durchschnitt nur ein bis zwei zwischen die zwei Deckel eines Buches. Gemeinsam holen die LektorInnen, KorrektorInnen und AutorInnen in monatelanger Arbeit das sprachlich Bestmögliche heraus. Dann geht’s zum Setzer. Der sucht den schönsten Satzspiegel aus und lässt die Schriftzeichen auf ausgesuchtem Papier in einer Weise zur Geltung kommen, die den Augen guttut, sie nicht ermüdet und selbst vertrocknete Bleiwüsten noch zum Blühen bringt. Wenn das Buch dann endlich in unseren Händen liegt, vertrauen wir es geschulten Personen an, die es thematisch richtig einordnen und es im Buchhandel und im Marketing angemessen präsentieren. Ein langer und mühseliger Weg, ja, aber er lohnt sich. Denn Menschen, die Bücher lesen, haben es nicht verdient, mit Mittelmäßigkeit bestraft zu werden. 

Bücher lesende Menschen suchen nämlich kein Halbwissen, sondern erweisen sich immer wieder als Zeitgenossen, die nach dem Ursprung suchen; dem Ursprung der Wissenschaften, der Liebe, des Daseins, der Vergänglichkeit, des Lebens. Darum machen wir Bücher. Bücher, die von Gott handeln, von Jesus und seiner monumentalen, einzigartigen Weltgeschichte. Mitunter auch Bücher, die von persönlichen Tragödien berichten oder von großen Erfolgen. Mit unseren Themen sprechen wir in aktuelle gesellschaftliche Debatten hinein. Nicht nur in verrückten Zeiten wie diesen, sondern jederzeit und für alle Lebenssituationen.

Und ja, natürlich: Nicht alle unsere Bücher gewinnen Buchpreise oder finden die erhoffte spektakuläre Resonanz. Manchmal gibt es AutorInnen, die in ihren Publikationen versuchen, die Religion zur Wissenschaft zu erklären. Und es gibt die anderen, die die Wissenschaften zur Religion machen. Dass das eine wie das andere zu einer etwas engen Denkweise führen kann, ist uns bekannt. Aber gerade diesen Diskurs und Spannungsbogen wünschen wir uns. Denn es geht bei beiden ja um die Suche nach dem Ursprung des Menschseins. Beide wissen: Wenn der Ursprung und die Ursache wegfallen, entfällt auch die Wirkung.

Man sagt, der Ursprung der literarischen Kultur habe in hohem Maße mit der Bedeutung der Großelternschaft zu tun. Während die Eltern auf der Jagd waren und Essen für die Familie besorgten, schauten die Großeltern zu den Enkelkindern und erzählten ihnen Geschichten. Irgendwann wurden diese aufgeschrieben und überliefert. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur eins: Wir sind Menschen, die Bücher machen. Und wir lieben es, wenn Menschen Bücher lesen. Und wenn ab und zu ein gelesenes Wort hinunterfällt, da, wo’s keiner sieht, mitten ins Herz hinein, da beginnt der Ursprung des Lebens, denn – am Anfang war das Wort.

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