Fontis-Blog

Vom Schlag zum Schlaf

Foto: Silvan Arnet / unsplash.com
Foto: Silvan Arnet / unsplash.com

Ein Autounfall entpuppt sich als überraschende Begegnung, die nicht nur Spuren im Lack hinterlässt. Verlagsleiter und Autor Dominik Klenk berichtet darüber, wie sich hinter Schwierigkeiten manchmal ungeahnter Segen verbirgt. Ende gut, alles noch viel besser!

Zur geschenkten Mitgift meines Lebens gehört, dass ich gut schlafen kann. Seit Jahrzehnten. Wo auch immer – wann auch immer. Augen zu und weg. Dieses Privileg ist mir seit einigen Monaten aus der Form geraten und ich merke, wie der schlechte Schlaf zusätzlich zu anderen Belastungen meine Kraft im Alltag zeitweise ausdünnt.

Der Aufprall

Vor 6 Wochen war ich – wie immer morgens – mit dem Auto auf dem Weg in den Verlag nach Basel. Same procedure than every day: Mit der Autobahn bis fast in die Stadt, auf der Wettsteinbrücke über den Rhein und dann am Bankverein warten. Vor mir eine Autoschlange von fast 400 Metern vor einer Ampel mit einer Grünphase von 5 Sekunden. Das nagt an der Geduld. Der Blick auf die Uhr zeigt mir – die ersten Termine im Verlag liegen bald an. Wie so oft bin ich knapp dran. Vor mir rote Bremslichter, soweit das Auge reicht. Stop and Go und Stop and Go und Stop and Bummmmm! Der schwarze Audi hinter mir hat meine roten Rücklichter offensichtlich nicht mehr gesehen und brummt mir hinten drauf. Und das kurz vor der Ampel. Ich steige aus, um den Schaden anzuschauen. Es ist nicht wirklich viel zu sehen. Meine Anhängerkupplung hat weniger gelitten, als die Frontschürze des schwarzen Aggressors. Wir stehen im Weg. Vor uns die Ampel mit den kurzen Grünphasen, hinter mir eine genervte Autoschlange, die weiter will. Der schwarze Audi wird von einer ebenso schwarzhaarigen Frau gefahren. Es ist ihr superpeinlich. Die Autos hinter uns sind supergenervt. Ich entscheide mich für die unbürokratische Variante: Keine Polizei. Wir tauschen zwei Sätze und zwei Visitenkarten aus. Einsteigen und weiter.

Segen auf Umwegen

Es dauert zwei Wochen, bis ich mich bei der Dame melde. Vorher musste ich in der Werkstatt den Schaden anschauen lassen. Der Gutachter bestätigt, dass ich eine neue Anhängerkupplung einbauen lassen könnte, die Funktionalität sei aber noch gegeben. Mein Sechszylinder schnurrt zwar immer noch kräftig, hat aber bei genauem Hinschauen auch schon gut fünf Erdumrundungen hinter sich. Ich beschließe auf die Reparatur zu verzichten und der Lady die Kosten dafür zu ersparen. Trotz leichter Nackenschmerzen nach dem Bumms greife ich recht entspannt zum Hörer, um der Dame mitzuteilen, dass ich auf Schadensforderungen verzichten werde. Das Telefonat war eindrücklich. Ich habe schon lange nicht mehr erlebt, wie dankbar jemand sein kann. Und das Erwähnen meiner Nackenschmerzen bringt eine spannende Wendung in die Sache: Medea, die schwarze Audifrau, ist Physiotherapeutin und betreibt seit Jahren eine Praxis für chinesische Medizin. Sie schenkt mir zur Wiedergutmachung einen Gutschein für vier Behandlungen. Ich nehme das Angebot an. Die ersten drei Behandlungen liegen inzwischen hinter mir und haben ihre ganz eigene Wirkung entfaltet: Ich schlafe wieder so gut, wie seit Monaten nicht mehr. Wenn Gott auch die Umwege und sogar die Unfälle unseres Lebens als Teil seines Weges mit uns integrieren kann, dann kann er aus dem Schlechten das noch Bessere machen, als das Gute gewesen wäre.

Über den Autor

Dr. Dominik Klenk ist Verlagsleiter und Geschäftsführer bei Fontis in Basel. Der gelernte Journalist war früher Handballprofi, Consultant und Leiter der Kommunität „Offensive Junger Christen“. Zuletzt schrieb er den Bestseller „YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus.“

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