Fontis-Blog

Vishal Mangalwadi: Rede im Britischen Parlament

Der Fontis-Autor und indische Philosoph Vishal Mangalwadi war am Montag im Britischen Parlament zu Gast. Dort stellte er „Das Buch der Mitte“ vor, das 650 Parlamentsmitglieder vorher dazu erhalten haben. In seiner Rede zeigte Mangalwadi viele Zusammenhänge auf, die sowohl das Britische Parlament als auch die Bibel auf die Entwicklung Indiens hatten.

Von Vishal Mangalwadi
Am 23. Oktober wurde ich in das Britische Parlament eingeladen, um den Parlamentsmitgliedern die Bibel als „Das Buch der Mitte“ vorzustellen. Das ist sehr passend, da die Bibel das größte Geschenk ist, das die Briten Indien gemacht haben. Es ist auch eine wundervolle Art und Weise das 500. Jubiläum der Reformation zu feiern, aus der schlussendlich auch die Englische Bibel hervorgegangen ist, die eine mittelalterliche Nation in das moderne Großbritannien verändert hat. Dank Männern wie William Carey, Henry Martin und Claudius Buchanan haben die Bibelübersetzer die indische Umgangssprache in eine literarische Sprache gewandelt. Damit entwickelte sich die Druckereikunst, das Veröffentlichen, die Presse, Literatur, Journalismus, moderne Bildung – ein intellektuelles und soziales Erwachen.
Übersetzung der englischsprachigen Bibel in Indien
Der Großteil der Bibelübersetzung ins Englische geschah in Kalkutta nach 1800 im Fort William College. Drei Tage die Woche hatte William Carey Staatsbeamte in diesem College unterrichtet. Die Bibel war das Buch, dass die korrupte Verwaltung der British East India Company den Rahmen für eine saubere und effiziente Kontrolle schenkte. Durch die Bibel wissen die Inder, dass Indien weder in unbedeutende Königreiche aufgeteilt werden sollte, noch unter Imperien der Mogul, Maratha, Sikh oder Briten vereint werden sollten. Gott möchte, dass Indien eine Nation ist. Eine freie Nation und eine große Nation, die nicht von sündigen Menschen geführt wird, sondern durch Gesetze, die göttliche Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit wiederspiegeln. Durch die Bibel haben wir gelernt, dass Gott nicht möchte, dass wir uns unsere eigenen Götter machen oder andere Lebewesen anbeten – natürliche oder dämonische. Gott befiehlt uns die Wahrheit zu suchen und Gott in Geist und Wahrheit anzubeten.
Wie die Bibel Indien veränderte
Die Bibel hat Modernität nach Indien gebracht, durch die das Potenzial jedes einzelnen zur Entfaltung kommt. Denn die Bibel allein lehrt, dass alle Kasten – Männer und Frauen – nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden. Die Bibel lehrte uns auch das Geheimnis von großen Nationen: Starke Familien, in denen ein guter Mann nur eine Frau hat und er sich um seine Kinder kümmert, wie sein Vater im Himmel. Wir verdanken es hart arbeitenden Visionären wie William Carey, Sam Higginbottom  und Norman Borlaug, dass Indien nun ein Land ist, in dem Milch und Honig fließen: Es ist der weltweit größte Produzent von Milch und exportiert Nahrung und Früchte. Das unabhängige Indien erkannte seine tiefe intellektuelle, moralische, soziale und politische Schuld gegenüber Großbritannien an, als es sich für das britische „Westminster-System“ entschied – statt für Rajas und  Maharajas, Sultane und Badshahs.
Warum wurde das Britische Parlament zum Vorbild für Indien?
Großbritanniens parlamentarische Regierung entstand nicht aus demokratischen Staaten der Antike wie Athen. Das Britische System entwickelte sich, weil die Bibel lehrt, dass Gottes Königreich von Ältesten geleitet wird (Offenbarung 4,4). Warum wählen die Bürger die britischen Staatschefs? Großbritannien hat die „Volkssouveränität“ angenommen, weil Mose den Hebräern befohlen hat, ihre eigenen Leiter zu wählen (5. Mose 1,9–18). Warum hat der Premierminister mehr Macht als die Queen bzw. der Monarch? Ich habe das Geheimnis von Indiens erstem Premierminister gelernt, Pandit Jawaharlal Nehru. Er sagte, er sei Indiens „erster Diener“, weil das die wörtliche Bedeutung des Titels „Premierminister“ sei. Diese Idee entstand, als der König der Könige und der Herr der Herren die Füße seiner Jünger wusch. Er lehrte sie, dass Herrscher ihr Volk in Kulturen, die Gott nicht kennen, herumkommandieren. Er musste ein neues Reich einführen, in dem Herrscher zu Dienern werden, wie er: Denn er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben für die Errettung vieler Menschen zu geben. Das Britische Parlament wurde zum Vorbild für Indien, weil christliche Abgeordnete wie William Wilberforce es zum Gewissen der Nation machten. Als er Abgeordneter wurde, war das Parlament ein „Gentlemen-Club“: Es bestand einzig und allein für den Vorteil der Clubmitglieder. Abgeordnete verweigerten die Abschaffung des Sklavenhandels für zwei Jahrzehnte, weil sie von diesem furchtbar lukrativen Handel profitierten. Das Britische Parlament wurde für viele Staaten zu einem Vorbild, weil es durch die Bibel verändert wurde.

 

Vishal Mangalwadi ist indischer Philosoph, Buchautor („Das Buch der Mitte“, „Die Wunde des Islam“), Politiker und Theologieprofessor. Sein aktuelles Buch „Wahrheit und Wandlung“ ist im Fontis-Verlag erschienen.  
Der Autor schreibt in regelmäßigen Abständen auf dem Fontis-Blog. 

 

Foto:House of Commons (c) Wikimedia Commons, https://civilservicelocal.blog.gov.uk/2015/02/26/learning-about-the-workings-of-parliament/

Über 

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on linkedin
Share on email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.