Fontis-Blog

Vishal Mangalwadi: Die Poesie des Unendlichen

Ein indischer junger Mann revolutioniert mit seinen Formeln und Ideen über „Hochzusammengesetzte Zahlen“ die Mathematik. Die Professoren im britischen Cambridge sind erstaunt, denn der junge Inder kann mit reiner Logik nicht erklären, woher er diese Formeln kennt … Vishal Mangalwadi schreibt auf dem Fontis-Blog über „Die Poesie des Unendlichen“. 
„Die Poesie des Unendlichen“ (2015) ist ein Film über den Konflikt zwischen der augustinischen Perspektive der Mathematik und der säkularisierten, atheistischen Korruption, die am Trinity College in Cambridge vor und während des Ersten Weltkriegs herrschte. Der Konflikt wird interessant, weil die christliche Perspektive von Augustinus durch das Mathematik-Genie Srinivasa Ramanujan (1887–1920) verkörpert wird, der eine hinduistische Göttin anbetet. Er wird wundervoll gespielt von Dev Patel. Die säkularisierte, atheistische Mathematik wird durch Ramanujans Mentor dargestellt: den Einzelgänger G. H. Hardy (1877–1947), gespielt von Jeremy Irons. Die Schauspieler hauchen einem abstrakten und möglicherweise langweiligen Thema Leben ein. Als Hardys Freund und Kollege ist Großbritanniens gefeierter Atheist, Bertrand Russell, während des Films präsent. Er „beendete“ die Säkularisierung Europas christlicher Mathematik, die bereits von Descartes begonnen wurde. Der Filmregisseur, Matthew Brown, schrieb das Drehbuch basierend auf Robert Kanigels Buch „The Man Who Knew Infinity: A Life of the Genius Ramanujan“. Hardy ist bekannt für seinen 1940 erschienenen Essay „Apologie eines Mathematikers“ über die Ästhetik der Mathematik. Und doch beginnt der Film mit einen Zitat von Russel: „Mathematik, angemessen betrachtet, besitzt nicht nur Wahrheit, sondern unübertroffene Schönheit.“ Ironischerweise ist einer der subtilen Punkte des Films, dass echte Wahrheit und Schönheit philosophische Ideen sind, die in einem gottlosen Universum keinen Sinn ergeben.
Ein Inder ist der neue Newton
Ramanujan hatte keinen College-Abschluss und kaum eine richtige Ausbildung in Mathematik. Er landete durch seine starken Notizbuch-Aufzeichnungen über Mathematik am Trinity College in Cambridge. Er hat ganz alleine Probleme gelöst, die Cambridge Professoren vor ein Rätsel stellten. Er hat Formeln neu erfunden, von denen ihm niemand gesagt hatte, dass sie bereits existieren. Es kam zum Zusammenstoß der Weltbilder, weil Ramanujan „intuitiv“ komplexe mathematische Formeln „sah“ oder „empfing“ – genauso, wie Mozart ganze Symphonien. Hardys Cambridge, das sich der Logik verschrieben hatte, konnte die Realität der „Intuition“ nicht verleugnen. Trotzdem musste aufgrund ihres Atheismus jede „Wahrheit“ ein soziales Konstrukt sein, das von Menschen erfunden wurde. Nichts konnte „wahr“ genannt werden, es sei denn, es wurde logisch abgeleitet und bewiesen. Ramanujan ging nicht nach Cambrigde, um einen Abschluss zu erwerben. Er ging dort hin, um seine Theorien in mathematischen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Hardy hatte es nicht leicht zu erklären, was passieren würde, wenn er Ramanujans Theorie der Primzahlen veröffentlichen würde: „Ich würde in die Irrenanstalt gesteckt werden.“ Um Ramanujan zu erklären, was er tun muss, um in akademischen Zeitschriften veröffentlicht zu werden, entwickelte Hardy logisch akzeptable „Beweise“ für seine intuitiven Theoreme. Dies war für die führende Londoner Mathematikervereinigung, die „London Mathematical Society“, Grund genug, seinen Aufsatz über „Hochzusammengesetzte Zahlen“ zu veröffentlichen.
Abgesehen von mathematischer Methodologie hatte Hardy andere Probleme mit Ramanujan. Einer seinen engsten Mitarbeiter in Cambridge war Herr Littlewood, welcher an den christlichen Gott glaubte und Ramanujan bewunderte. Er ging akribisch durch Ramanujans Formeln und fasste zusammen, dass:
1) Ramanujans Arbeit über die Primzahlen, obwohl sie brillant ist, eigentlich falsch ist.
2) Und doch hatte Hardy mit seinem Schützling Ramanujan „nicht weniger als ein Wunder. Der Mann übertrifft jede Vorstellung von Brillanz, die ich je zu verstehen vermag. Vergesst Jacobi, wir können ihn mit Newton vergleichen“.
Cambridges atheistische Philosophie der Mathematik konnte Ramanujan nicht verstehen. Hardy fühlt sich gezwungen zu fragen: „Wie kommt all dies zu dir?“ Zuerst antwortet Ramanujan: „Ich weiß es nicht“. Einige Zeit später, nachdem er versichert, dass Hardy sein „wahrer“ Freund geworden ist, gesteht Ramanujan, woher er die mathematischen Ideen bekommt: „Meine Göttin. Namagiri. Sie spricht zu mir. Sie legt Formeln auf meine Lippen, wenn ich schlafe. Manchmal auch, wenn ich bete“. Hardy erinnert sich in seinem Nachruf über Ramanujan im Juni 1920 daran, dass Ramanujam ihm sagte: „Als ich schlief, hatte ich eine ungewöhnliche Erfahrung. Aus fließendem Blut formte sich eine rote Leinwand. Ich beobachtete es. Plötzlich begann eine Hand darauf zu schreiben. Ich war ganz aufmerksam. Die Hand schrieb ein paar elliptische Integrale. Sie blieben in meinem Kopf. Sobald ich aufwachte, habe ich sie aufgeschrieben.“
Gott schenkt Erkenntnis – auch mathematische Formeln
Die Möglichkeit einer göttlichen Erkenntnis ist für Cambridges Atheisten komplett inakzeptabel. Deswegen fragt Ramanujan Hardy in dem Film: „Glaubst du mir? Wenn du mein echter Freund wärst, würdest du mir glauben“ (Denn ich vertraue solche intimen, privaten Wahrheiten nicht Menschen an, die nicht meine Freunde sind). Hardy antwortet: „Ich glaube nicht an Gott. Ich konnte noch nie glauben, was ich nicht beweisen kann. Ich glaube nicht an die uralten Weisheiten des Ostens. Aber ich glaube an dich.“ Ramanujan äußert ein klassisches Augustinisches Statement: „Schau, eine Gleichung hat keine Bedeutung für mich, außer es drückt einen Gedanken von Gott aus.“ Warum ging Ramanujan nach Cambridge? Warum hätte er nicht zu einem hinduistischen Ashram, einem klosterähnlichen Meditationszentrum, gehen können und einen Gelehrten bitten können, seine Mathematik zu untersuchen und es zu veröffentlichen? Hinduistisch-buddhistische Philosophien unterstützten die Mathematik nicht – obwohl ein Inder das mathematische Konzept der „Null“ entwickelte. Im Gegensatz zu hinduistischen Ashrams und der heutigen Säkularisierung der Hochschulen, begannen Oxford und Cambridge als Augustinische Klöster. St. Augustin schrieb eine Menge über Mathematik. Der Astronom Johannes Kepler wurde von Augustinus‘ biblischer Weltsicht beeinflusst. Kepler fasste Augustinus‘ Theorie zusammen (zitiert von Ramanujan), als er seine bahnbrechenden Theorien beschrieb: „Ich habe einfach Gottes Gedanken nach ihm gedacht. Da wir Astronomen im Hinblick auf das Buch der Natur Priester des höchsten Gottes sind, profitieren wir davon, aufmerksam zu sein. Nicht zur Ehre unseres eigenen Verstandes, sondern vielmehr, über allem, zur Ehre Gottes.“ Wer wirklich den Konflikt der beiden Weltanschauungen verstehen will, der in „Die Poesie des Unendlichen“ dargestellt wird, sollte die Bücher von James Bradley vom Institut für Mathematik und Statistik (Calvin College, USA) lesen (seine Aufsätze sind im Internet zu finden). Bradley erklärt, wie St. Augustins Theologie europäische Mathematiker für 1500 Jahre genährt hat; wie Europa die Mathematik zwischen 1850 und 1950 säkularisiert hat; die intellektuellen Probleme, die diese Säkularisation verursacht hat; warum diese Probleme den Modernismus der Aufklärung beendeten und wie die biblische Weltsicht noch den postmodernen Hochschulen helfen kann, den gesunden Menschenverstand zurückzuerlangen.
Über den Tellerrand der Logik hinaus schauen
Ramanujans Mathematik ist weiterhin hilfreich – zum Beispiel bei der Erklärung, wie schwarze Löcher funktionieren könnten. Wie auch immer, Ramanujans historische Bedeutung wird in dem Punkt zusammengefasst, dass Atheismus nicht dazu fähig ist, einen Sinn zwischen Zahlen im Kosmos und ihre Korrelation mit der Mathematik im menschlichen Verstand zu erschließen. Er zwang Säkularisten dazu, über die Logik hinauszugehen und Inspiration, Intuition und direkte Offenbarungen von übernatürlichen Reichen zu berücksichtigen.
Hier gibt’s den Trailer zum Film „Die Poesie des Unendlichen„: https://www.youtube.com/watch?v=Nk-lR_vt12E
Vishal MangalwadiVishal Mangalwadi ist indischer Philosoph, Buchautor, Referent, Politiker und Theologieprofessor. Sein aktuelles Buch „Wahrheit und Wandlung“ ist im Fontis-Verlag erschienen.

 

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