Fontis-Blog

Uwe stößt an: Kirche zwischen Murks und Banalität

Der Zeitgeist breitet sich in unserer Gesellschaft immer weiter aus: Welche Auswirkungen das für die deutsche Sprache und vor allem für die Kirche hat, beschreibt Uwe Siemon-Netto in seiner Kolumne „Uwe stößt an“. Er ist sich dabei sicher: Längst hat die „Gender-Idiotie“ auch die evangelische Kirche erreicht.
Von Uwe Siemon-Netto
Am 1. Advent bricht für die Kirche ein neues Jahr an – oder für den Kirchrich, wenn wir meinen, die Menschenwürde hinge vom Genus eines Hauptwortes ab. Nicht, dass ich hier den Leib Christi verspotten will; das haben die Erfinder der kirchlichen Gender-Idiotie längst besorgt. Sie ist die Kreatur eines absurden Zeitgeistes, eine Seelensoße, die aus hyperventilierenden Pastösen und ihrem Tross von Klerokastraten in EKD-Kanzleien trieft. Diese Leute sind unfähig, nur von „Christen“ und „Pfarrern“ zu sprechen; nein, das hat „Christinnen“ und „Pfarrerinnen“ zu heißen – und zwar in jedem Absatz. Schlimm genug, dass das die deutsche Sprache vermurkst; schlimmer noch, dass sich die EKD mit dieser Banalität verheddert, während die aus den Fugen geratene Welt nach dem Wort vom Kreuz lechzt, auf das laut Luther die ganze Heilige Schrift hinausläuft. Umso erbärmlicher war es, dass Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx am Tempelberg in Jerusalem dieses Zeichen auf muslimisches Geheiß von ihren Amtstrachten entfernten. Pastösen und Klerokastraten haben eine neue Religion gestiftet, deren ridiküle Sprache sich wie der Jargon der Ratsfraktion der Partei Die Linke in Flensburg liest. In einer Genderposse beantragten diese Nordlichtkommunisten, dass ein Papierkorb im Rathaus sein männliches Genus verliere und fortan nur noch unter dem Doppelbegriff Papierkorb/Papierkörbin Unrat empfangen dürfe. Später ruderten die Linken zurück und beteuerten, dass ihr Antrag „satirisch“ gemeint sei.
Nicht minder dämlich ist, was Synodalenköpfe (Synodalköpfinnen) unlängst in Magdeburg emittierten. Sie schalteten die Dachorganisation der Juden gendermäßig gleich. So entstand der „Zentralrat der Juden und Jüdinnen in Deutschland“, obwohl der Verband unter diesem politisch-korrekten Namen gar nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingetragen ist.
Dass die Pastösen und Klerokastraten den Zentralrat bevormunden, muss sich dieser schon über sich ergehen lassen, haben sie doch ihm zuliebe den Missionsauftrag Jesu (Matthäus 28,19) ausschließlich auf Heiden beschränkt und das Pauluswort „kein Jude noch Grieche“ (Galater 3,28) für ungültig erklärt. Karikaturistisch betrachtet, reduziert sich damit das Magdeburger EKD-Votum gegen die Judenmission zu einer unerträglichen Aussage: „Weil unsere Vorfahren eure Vorfahren umgebracht haben, verschweigen wir euch jetzt den Weg zum Heil.“
Unlängst war ich in einer deutschen Großstadt. Wie immer wenn ich in Deutschland bin, genoss ich das sonntägliche Glockengeläut. Ich wollte zum Gottesdienst eilen, hielt aber inne: Lockte mich hier ein Sirenenruf zur Kanzel eines Klerokastraten oder einer Pastöse? Die Glocken wiesen mir den entgegengesetzten Weg: nicht in ihre große, leere Kirche, sondern ganz schnell links über die Straßenbahngleise hinweg einen Hügel hinunter, dann eine Anhöhe hinauf zu einem kleinen Gotteshaus. Da spielte ein Posaunenchor. Da sang eine Gemeinde fröhlich alle Strophen der vertrauten Choräle. Da wurde eine schöne lutherische Liturgie gefeiert und von der Kanzel „Schwarzbrot“ gereicht, wie Luther das Evangelium nannte. Dies war keine Pastösenkirche. Es war ganz einfach Kirche Christi: klein, treu und lebendig.
Dies war eine Gemeinde der „ecclesia abscondita“, der ewigen, verborgenen, aber wahren Kirche, wie sie vielerorts neben und unter den Trümmern des absurden Kirchrichs à la EKD keimt. Ihr wünsche ich zum 1. Advent ein gesegnetes neues Jahr.
Uwe Siemon-NettoUwe Siemon-Netto ist 80 Jahre alt, im Herzen aber noch immer ein junggebliebener Rebell und Querdenker. Deswegen schreibt er auch auf dem Fontis-Blog unter der Rubrik „Uwe stößt an“. Er hat als Journalist im In- und Ausland gearbeitet, ist Theologe und Schriftsteller.
Sein aktuelles Buch „Luther – Lehrmeister des Widerstands“ ist im September 2016 im Fontis-Verlag erschienen.
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Uwe stößt an: Triumphator Trump – Gipfel einer schäbigen Posse
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Uwe stößt an: Wölfin rettet Rentner vor der Deutschen Bahn
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