Fontis-Blog

Ulrich Wilckens: Das Geheimnis von Pfingsten

„Nun kommt ja schon bald der Sommer“ – anderes wissen viele heute über Pfingsten nicht mehr zu sagen. Ulrich Wilckens erklärt das Geheimnis von Pfingsten und wie man mit dem Heiligen Geist auch im Alltag leben kann.
Gewiss, man darf sich sehr wohl der Schönheit unserer Erde in dieser Jahreszeit erfreuen. In der Tat ist Gottes Schöpfung schön – aber an Pfingsten geht es um etwas anderes: Es geht um Gott, der den Glauben in uns erschafft. Der nicht nur die Natur als seine äußeren Werke liebt, sondern auch die Wunder seiner Gegenwart schafft, so dass wir sein Wort hören und ihm im Gebet antworten können. Wer immer Gottes Geist empfangen hat, der öffnet ihm sein ganzes Herz mit großer andauernder Freude und lernt gern, seinem Wirken gehorsam zu sein.
Es begann mit Feuerflammen
Die Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte 2) berichtet vom stürmischen Anfang des Wirkens des Heiligen Geistes: Wie Feuerflammen setzt er sich jedem der vielen Versammelten auf die Stirn; und in wunderbarer Weise lässt er jeden in einer anderen Sprache der Welt den Anbruch der Heilszeit seit der Auferstehung Jesu Christi proklamieren. So kündigt sich die ökumenische Kirche aus allen Völkern der Welt an, der jeder zugehört, der die Taufe empfangen hat. Petrus machte damals allen die Geschichte von Jesus als dem Sohn Gottes bekannt. Seit Pfingsten geht diese Predigt in alle Welt.
Durch die Taufe stehen wir in Verbindung mit Gott
Gott hat es so vorgesehen, dass er seinen Geist jedem Getauften schenkt und sie so ihr Leben lang mit ihm in Verbindung bleiben. Ein Getaufter soll zu einem geistlichen Menschen werden, der durch die Kraft des Namens Jesu Christi (Apostelgeschichte 10,48) im Akt der Taufe und kraft des Glaubens zu einem Kind Gottes geworden (Johannes 1,12; Galater 4,6f.) und durch seinen Geist in die große Familie der Kirche Gottes aufgenommen worden ist (1. Korinther 12,13). Die Pfingstgeschichte endet so mit der Taufe all der vielen, die durch die Predigt des Petrus zum Glauben gekommen sind (Apostelgeschichte 2,41). Schon die Himmelfahrtsgeschichte enthält Jesu Ankündigung der Taufe seiner Jünger (Kap. 1,5.8).
Der Heilige Geist befreit vom Zeitgeist 
Wer den Heiligen Geist empfangen hat, der soll ihm auch gehorsam sein. Dieser Geist befreit von der Macht, dem Zeitgeist (dem Geist des „Fleisches“; Galater 5,1.16) zu folgen. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17) – eine herrliche, wunderbare, alles Leben durchdringende Freiheit, die mit Freude gelebt werden kann.
Die Kraft des Geistes überwindet alles
Man kann also dem Geist Gottes gehorsam leben. Leider tun das aber viele nicht. Der Gradmesser dessen, wo Gehorsam in Ungehorsam umschlägt, ist heute das Verständnis von Autonomie – also der Glaube, unabhängig zu sein. Wer das Recht zu haben meint, seine Freiheit so zu leben, wie er oder sie selbst es will, hat mit dem Willen des Geistes Gottes gebrochen.Die Autonomie, zu der Gott uns befreit, besteht darin, niemand anderem zu gehorchen als seinem Willen. Denn sein Wille ist es, dass wir einander so lieben, wie Gott uns liebt. Das heißt aber: Wenn wir einander lieben, können wir so frei von allem Egoismus füreinander da sein, wie Gott ganz und gar frei ist in der Hingabe für seine Kinder.
Das ist das Geheimnis von Pfingsten: Die Kraft des Geistes überwindet alles Widergöttliche in uns. Sie macht uns frei. Sie lässt uns so wir selbst sein, wie Gott uns als unser Schöpfer gewollt und uns als unser Erlöser in Christus von der Macht der Sünde befreit hat. „Der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17). „Wenn wir leben im Geist, so lasst uns auch leben auf den Wegen des Geistes!“ (Paulus im Brief an die Galater 5,25).

 

Ulrich Wilckens (90) ist emeritierter Professor für Neues Testament und war Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Er studierte evangelische Theologie und hatte verschiedene Lehrstühle an der Universität Marburg, der Kirchlichen Hochschule Berlin und der Universität Hamburg. Heute wohnt er mit seiner Frau in Lübeck. 

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