Fontis-Blog

Der neue Plan A

Die Romanfiguren „Maya und Domenico“ haben Autorin Susanne Wittpennig über 9 Bände hinweg begleitet. Nun ist es Zeit für neue Figuren, neue Abenteuer und ein neues Buch. Doch wie ist es eigentlich, lieb gewonnene Romanfiguren loszulassen? Und neue zu erschaffen?

Wie heißt es doch so schön: „Das Alte ist vergangen, siehe, Neues hat begonnen.“ Das steht sogar mehrmals in der Bibel. Altes vergeht, Neues entsteht. Ob ich denn nicht traurig sei, dass Maya und Domenico nun „zu Ende“ sind, werde ich oft gefragt. Nein, sage ich. Im Gegenteil. Sie haben mich lange begleitet, sind jetzt erwachsen geworden und ich kann sie loslassen und sie ihrem eigenen Leben übergeben. Wir hatten eine großartige Zeit zusammen. Und sie sind ja nicht wirklich „weg“. Vielleicht kommen sie wieder zurück, klopfen wieder an meine Tür und sagen: „Bitte schreib wieder was über uns“. Wer weiß? Doch so lange lasse ich sie ihr eigenes Leben leben und tauche in ein neues Universum ein. Ist es nicht immer wieder so im Leben? Irgendetwas geht zu Ende, eine Ausbildung wird abgeschlossen, der Job wird gewechselt; es wird in ein neues Haus umgezogen oder für diejenigen, die Kinder haben: Sie werden erwachsen, verlassen das Haus und ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnt. Nichts bleibt für immer, alles geht einmal vorbei. Und das ist gut so. Denn wenn etwas vorbei ist, gibt es wieder Platz für Neues.

Buchfiguren sind wie Kinder für Susanne Wittpennig

Nun habe ich selbst zwar keine Kinder, dafür aber eine Menge Buchfiguren. Und das ist das Schönste an der ganzen Sache: Ich darf Figuren erfinden, erschaffen, ihnen Namen geben, Aussehen, Charakter, Vorlieben, Stärken, Schwächen. Ich habe einen Plan für sie, eine Absicht. Jede spielt eine wichtige Rolle in dem ganzen Geschehen, das ich zu einer Geschichte zusammenweben darf. Manchmal sind diese Figuren störrisch und entwickeln ihr Eigenleben. Sie springen mir aus den Seiten und tun nicht das, wofür ich sie eigentlich erschaffen habe. Ab und zu geben sie sich sogar selbst ihre Namen, und ich frage mich, warum um alles in der Welt diese Figur nun so heißt. Ich hatte es doch eigentlich anders geplant. Manchmal muss ich ganze Szenen ändern und sie der Figur anpassen, weil ich die Figur nicht der Szene anpassen kann. Ich muss also Plan A verwerfen und einen neuen Plan A erschaffen. Wohlgemerkt: Einen neuen Plan A, keinen Plan B.

Gott schreibt nur nur Geschichte – er ändert sie auch

Und langsam beginne ich zu verstehen, wie Gott sich fühlen muss. Wie oft muss er wohl die Geschichte wieder umändern, weil wir, seine Geschöpfe, ihm quasi „aus den Seiten springen“ und nicht immer so wollen, wie er es in seiner unendlichen Liebe eigentlich für uns geplant hätte. Weil wir unsere eigenen (nicht immer so superschlauen) Wege gehen wollen und uns und anderen dabei oft eine Menge Ärger einhandeln? Meine Figuren machen eine Menge Dummheiten. Ich auch. Und ich bin froh, dass Gott die Geschichte immer wieder neu schreiben kann. Ich habe Plan A in meinem Leben mehrmals verpasst. Aber Gott hatte immer wieder einen neuen Plan A für mich. Und am Schluss hat er mich doch über die Zielgerade gebracht. Ich empfinde es jedenfalls so.

Ich bin ziemlich sicher, in meinem neue Buch wird vieles anders als geplant. Wer weiß, was meine Figuren wieder alles anstellen werden. Und ich darf ihnen dann wieder aus der Patsche helfen und ihnen einen neuen Plan A anbieten.

Über die Autorin
Aus Susanne Wittpennigs Feder stammt die beliebte Romanserie "Maya und Domenico".  Nach 9 Bänden war es Zeit, sich an neue Projekte zu wagen. In ihrer neuen Trilogie "Time Travel Girl" lässt sie ihre Figuren eintauchen in eine spannende Reise zwischen Zeit und Raum …

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on linkedin
Share on email