Fontis-Blog

Susanne Wittpennig: Interview

Susanne Wittpennig schreibt seit 2004 für Fontis – Brunnen Basel. Mit ihrer Serie «Maya und Domenico» kam sie regelmäßig in die Bestsellerlisten. Von den ersten acht Bänden konnten in Deutschland, Österreich, Holland und der Schweiz schon über 300.000 Exemplare verkauft werden. Am 29. September 2014 ist der neunte und damit letzte Band der Serie erschienen: «Maya und Domenico: Liebe heilt viele Wunden». Beim Lesen sollte man unbedingt eine Packung Papiertaschentücher bereithalten!

 

Susanne, welches Buch liegt gerade auf Deinem Tisch?

Eine Liebesschnulze von Cecilia Ahern. Auf norwegisch. Hat mir eine Freundin zum Geburtstag geschenkt. Aber ich habe noch nicht damit angefangen.

Welche anderen Bücher hast Du in den letzten Monaten gelesen?

Eine andere Liebesschnulze, die ich bei meiner Mutter zu Hause gefunden habe. Auf deutsch dieses Mal. Aber den Titel hab ich vergessen. Nein, ich tue nicht so, als sei ich besonders literarisch veranlagt. Ich lese gern Liebesschnulzen. Unter anderem natürlich. Ansonsten kann ich im Moment keine weiteren Bücher konkret beim Namen nennen. Seit drei Jahren hab ich wirklich kaum ein Buch gelesen; ich hab mich ganz und gar mit der Filmerei beschäftigt und eigene Bücher geschrieben.

Welche drei Bücher haben Dich in Deinem Leben bis heute am meisten beeindruckt?

Also: «Die rote Zora» von Kurt Held hat mich in meiner Kindheit wohl am meisten geprägt. Ist einfach eine gute Geschichte. Es ist der allererste Roman, den ich gelesen habe – damals mit acht Jahren! – und er hat meinen Schreibstil in den Jugendjahren geprägt. Ansonsten habe ich wohl aus den meisten Büchern irgend ein Stück mitgenommen. Im Moment ist es gar nicht so präsent, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben. Das waren so einige in meiner Kindheit und Jugend, aber ein herausragendes Buch kann ich gerade nicht nennen. Und ja, es ist tatsächlich so, dass ich keinen Lieblingsautoren habe, da ich von vielen Autoren was lernen konnte und viele Bücher mag. Das glaubt mir ja keiner, weil man ja von einer Autorin erwartet, dass sie einen Lieblingsschriftsteller hat und sowieso alle Schriftsteller kennt. Aber da enttäusche ich leider die Vorstellungen der Leute. Ich kann ja nicht mal J.R.R.Tolkien nennen, weil ich «Herr der Ringe» nicht gelesen, sondern bis jetzt nur als Film gesehen habe, obwohl mich beeindruckt, was dieser Mann erschaffen hat. Aber wie soll ich ihn nun aufzählen, wenn ich seine Werke noch nicht gelesen habe? Ich sage bewusst «noch nicht», weil ich sie ja gern mal lesen würde.

Lass uns trotzdem noch ein wenig «nachbohren», Susanne: Welches ist bis jetzt (mal abgesehen von der Bibel) «das Buch Deines Lebens» – und warum?

Da muss ich jetzt im Moment grad passen. Fragt mich lieber nach Filmen … Und weißt Du, ein paar kleine Geheimnisse gehören einfach mir ganz allein. Vielleicht lüfte ich sie ja mal in einigen meiner zukünftigen Geschichten?

Welches ist bis jetzt «der Song oder das Musikstück Deines Lebens» – also quasi «the soundtrack of your life»?

Ach ja, ich bin mit der Musik der norwegischen Band «a-ha» groß geworden. Die haben mein Leben sowieso geprägt. Nicht umsonst bin ich jetzt schließlich im hohen Norden gelandet. Die melancholischen, einfühlsamen Songs waren in all den Jahren immer wieder meine Begleiter. Doch ich hatte in jedem Lebensabschnitt verschiedene Songs zahlreicher Bands, die mich begleitet haben. – Auch von «a-ha» kann ich wirklich keinen konkreten Song nennen. Natürlich hat alles mit «Take on me» angefangen, aber es kamen dann ja laufend neue Songs dazu, und die Lieblingssongs von ihnen haben dauernd gewechselt. Da ich ein Kind der 80er Jahre bin, begleitet mich generell die Musik jenes Jahrzehnts durch mein Leben. Alphaville, Ultravox, Kim Wilde … um nur einige von vielen zu nennen.

Welche drei Kinofilme haben Dir für Dein Leben am meisten Input gegeben – und wieso?

Oooooh … die «Zurück in die Zukunft»-Trilogie wird wohl immer einer meiner Favoriten bleiben. Als der letzte Teil im Kino lief, war ich achtzehn, und einer der letzten Sätze des Films lautete: «Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Die Zukunft ist das, was du selber draus machst.» Sie haben mich seither immer irgendwie begleitet.

Wenn wir von den Medien und Kunst und Kultur reden: Was kann bei Dir am meisten Emotionen auslösen, vielleicht sogar bis zu Tränen und innerer Erschütterung?

Ein guter Song, dessen Text genau in meine Lebenssituation passt.

Gibt es einen Maler oder Fotografen, dessen Werk Dir so gefällt, dass Du Dir (falls bezahlbar) gerne eines seiner Oeuvres kaufen und an die Wand hängen würdest?

An die Wand hängen? Nein, wenn schon, dann als Handy- oder Desktop-Hintergrund. Ich habe eins im Internet gefunden, das mir so gut gefallen hat, dass es nun mein Handy und meinen Computer ziert. Wer allerdings der Künstler ist, müsste ich nochmals googeln.

Welche Bücher-Genres liest Du selbst am liebsten?

Alles, was ein erwachsener Teenager gern liest: Fantasy, Science-Fiction, Love Storys, Adventure …

 

Und welche Genres liegen Dir überhaupt nicht?

Langweilige Krimis mit alten, ernsthaften Männern und kompliziertem Fachjargon. Aber auch Thriller und Gruselromane. Das ist nicht mein Ding.

Wie lange schreibst Du selbst schon, und wie kam es dazu?

Seit ich die ersten Buchstaben schreiben und verstehen konnte, und das war ungefähr mit fünf oder sechs Jahren. Ich musste alles, was nicht niet- und nagelfest war, irgendwie zu Papier bringen.

Gibt es AutorInnen, deren Werke Dich bis heute prägen und begleiten?

Ja, eben Kurt Held, der «Die rote Zora» geschrieben hat. So einen Klassiker, der so viele Jahre überdauert hat [das Buch wurde 1941 geschrieben!], würde ich auch gern hinkriegen. Und überhaupt faszinieren mich alle, die es schaffen, mit ihren Büchern ganze Generationen zu fesseln.

Wie lange schreibst Du an einem Manuskript, bis Du es dem Verlag abgibst?

Bis zur letzten Minute.

Zu welchen Tages- und Nachtzeiten schreibst Du?

Wenn ich eines nicht kann, dann ist es, eine regelmäßige Routine zu haben. Ich hab das mal versucht, aber es ging nicht. Also schreibe ich halt einfach, wann es mir passt. Doch früh am Morgen fließt es meistens besser, weil ich dann noch nicht abgelenkt bin.

Und wo schreibst Du – zu Hause, draußen, im Bett, an speziellen Orten? Ziehst Du Dich dabei total zurück?

Seit ich mein iPad habe, bin ich nicht mehr an einen festen Ort gebunden. Aber in letzter Zeit hab ich oft im Bett gesessen und dort geschrieben. Es war so gemütlich.

Bist Du beim Schreiben immer allein, oder bist Du dabei auch umgeben von Leuten?

Beides. In der WG, wo ich zurzeit lebe, ist ja immer was los. Doch je näher die Deadline kommt, desto mehr brauche ich ungestörte Ruhe und muss mich dann auch von der Welt verabschieden.

Gibst Du Dein Manuskript in der Entstehungsphase anderen Leuten zum Lesen, oder gibst Du es erst aus der Hand, wenn Du es an den Verleger schickst?

Bei einigen Büchern hat meine Schwester mitgewirkt in dem Sinne, dass ich mit ihr die ganze Geschichte durchgesprochen habe. Seit ich in Norwegen bin, ist das schwieriger geworden. Da war der Verleger in der Tat der Erste, der es gelesen hat.

Was war Deine schönste Erfahrung im Zusammenhang mit Deinen Büchern?

Als der Verleger mich anrief und mir sagte, wir bringen das Buch raus. Da war ich wirklich im siebten Himmel. In der Nacht darauf hab ich geträumt, dass ich fliegen würde, und als ich am Morgen erwachte, wusste ich, dass etwas Fantastisches geschehen war.

Welches war das schönste Feedback auf eines Deiner Bücher?

Dass meine Maya-und-Domenico-Serie eine junge Frau davon abgehalten hat, sich das Leben zu nehmen. Durch meine Bücher hat sie wieder Hoffnung geschöpft und angefangen, an Gott zu glauben.

Welches war das schwierigste oder vielleicht auch verletzendste Feedback?

Wenn die Kritik vorwurfsvoll und anklagend ist. Da drücke ich auch schon mal die «Delete»-Taste. Natürlich muss ich mit meinen jungen Lesern auch Verständnis haben, dass nicht alle ihre Enttäuschung konstruktiv formulieren können, das ist mir schon klar. Aber es gibt dann schon Tage, wo ich denke, na, das geht aber jetzt zu weit.

Fühlst Du Dich generell mit Deinen Büchern vom Publikum gut verstanden? Oder manchmal auch missinterpretiert oder falsch analysiert?

In der Regel gut verstanden. Ich bekomme so viele Feedbacks von Lesern, was mir ja zeigt, dass die Botschaft verstanden wird. Natürlich gibt es immer wieder solche, die etwas missinterpretieren. Da gibt es dann schon mal andere Auslegungen als das, was ich eigentlich gemeint hatte. Besonders die Gratwanderung zwischen gläubigen Christen und solchen, die eben nicht an Gott glauben, ist oft schwierig. Es gibt jene, die finden, dass in meinen Büchern zu viel über den Glauben geschwafelt wird, während andere wiederum meinen, dass es zu wenig sei. Es dabei allen recht zu machen, ist oft eine Herausforderung.

Schreiben kann eine einsame Geschichte sein: Man sitzt stundenlang und manchmal ganze Tage lang sehr allein vor dem Bildschirm. Ist das schmerzhaft für Dich? Wie denkst Du darüber?

In den letzten Jahren und gerade in der Filmschule habe ich entdeckt, wie großartig es ist, jeden Tag Leute treffen zu können. Ich lebe auch in einer wirklich spannenden und lustigen WG mit anderen jungen Frauen. Da ist immer was los, so dass es mir oft wahnsinnig schwergefallen ist, mich nun in mein Zimmer zurückzuziehen und allein vor dem Bildschirm zu sitzen. Das Leben da draußen kann manchmal in der Tat spannender sein als die Welt in den Büchern und Manuskripten.

Wo holst Du Dir Deine Ideen fürs Schreiben, für Plots, für Geschichten, für Dialoge, für Strukturen, für überraschende Twists und Wendungen?

Ich habe irgendwie das Talent, in meinem Leben von einer Episode in die nächste zu stolpern – sei es beim Auswandern in ein fremdes Land über Liebeskummer bis hin zu einer verrückten WG, wo ich Menschen aus allen Nationen kennenlerne, so dass ich bis auf Weiteres genügend Stoff für Geschichten finde. Im Moment komme ich mir sowieso vor wie in einer TV-Seifenoper.

Sind noch viele Ideen, Stories und Bücher in Dir drin, oder bist Du des Schreibens manchmal überdrüssig und müde?

Mit meinen Abenteuern in Norwegen könnte ich mindestens drei verschiedene neue Geschichten erschaffen. Allerdings hatte ich gerade während des Arbeitens am letzten Band von «Maya und Domenico» oft das Gefühl, dass es jetzt dann genug ist und ich endlich mal was anderes machen möchte, als immer nur zu schreiben.

Weißt Du am Anfang eines Manuskripts eigentlich schon genau, wohin die Reise geht und wie das Buch enden wird?

Ich hab dies einst geglaubt zu wissen – bis ich mich dann überraschenderweise vor dem neunten Buch von «Maya und Domenico» vorgefunden habe. Geplant waren ursprünglich höchstens drei!

Was bedeutet Dir «geistliches Leben», und wie gestaltest Du es am liebsten?

Ich rede mit Gott, als stünde er bei mir im Zimmer. Manchmal muss ich aufpassen, dass mich keiner dabei hört. Zum Glück versteht in meiner WG keiner Deutsch. Da kann ich auch so tun, als würde ich skypen!

Gibt es einen Autor, eine Autorin, die Du unbedingt noch treffen möchtest in Deinem Leben? Oder einen Musiker, einen Künstler?

Ja, natürlich möchte ich gern mal mit dem Leadsänger der ehemaligen Gruppe «a-ha» zu Abend essen. Hey, nun kann ich ja sogar in seiner Muttersprache Norwegisch mit ihm plaudern. Das wäre wirklich großartig.

Vom Schreiben kann man ja nur in den seltensten Fällen leben. Was machst Du beruflich, welches ist Dein finanzielles Standbein?

Die letzten drei, vier Jahre hab ich tatsächlich vom Schreiben gelebt. Wahnsinn! Aber nun habe ich ja auch einen Bachelor-Abschluss in Film und TV. Ich hoffe doch, dass ich mich in diese Branche einklinken kann.

Wie ist das Thema «Glaube» überhaupt in Dein Leben gekommen?

Ich bin mit Gott aufgewachsen. Mein Vater hat schon als Kind mit mir gebetet, und ich habe einfach immer gewusst, dass es einen Gott gibt. Ich wollte einfach an ihn glauben.

Inwiefern haben das Schreiben Deiner Bücher und die Reaktionen der Leserschaft und der Öffentlichkeit Dein Leben verändert?

Ich bin natürlich selbstsicherer geworden. Nun hab ich was erreicht, was nicht viele erreichen. Ich bin von Natur aus nicht das absolute «Selbstvertrauen in Person» und muss mich manchmal überwinden, auf andere zuzugehen. Aber nun hab ich wenigstens was, was ich weitergeben kann.

Hast Du ein Lebensmotto, das dauernd in Deinem Herzen und Deinem Kopf drin ist?

Alles, was ich in meinem Leben selber durchmache, kann ich später mal dazu verwenden, um anderen zu helfen. Dieser Gedanke hilft mir oft, Krisen zu ertragen. Würde immer alles glatt laufen, hätte man ja nichts, was man anderen weitergeben könnte.

Was ist Dir in Bezug auf Deine Bücher speziell wichtig?

Dass sie Menschen berühren und etwas in ihnen freisetzen. Dass sie ihnen etwas über das Leben zeigen und sie inspirieren, für ihre Träume zu kämpfen.

Wie viel von Dir selbst ist eigentlich in Deinen Büchern drin?

Aaaach ja … einiges. Das heißt aber nicht, dass es in den Büchern nun gerade diese eine einzige Person gibt, die mich absolut widerspiegelt. Ich verteile mich oft auf verschiedene Personen. Nicht mal Maya, die Erzählerin, bin absolut ich. Ich würde ja einiges anders machen als sie.

Gibt es etwas, das Du den Leserinnen und Lesern unserer `fontis-Webseite noch mitgeben möchtest?

Oioioi, Ratschläge von einer, die gerade mit einer Erkältung und einer dickgeschwollenen Nase im Bett liegt … Ach ja, also: Wir Schriftsteller sind auch nur Menschen. So habt Nachsicht mit uns. Eure Feedbacks helfen uns wahnsinnig viel weiter. Sie helfen uns in den einsamen Schreibstunden, wenn wir uns manchmal fragen, warum zum Geier wir das eigentlich auf uns nehmen. So hört nicht auf, uns Feedback zu geben. Wir brauchen das. Wir wollen ja wissen, ob wir euch mit unseren Büchern berühren oder ob wir völlig daneben liegen. Aber seid bitte auch nett mit uns, wenn ihr was zu kritisieren habt. Kritik ist ja voll okay. Das muss sogar sein! Nur so können wir lernen. Aber eben – denkt daran: Wir sind auch nur Menschen. Und keine Halbgötter. Wir stolpern durchs Leben, fallen auf die Nase, stehen wieder auf und sind weit davon entfernt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Nur weil wir Schriftsteller sind, sind wir noch lange keine höheren Wesen. Es ist ein Job, genau wie alles andere auch. Ein schöner Job, zugegeben …

Liebe Susanne, wir vom Fontis-Verlag danken Dir herzlich für dieses Interview! Möge Segen mit Dir sein. Möge Dein Leben voller Swing und Dynamik weitergehen, privat und beruflich, in Sachen Lebensplanung, Lebensrhythmus und Gesundheit, als Autorin und als Filmerin – und vielleicht sogar auch wieder als Webdesignerin (aber davon sprichst Du ja im Interview schon gar nicht mehr …). All the very best to you! Wir sind glücklich, Dich zu kennen und mit Dir zu arbeiten.

 

Verantwortlich für die Fragen: Christian Meyer, Abteilungsleiter Lektorat, und Johannes «Jonny» Grapentin, Marketingabteilung Fontis-Verlag.

Über die Autorin
Aus Susanne Wittpennigs Feder stammt die beliebte Romanserie "Maya und Domenico".  Nach 9 Bänden war es Zeit, sich an neue Projekte zu wagen. In ihrer neuen Trilogie "Time Travel Girl" lässt sie ihre Figuren eintauchen in eine spannende Reise zwischen Zeit und Raum …

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