Fontis-Blog

Alltagsinspirationen eines Pioniers

Erika & Johannes Wirth_2020

Das Buch «Ungeschminkt» hält, was es verspricht: Es gewährt ungeschminkte Einblicke in das Leben von Johannes Wirth – Pastor in Winterthur, Gründer der Quellenhofstiftung, Visionär eines Mehrgenerationen-Wohnprojektes und Ferien-Begleiter. Wirth berichtet in seinem Buch von beruflichen Erfolgen und Niederlagen, persönlichen und finanziellen Hürden, und alltagstauglichen Erkenntnissen im Urlaub und Familienleben.

Johannes Wirth war bis vor kurzem Senior Pastor einer christlichen Freikirche im schweizerischen Winterthur. Er hat vor über 30 Jahren die Quellenhofstiftung gegründet und vor kurzem ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt realisiert. Seit 45 Jahren ist er mit seiner Frau Erika verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Klingt nach einem Überflieger, oder? Das sah aber anfangs gar nicht danach aus.

Johannes Wirth erlebt Mobbing in der Schule, hat ADHS, bricht die Schule in der 8. Klasse ab. Die einzige Ausbildung, die er beendete, war die einjährige Schulung als Briefträger. Er hatte wechselnde Berufe – vom Bauer, Fließbandarbeiter, Sportartikelverkäufer zum Versicherungsverkäufer, Schadensinspekteur und Produktmanager. Er studierte nie Theologie – wurde aber trotzdem Pastor. Außerdem litt er viele Jahre an Depressionen und hatte mit Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen. Seine Ehe war nach den ersten zwei Jahren eigentlich schon zum Scheitern verurteilt. Heute blickt er auf ein Arbeitsleben zurück, das positive Spuren im Leben vieler Menschen hinterlassen hat – sei es im Urlaub, in der Kirche, auf der Gasse. 

Der Schweizer Macher

Der Schweizer ist ein Macher, der zäh an seinen Visionen festhält. Drei Großprojekte verdeutlichen das: 

  • Seit 30 Jahren bietet er mit seiner Frau Familienferien an – zunächst über die Kirche, dann über einen Reiseveranstalter. Insgesamt waren sie also 70 Wochen lang mit 20.000 Menschen im Urlaub. 
  • Vor 30 Jahren gründete er aus dem tiefen Wunsch heraus, den Randständigen der Gesellschaft zu dienen, die «Quellenhofstiftung». Dort wird sucht- und psychisch kranken Menschen dabei geholfen, im Leben wieder Fuß zu fassen, damit sie in der Lage sind, selbstständig zu leben und zu arbeiten. 
  • Im Sommer 2020 hat Johannes Wirth mit dem Mehrgenerationen-Wohnprojekt „TownVillage“ eine Vision zum Leben erweckt, die nach vielen Rückschlägen, Herausforderungen und schlaflosen Nächten endlich Wirklichkeit werden durfte. In insgesamt 60 Wohnungen wohnt nun ein bunter Mix aus Senioren, Singles, Paaren, WGs und Familien zusammen. 

Was er in den verschiedensten Lebensphasen und bei diversen Großprojekten gelernt hat, das teilt er in seinem Buch «Ungeschminkt»: Anhand von kurzen, knackigen und in sich abgeschlossenen Kapiteln gewährt er ehrliche Einblicke in sein Alltagsleben. 

Doch in welches Genre ordnet man «Ungeschminkt» am besten ein? 

Er schreibt selbst dazu: «Zugegeben, dieses Buch ist anders als die meisten anderen. Es ist weder Biografie noch Autobiografie, noch behandelt es ausführlich ein bestimmtes Thema; auch haben die vier Buchteile keinen direkten inhaltlichen Zusammenhang. Der rote Faden, der sich durch all die Texte zieht, besteht aus den vielen Erfahrungen aus meinem Alltagsleben.» Das klingt nach einem Buch, das genau so ist, wie das Leben: bunt, vielfältig und voller Überraschungen. 

Kein Blatt vor den Mund nehmen

Dass es im Buch von Johannes Wirth wirklich «ungeschminkt» zugeht, habe ich schon beim ersten Durchblättern gemerkt – da blieb ich beispielsweise beim Kapitel «Sex in der Ehe» hängen. Ein Pastor und Geschäftsmann, der über so ein heikles, in christlichen Kreisen oft totgeschwiegenes Thema schreibt? Das fand ich ziemlich beeindruckend. Und dann dachte ich: Wer das hinkriegt, hat sicherlich noch mehr Spannendes zu berichten. Und das stimmt. Man möchte sich die vielen Weisheiten und Erkenntnisse, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat, am liebsten ausdrucken und gut sichtbar irgendwo hinhängen. 

Wie man Trauernden im Alltag begegnet …

… die gerade den Tod eines Menschen verarbeiten, ist zum Beispiel so eine Erkenntnis. «Da gibt’s eine simple Antwort», schreibt Johannes Wirth: «Ganz normal! Du brauchst nicht den Mittrauernden zu spielen und die Stimme zu senken. (…) Einige von uns meinen, sie sollten – um möglichst keine Wunden aufzureißen – dieses Thema lieber nicht anschneiden. Doch das Umgekehrte ist der Fall. Es ist Salb-Öl auf den Wunden von Trauernden, wenn sie hören, was der verstorbene Ehemann oder die verstorbene Ehefrau dir bedeutet hat.»

Er schreibt auch von Phasen, in denen die Seele leer und hungrig ist. Das passiert besonders nach dem Ende von intensiven Projekten, die er  «große Schlachten» nennt. Auch die Bibel schreibt davon. Dann tankt er innerlich wieder auf, indem er Gott versucht näher zu kommen. Doch das ist gar nicht so einfach – selbst für einen Pastor nicht: 

«Manchmal gleicht die Annäherung an ihn eher einem Zurückrobben. Doch es lohnt sich.»

Johannes Wirth in «Ungeschminkt»

Auch angehende Leiterinnen und Leiter dürften im dritten Teil über «Leiterfunktion und Selbstreflektion» einige Ermutigungen mit nach Hause nehmen. Johannes Wirth schreibt zum Beispiel über die kleinen Anfänge: «Immer habe ich erlebt, wie das Neue im Kleinen begann, und wie es, wenn es gesund war, irgendwann zu wachsen anfing. Manches Kleine, Unscheinbare, das wir säen und in das wir uns investieren, braucht einfach Zeit, bis es aufgeht.»

Wie ein Gespräch mit einem vertrauten Ratgeber

Was kann man noch von diesem erfrischend anderen Buch erwarten? Es ist wie ein Gespräch mit einem Vertrauten, einem Ratgeber. Johannes Wirth ist der demütige Gesprächspartner, der ohne erhobenen Zeigefinger wertvolle Lebenslektionen weitergibt, die den Zuhörenden vor unnötigen Fehlern bewahren und für die eigene Zukunft ausrüsten. Dabei spricht er Themen an wie Selbstführung und Lebensgestaltung, die Kraft der Einheit, den Umgang mit Geld oder mit Veränderungsprozessen. 

Besonders spannend sind die Erlebnisse, die er mit seiner Frau in der Ferienbegleitung gemacht hat. Er kennt nach 70 Wochen Ferien als professioneller Urlauber nämlich die vier Geheimnisse, wie der nächste Urlaub für alle entspannt wird:

  1. Die Erwartungen klären.
    Wer braucht wie viel Zeit für sich, wer möchte was erleben, wofür reicht das Feriengeld?
  2. Erstmal eine Nacht drüber schlafen, bevor man sich über das Zimmer beschwert. 
  3. Ein Minimum an Tagesstrukturen einbauen.
    Wann wird gefrühstückt, wann ist Zeit für gemeinsame Aktivitäten?
  4. Das ultimative Ferien-Geheimnis: Ein Herz voller Dankbarkeit. 

«Ungeschminkt» zeigt, wie viel Potential in jedem einzelnen steckt und welchen positiven Einfluss es auf die Menschen in deinem Umfeld hat, wenn dieses Potential nicht vergeudet, sondern mutig eingesetzt wird. 

Johannes Wirth
Ungeschminkt
Fontis-Verlag
240 Seiten
Bestellnr. 204204

Deutschland: www.fontis-shop.de/ungeschminkt-2
Schweiz:
www.fontis-shop.ch/ungeschminkt-2

In der Rubrik BücherREZEPT vom Fontis-Podcast «Die literarische Hausapotheke» stellt Elisabeth Schoft «beschreibungspflichtige» Bücher vor – also solche, die in deiner literarischen Hausapotheke nicht fehlen dürfen. 

«Fontis-Podcast: Die literarische Hausapotheke» anhören auf:

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