Fontis-Blog

Pablo Giacopelli: Durchzug

Wir wünschen uns, dass wir Gottes Gegenwart in unserem Leben spüren. Dafür beten wir Gebete wie: „Weniger von mir, mehr von dir, Jesus“. Fontis-Autor Pablo Giacopelli glaubt  allerdings, dass dieses Gebet nie beantwortet wird, sondern dass es lediglich ein kleines Fenster braucht. 
Von Pablo Giacopelli
Vor ein paar Abenden saß ich an meinem Schreibtisch und surfte im Internet. Die Schiebetüren zum Balkon waren offen, draußen war es recht frisch. Drinnen konnte ich das aber kaum spüren. Obwohl der Wind heulte und die Türen weit offen waren, blieb der Wind außerhalb meiner Wohnung. Plötzlich hat meine Frau in einem unserer Badezimmer ein Fenster geöffnet, das nicht sehr weit von der Lounge war, in der ich saß. Ein kalter Luftstrom zog durch den Raum. Während ich so dasaß und die kühle Brise genoss, erkannte ich, dass Gott dasselbe in unseren Leben tun will.
Viele von uns glauben an diese Theorie (und versuchen sogar, es irgendwie möglich zu machen), dass Gott uns auslöschen und unsere „weltliche Natur“ übernehmen will. Wir beten Gebete wie „weniger von mir, sondern mehr von dir, Jesus“. Und obwohl ich verstehe, was dieses Prinzip bedeutet, glaube ich, dass dieses Gebet leider nie beantwortet werden wird. Denn meiner Erfahrung nach ist der Gott, den ich entdecke, nicht daran interessiert, uns zu besitzen, zu übernehmen oder uns als sein Lockvogel zu benutzen.
Stattdessen glaube ich, dass er möchte, dass wir spüren können, wie er und sein Leben durch uns fließen. Genauso, wie ich an jenem Abend die Brise gespürt habe. Wir müssen verstehen, dass unser Sehnen und unsere Versuche, bei diesem Prozess zu helfen, eigentlich genau das sind, was den Flow durch unser Leben behindert. Es wäre so, als ob meine Frau das Fenster wieder zugemacht hätte, das sie vor kurzen noch öffnete.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich glaube, dass, wenn wir vom Flow erfasst werden, dann werden wir wie von einer Brise erfrischt und gestärkt. Wenn wir es erlauben, dass seine Gegenwart durch uns fließt, zeigt sich mehr von unserem realen Ich. Dazu müssen wir auch all die falschen Vorwände und Bestrebungen loslassen, die uns eigentlich nur im Weg stehen.
Lasst uns daran denken, dass Gott die Menschen nicht umkrempeln will. Er will uns und unsere Einzigartigkeit feiern. Die Gedanken, dies zu vereiteln, haben nichts mit ihm zu tun, aber viel mit uns, die wir versuchen, uns für ihn zu qualifizieren. Dabei sieht er uns bereits als perfekt und vollkommen an. Ich möchte dich heute ermutigen, die Entscheidung zu treffen, es weniger aus eigener Kraft zu versuchen. So kannst du dir selbst eine realistische Chance geben, Gottes Gegenwart zu genießen.
Pablo Giacopelli
Pablo Giacopelli war erfolgreicher Tennisspieler und WTA-Tennis-Coach. Sein Buch „Matchball“ ist im Fontis-Verlag erschienen. Darin geht es nicht nur um Tennis, sondern auch um Versöhnung, Gott und das „lockere Festhalten“.
Mehr von Pablo Giacopelli auf dem Fontis-Blog.

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