Fontis-Blog

Öffentlich-rechtliche Gesellschaftstherapie

Kommentar zum Beitrag „Die Kirche und die Rechten“ in der ARD (WDR), gesendet am 18. Juni 2019

Vom journalistischen Standpunkt aus war der Beitrag des WDR ein Lehrstück. Offensichtlich hatte man schon lange vor Drehbeginn ein Skript in der Tasche und brauchte jetzt nur noch die Bilder der evangelikalen Protagonisten, um das fertige Drehbuch zu illustrieren. Dessen Architektur folgt folgendem Schema: Evangelikal ist bibeltreu, bibeltreu ist rückwärtsgewandt, rückwärtsgewandt ist rechts, rechts ist AFD, AFD ist böse. Ergo: Evangelikal ist gleich AFD und böse. Also spielt nicht mit den Schmuddelkindern, ihr guten evangelischen Christen!

Die Denkfigur hinter diesem Beitrag des WDR folgt einem inzwischen weitverbreiteten Schema: wer nicht mit dem Mainstream der öffentlich-rechtlichen Eliten konform geht, der muss „zum Arzt“. Konkreter: wer etwa islamkritische, migrationskritische, gendertheorie-kritische oder einfach wertkonservative Ansichten hat, der ist moralisch minderwertig. Mit diesen „kranken“ Ansichten werde Hass und Intoleranz geschürt. Und das muss bereits im Keim erstickt werden, denn es gefährdet den sozialen Zusammenhalt. „Framing“ heißt das heute neudeutsch. Dieser Rahmen (engl. frame) fokussiert, was das Erlaubte und moralisch Richtige ist. Die große NZZ wies bereits vor einiger Zeit darauf hin, die ARD wolle auf diese Weise „mit Moral das Publikum einseifen“. Diesbezüglich jedenfalls war „Die Kirche und die Rechten“ ein Lehrstück aus dem Badezimmer.

Framing ist eine Methode zur Volkstherapie und funktioniert so: Ärgerliche und querliegende öffentliche Stimmen werden subtil angeprangert und latent kriminalisiert. Eine inhaltliche Debatte findet kaum noch statt: „Einseifen statt diskutieren“ ist das Motto. Es gibt die Guten und die Bösen. So einfach ist die Welt. Das Filmchen passt in einen politischen Mainstream, der die querliegenden Wurzeln des Christentums abschneidet und uns im Zuge der Globalisierung vom Hemmschuh veralteter religiöser, nationaler und geschlechtlicher Identitäten befreien möchte. Demokratische Meinungsbildung sieht anders aus.

Mehr zum Thema: Giuseppe Gracia: Das therapeutische Kalifat – Meinungsdiktatur im Namen des Fortschritts

Über den Autor

Dr. Dominik Klenk ist Verlagsleiter und Geschäftsführer bei Fontis in Basel. Der gelernte Journalist war früher Handballprofi, Consultant und Leiter der Kommunität „Offensive Junger Christen“. Zuletzt schrieb er den Bestseller „YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus.“

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