Fontis-Blog

Sex in der Familie – fällt der letzte Schutzraum?

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Die Forderung des Deutschen Ethikrates, das Verbot des Beischlafs zwischen Geschwistern aufzuheben, irritiert die gesunde Seele. Doch kommt diese Forderung nicht überraschend. Sie verläuft entlang genau jener gedanklichen Fluchtlinie, die der lobbygestützte Gedankenstrom in sexuellen Dingen längst vorgezeichnet hat: Es geht um die Einebnung und Gleichmachung gegebener Unterschiede. Da stören freilich sperrige Tabus. Sie erscheinen als Zumutung gegen die Selbstbestimmung, als lästige Barrieren wider das eigene Glück. So werden unter dem Vorwand der Toleranz bewährte Tabus immer häufiger zur Piraterie freigegeben.

Das zur Vermeidung von hohem Seegang geschaffene Tabu findet sich im Zielkreuz der Armada individueller Selbstbestimmung wieder. Deren Kanonen tragen die Aufschrift: „Der Einzelne muss zum Zuge kommen“; „Betroffenheit schlägt Gemeinwohl“; „auch verbotene Liebe ist Liebe – und die kann nicht Sünde sein“.

Familie als Schutzraum

Vordergründig geht es in dieser Debatte, wie so oft in den letzten Jahren, um die Entkriminalisierung intimer Beziehungen. Hintergründig wird damit das Gefüge von Ehe und Familie für beliebig erklärt und grundsätzlich in Frage gestellt. Die Familie als Schutzraum und sexuell jagdfreie Zone für Kinder und Jugendliche steht zur Disposition. Nein, wird der Ethikrat hier einwerfen, es gehe lediglich um den „einvernehmlichen Beischlaf“ unter volljährigen Geschwistern. Aber wie will man, wenn das Tabu erstmal fällt, zwischen sexuellem Übergriff in der Familie, Unzucht mit Abhängigen und einvernehmlicher Geschwisterliebe unterscheiden?

Einvernehmlichkeit als Maßstab?

Der Einvernehmlichkeit wird entscheidendes Gewicht zugemessen. Warum nicht mit der eigenen Schwester in die Kiste springen, wenn beide ausdrücklich nüchtern, in der Sache einig und scharf aufeinander sind? Werden aber Einvernehmlichkeit und Freiwilligkeit zum gültigen Maßstab, dann wären nicht nur all jene jetzt schon auf der sicheren Seite, die eine rechtliche Anerkennung von polygamen Beziehungen fordern, sondern auch der Kannibale von Rotenburg, der im Einvernehmen mit seinem Opfer dieses erst tötete und dann verspeiste.

Der Friedensschluss mit dem Fremden

Der „Kultur des Lebens“ ist ein weiterer universeller Horizont eingeschrieben: Das Exogamieprinzip, also das Prinzip, immer außerhalb der eigenen Familie zu heiraten und Kinder zu zeugen. Dieses Prinzip gewährleistet nicht nur die gesunde Durchmischung des Genpools, sondern fördert die Bereitschaft, sich existenziell mit dem Fremden zu verbinden. Die zutiefst politische Dimension dieser Allianz wird durch den Inzest eingeebnet: Die Inkorporierung des Fremden im eigenen Nachwuchs garantiert nicht nur den Fortbestand des Menschengeschlechts, sondern auch seinen Frieden.

Über den Autor

Dr. Dominik Klenk ist Verlagsleiter und Geschäftsführer bei Fontis in Basel. Der gelernte Journalist war früher Handballprofi, Consultant und Leiter der Kommunität „Offensive Junger Christen“. Zuletzt schrieb er den Bestseller „YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus.“

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