Fontis-Blog

Klaus Kelle: Sagen, was die schweigende Mehrheit denkt

Der Journalismus kämpft um sein Image, während besorgte Bürger „Lügenpresse“ schreien und die Echtheit und den Wahrheitsgehalt jeder Nachricht anzweifeln. Das Gefühl, nicht über alles informiert zu werden, wächst. Deswegen entstand die Online-Tageszeitung „The GermanZ“ – für die schweigende Mehrheit und Mitte der Gesellschaft. Ein Interview mit dem Gründer und Journalisten Klaus Kelle. 
Herr Kelle, das amerikanische Nachrichten- und Meinungsportal „Breitbart“, das als konservatives Medium maßgeblich zum Erfolg von Donald Trump beigetragen hat, plant Ableger in Deutschland und Frankreich zu gründen. Wollten Sie denen jetzt noch schnell zuvorkommen?
Nein, das hat nichts miteinander zu tun. Wer „Breitbart“ ist, wusste ich noch nicht, als die Idee zu „GermanZ“ entstand. Und wir machen auch etwas anderes für eine andere Zielgruppe.
Nämlich?
Wir wollen unter weitgehendem Verzicht auf politische Korrektheit seriösen und engagierten Journalismus betreiben. Das tun übrigens auch viele andere Journalisten in Deutschland. Das pauschale Gerede von der „Lügenpresse“ halte ich für unangemessen. Aber es gibt natürlich Ausreißer, etwa wenn es nach den massenhaften Übergriffen von Nordafrikanern auf Frauen in Köln in der Silvesternacht bis zum 4. Januar gedauert hat, bis unsere großen Medien berichtet haben, was da passiert ist – außer Focus Online übrigens, der großen positiven Ausnahme. Und die meisten schrieben dann über „junge Männer“ als Täter, weil sie sich nicht trauten, „Wir schaffen das“ in Frage zu stellen.
Kann man den Journalismus neu erfinden?
Nein, und das wollen wir auch nicht. Sehen Sie, es gibt manche Journalisten, die glauben, einen Volkserziehungs-Auftrag zu haben. So ähnlich wie beim legendären Satz von Bundesinnenminister Thomas de Maiziére „das könnte die Bevölkerung verunsichern“. In einer Demokratie hat die Bevölkerung das Recht, verunsichert werden zu wollen. Welche Zeitung, welcher Journalist hat von wem das Recht bekommen, zu entscheiden, was man den Leuten zumuten darf? Gibt es einen Verfassungs-Auftrag? Steht das in der Bibel? Warum werden z. B. Wissenschaftler, die sachlich begründen, dass sie den im Wesentlichen vom Menschen verursachten Klimawandel bezweifeln, aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen? Sie werden nicht in Talkshows eingeladen. Ihnen kündigt man Räume für Vorträge an Universitäten, sie werden zu Ausgestoßenen. Aber wenn jemand mit dem unwissenschaftlichen Unsinn namens „Gender Mainstreaming“ ankommt und erklärt, warum es wichtig ist, einen Mann als „Frau Professorixx“ anzureden, dann bereitet man denen eine große mediale Bühne. Gender Mainstreaming, das ist der Kreationismus der Progressiven.
Wenn Sie das ändern wollen, ist das ja auch eine Einschränkung…
Nein, überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, jedes Medium und jeder Journalist sollte schreiben können, was immer er oder sie will. Freiheit – das ist mein Thema. Übrigens auch gesellschaftspolitisch. Unser Staat hat den Menschen viel zu viele Rechte weggenommen. Mein Lieblings-Zitat des unvergessenen US-Präsidenten Ronald Reagan lautet: „Die schlimmsten neun Worte in Amerika sind: ‚Ich komme von der Regierung und will Ihnen helfen'“.
Das klingt eher nach liberal als nach konservativ?
Absolut! Mein Leitmotiv im politischen Denken sind zwei Begriffe: Freiheit und Deutschland. Davon denke ich bei jedem politischen Thema aus. Konservativ bin ich in Fragen von Familie, Lebensschutz, Sicherheit. Aber Freiheit ist die Grundlage für alles. Alles!
Zurück zu „GermanZ“ und Ihren Plänen. Was ist die Zielgruppe?
Die viel gepriesene Mitte der Gesellschaft. Nicht im Sinne von Frau Merkel und ihren hippen PR-Einflüsterern mit den Designer-Brillen. Meine Mitte der Gesellschaft, das sind die Leute, die morgens aufstehen und ihren Kindern ein Frühstück machen, bevor sie zur Schule gehen. Das sind die Leute, die sich in ihrem Beruf und in ihren Vereinen oder auch Parteien für das Gemeinwohl engagieren. Meine Mitte, das sind Leute, die bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind oder den Landfrauen. Oder junge Leute, die sich für irgendwelche Ideale – gern auch progressive, linke – einsetzen. Und Messdiener, über 300.000 soll es in Deutschland geben. Welche Medien berichten eigentlich über die? Außer wenn es Fälle von Kindesmissbrauch gibt. Wer berichtet über Christen überhaupt? Da gibt es ja 2,5 Millionen, die jeden Sonntag in Deutschland in einen Gottesdienst gehen. Welche Großorganisation schafft das, so viele Leute bei Wind und Regen auf die Straßen zu bringen? Und warum schreibt niemand über die?
Was würden Sie in Deutschland gern ändern?
Ich lebe gern hier, das ist meine Heimat. Deutschland ist ein in vielerlei Hinsicht erfolgreiches und wunderbares Land. Aber wir alle in der sogenannten Mitte haben verlernt, zu kämpfen, uns zu engagieren. Ich würde zwei grundlegende Dinge ändern, wenn ich der Politik als einfacher Bürger das vortragen dürfte. Das eine ist: Wir müssen unseren freiheitlichen Staat gegen jede Gefahr verteidigen. Nicht nur gegen die aber auch von Rechtsradikalen, wo besonders die Minister Schwesig und Maas aktiv sind, sondern auch gegen den aggressiven Islamismus und den Linksradikalismus. Diese Herrschaften, die „Bonzen-Autos“ abfackeln, gewalttätige Angriffe auf Veranstaltungen politischer Gegner organisieren, Andersdenkende mit Gewalt mundtot machen wollen. Die machen unter dem Banner des „Antifaschismus“ im Grunde nichts anderes als die Nazi-Schlägertrupps in den 20er und 30er Jahren. Politische Gewalt ist nicht gut, nur weil sie von links kommt. Und der zweite Punkt: Ich würde mir wünschen, dass die Politik denjenigen, die einen großen Einsatz für andere Menschen leisten, sozial und humanitär deutlich mehr Respekt und Anerkennung zeigen. Und damit meine ich ausdrücklich und mit an vorderster Stelle auch unsere Polizisten und die Soldaten der Bundeswehr.
Haben Sie ein Leitmotiv für das Medium, das Sie jetzt gestartet haben?
Ja, wir sagen der schweigenden Mehrheit, dass sie die Mehrheit ist. Immer noch.
Klaus Kelle, 2016
Klaus Kelle ist seit 32 Jahren Journalist und hat für große Medienhäuser in Deutschland und Norwegen gearbeitet. Heute ist er Medienunternehmer und einer der bekanntesten konservativen Autoren in Deutschland. In dieser Woche hat er eine neue Online-Tageszeitung mit dem Namen „The GermanZ“ gestartet. Im Frühjahr 2017 erscheint sein Buch „Bürgerlich, christlich, sucht … im Fontis-Verlag. 

 

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