Fontis-Blog

Kirstine Fratz: Der Zeitgeist und die Liebe

Der Zeitgeist durchdringt unser Leben – sogar in der Liebe sind wir vor ihm nicht sicher. Fontis-Autorin Kirstine Fratz zeigt, wie wir uns durch den Zeitgeist in unseren Entscheidungen leiten und beeinflussen lassen. Denn oft treffen wir unsere Entscheidungen nach den Vorstellungen des Zeitgeists – gerade bei Partnerwahl.   
Von Kirstine Fratz
Sie dachten damals vielleicht, Sie hätten aus freiem Willen gehandelt? Sicher hatte Ihre Wahl nichts mit einem Trend, einer Modeerscheinung oder dem Zeitgeist zu tun! Falsch gedacht. Denn spätestens beim Thema ‚Liebe‘ kriegt Sie der Zeitgeist. Das, was wir als gegenwärtigen Idealpartner empfinden, entspricht nämlich in der Regel weniger unseren persönlichen Sehnsüchten, sondern ist vielmehr ein Versprechen des Zeitgeistes, unter dessen Einfluss wir stehen. Denn der Zeitgeist sind die Stimmungen und Moden der Gegenwart. Und dieser beeinflusst Entscheidungen, Ernährung und eben auch Beziehungen. Aber: Nach welchen Aspekten entscheiden wir uns für den Einen, mit dem wir unser Leben teilen möchten?
Je nachdem, welchem Zeitgeist Frauen sich verschrieben haben, suchen diese sich auch ihren Partner aus – oft natürlich unterbewusst: Frauen, die auf ihre Ernährung achten, finden Männer, die Bio und mit Jutetasche einkaufen, super. Und Frauen, denen ihre Karriere wichtig ist, finden Männer, die auch so ticken, viel attraktiver als den ewigen Studenten. Gleiches gesellt sich eben zu Gleichem.
In den Kreisen der Reichen und Schönen beobachtete ich die Partnersuche nach Zeitgeist-Manier: Ein reicher, erfolgreicher Mann und eine schöne Frau. Beide natürlich Zeitgeist-aktuell mit entsprechenden Attributen ausgestattet. Er vor allem mit der Art und Weise, wie er das Geld verdiente und seinen Lebensstil präsentierte. Sie entsprach mit ihrem Erscheinungsbild und ihren Ambitionen dem aktuellen Schönheits- und Zeitgeist-Ideal. Beide erfüllten auf perfekte Weise die Erwartungen des jeweils anderen und gaben sich gegenseitig das gute Gefühl, durch die Verbindung den Zeitgeist-Status des jeweils anderen noch zu erhöhen. Das Leben der beiden verlief eine kurze Zeit lang wie im Rausch. Viel Anerkennung, viel Reiz, viel Bestätigung und das gute Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, bestimmten ihr Dasein. Irgendwann funktionierte diese Projektion nicht mehr einwandfrei und der andere entpuppte sich immer mehr als normaler Mensch, der hie und da durchaus vom Ideal abwich.
Augenblicklich stehen die Zeitzeichen günstig für einen bewussten Umgang mit dem Zeitgeist und der Liebe. In der heutigen Gesellschaft geht es vor allem darum, sich individuell entfalten zu können. Wenn es früher hieß: „Schau mal, wie toll das Leben für dich mit mir sein könnte. Hier ist der Beweis: mein Status versprechender Sportwagen! Ich zeig’ dir meine Welt, und finanziell bist du auch auf der sicheren Seite.“ So heißt es heute immer mehr: „Wow, bist du interessant! Darf ich dir dabei helfen, immer mehr die zu werden, die du sein willst?“
Junge Männer von heute sind sich bewusst, wie sie mit einer Frau in Kontakt kommen können. Sie reiten den Zeitgeist bewusst, um ihre Wünsche erfüllt zu bekommen. Sie versuchen, Frauen nicht durch Prahlen und Posen für sich einzunehmen, sondern suchen sofort nach Gemeinsamkeiten, um eine Verbindung herzustellen, die im besten Falle ausbaufähig ist.
Wer noch ausschließlich mit „Mein Haus, mein Job, mein Auto“ beeindrucken möchte, wirbt mit Versprechen die keine mehr sind.  Der Sehnsuchtsort von Frauen im heutigen Zeitgeist ist ihren eigenen Ausdruck zu finden als nur in das Leben des Mannes einzuziehen.
Kirstine Fratz ist Expertin für Zeitgeist-Forschung und gefragte Impulsgeberin für Zukunftsprojekte und Potenzialentwicklung globaler Unternehmen und Medien. Ihr Buch „Das Buch vom Zeitgeist“ erschien im Fontis Verlag (fontis-verlag.com).

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