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Jan Hus: Verbrannt für seinen Glauben

Jan Hus

Von Matthias Mockler
Ein Schauprozess war es, der dem böhmischen Prediger Jan Hus vor 600 Jahren in Konstanz das Todesurteil brachte. Mit seinen reformatorischen Lehren hatte er sich viele Feinde gemacht. Letztlich zu viele. Laut hatte er sich in Prag aufgelehnt gegen die kirchliche Hierarchie, gegen das Papsttum und den Sittenverfall in der Kirche. Vor der feierlichen Vollversammlung des Konzils im Konstanzer Dom sollte er seiner ketzerischen Lehren abschwören. Ein Recht auf Verteidigung? Fehlanzeige! Als Jan Hus die vielen – teils unwahren oder aus dem Kontext gerissenen – Anklagepunkte entkräften wollte, wurde er vom Konzil niedergeschrien. Das Urteil für den Ketzer war schon gefällt: Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Seinen Weg vom einfachen Bauernsohn zum reformatorischen Vordenker, Märtyrer und tschechischen Nationalhelden hat die Autorin Tania Douglas nun in Form eines historischen Romans auf ungewöhnliche Weise nachgezeichnet. Entstanden ist ein beeindruckendes Geschichtsepos.
Historische Fakten treffen Fiktion
Für ihren Roman studierte Tania Douglas die historischen Quellen, leistete auch Archivarbeit. Wer nun aber ein trockenes Geschichtswerk erwartet, wird positiv überrascht: Gekonnt nutzte die Autorin Lücken in der Überlieferung und schuf so eine packende Geschichte über Liebe, Macht und Verrat. Im Zentrum steht der böhmische Prediger Jan Hus, der es trotz seiner einfachen Herkunft bis zum gefragten Prediger und Rektor der Prager Karls-Universität bringt. Mit seiner Botschaft gewinnt er viele Anhänger: Er greift die Doppelmoral des Klerus an, kritisiert den Ablasshandel und rückt Gottes Gnade in den Mittelpunkt seiner Predigten. Hus predigt in der Sprache seiner Landsleute: Tschechisch statt Latein. Für die Gelehrten ein Skandal.
Feindschaft bis in den Tod
Viele Böhmen rechnen Hus seine reformatorischen Ansätze hoch an, doch er macht sich zunehmend Feinde. Allen voran steht der bitterböse Nikolaus Zeiselmeister. Schon zu Studienzeiten bekämpfte er Hus am Prager Karlskolleg, später wirkte er an Jans Verurteilung auf dem Konstanzer Konzil mit. Auf Basis dieser historischen Fakten zeichnet Douglas das düstere Psychogramm eines Sadisten, der größte Freude am Leid seiner Mitmenschen hat. Mit seinen Intrigen macht Zeiselmeister Jan Hus und seiner Großcousine Aneschka das Leben zur Hölle. Die Feindschaft der beiden Gelehrten Hus und Zeiselmeister trägt erheblich zu dem atemberaubenden Spannungsbogen der Geschichte bei.
Bleibende Brisanz
Das Ende des Romans hat die Geschichte bereits vor 600 Jahren geschrieben. Tania Douglas Beschreibung der Ketzerstrafe ist packend. Nichts war dem Zufall überlassen. Es entsprach dem kanonischen Recht und war ein seit Jahrhunderten vorgeschriebenes Ritual. Sieben Priester enthoben Hus seines Amtes. Sie stülpten ihm einen Papierhut mit dem Bild von drei tanzenden Teufeln über. Darauf zu lesen: „Ketzerführer“. Dann trieben sie ihn unter dem Geschrei der johlenden Menge vor die Stadt, wo Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Für die Autorin hat das Martyrium des Reformators bleibende Brisanz. Vor allem in einer seiner Botschaften sieht Douglas ewige Gültigkeit: „Die Forderung, als freier Mensch mit einem freien Willen seine freie Meinung aussprechen zu dürfen.“ Und die Autorin fügt kritisch hinzu: „Auch sechshundert Jahre später wird diese Forderung in weiten Teilen der Welt missachtet.“

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