Fontis-Blog

Interview mit Dominik Klenk zum Welttag des Buches

Blog_Interview zum Welttag des Buches_Dominik Klenk (c) Radu Marcusu_unsplash

Seit acht Jahren leitet Dominik Klenk die verlegerischen Geschicke des Fontis-Verlags (früher Brunnen Verlag Basel). Zum Welttag des Buches hat er mit Idea Spektrum gesprochen – woran man ein gutes Buch erkennt, wie sich die Corona-Krise auf den Verlag auswirkt und welches Buch für ihn das «Buch des Jahres» ist.

Idea: War Jesus wohl ein leidenschaftlicher Leser? 
Dominik Klenk: Im Johannesprolog wird berichtet, dass Jesus «das Wort ist, das im Anfang war». Vor diesem Hintergrund ist «leidenschaftlicher Leser» wohl eine Untertreibung.

Welcher biblische Autor begeistert Sie? 
Literarisch der Hebräerbrief, dramaturgisch die Psalmen. David rotzt Gott ungefiltert auf den Tisch, was ihn um den Verstand bringt. Gleichzeitig verliert er nie den grossen Bogen des Vertrauens. 

Amerikanische Forscher weisen nach, dass Menschen, die häufig lesen, gesünder und länger leben. Ihre Erfahrungen? 
Bücher sind Lebensmittel. Langsame Vitamine, um im Sprachgewirr der Menschheit nicht zu erkranken. Ein gutes Buch ist ein Zustrom zu einer reichen Innenwelt – und das ist der Kern eines starken Immunsystems.

Der Dichter Christian Morgenstern sagt: «Über jedem guten Buch muss das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden.» Über welchem Buch wurde Ihr Gesicht zuletzt hell? 
Guido Baltes: «Die verborgene Theologie der Evangelien». Ein Buch über die Bedeutung der jüdischen Feste. Wahrhaft erhellend!

Wie feiern Sie und Ihr Verlag am 23. April den «Welttag des Buches»? 
Wir freuen uns, dass der Sprachstrom des Lebens immer noch fliesst und dass wir ein Teil davon sind. Man muss jeden Tag feiern, an dem die Welt der Zahlen und die Mathematisierung des Lebens noch nicht die Überhand gewonnen hat.

Was versprechen Sie sich von diesem Tag? 
Ein kurzes Erinnern, dass wir Teil einer grossen Erzählung sind.

Welches wäre der ideale Termin für einen «Tag des christlichen Buches»? 
Jeder Tag der Woche, der mit einem «g» endet.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihren christlichen Verlag aus? 
Es ist ein verheerender Einschnitt. Die Buchhandlungen sind zwangsweise zu. Zum Glück haben wir ein starkes Privatkundengeschäft, das einen Teil der Verluste im Online-Shop abfangen kann. Finanziell geht es ums Überleben.

Wie kann ein gutes Buch helfen in dieser Krise? 
Ein gutes Buch bietet dem Leser Haftflächen, um sich selber im Spiegel des Gesagten zu verorten und damit die eigenen Perspektive zu erweitern. 

Wie merke ich, ob ein Buch «gut» ist? 
Ein gutes Buch kann lächeln.

Welches Buch empfehlen Sie momentan einer verängstigten Risikoperson? 
Ein Buch, das den Tod als einen Teil des Lebens umarmt. Markus Günther hat eben einen solchen wunderbaren Roman veröffentlicht: «Pietà»

Welches ist für Sie gerade das «Buch des Jahres»? 
Das Buch des Jahres liegt gerade vor mir, wird aber erst im Sommer veröffentlicht. Es trägt den Titel «Jesus». Markus Spieker hat eine fast tausendseitige Jesus-Biografie geschrieben. Es ist nicht weniger als eine Weltgeschichte. So etwas habe ich noch nie vorher gelesen. Es wird ein Schlüsselbuch.

Welches Buch würden Sie großflächig verschenken, wenn Ihnen ein Gönner dafür 5.000 Euro spendet? 
Siehe Antwort von Frage 12. Das Buch gehört in die Hände aller Entscheidungsträger.

Aller Anfang ist schwer: Was heißt das für einen Menschen, der das Lesen neu lernen will? 
Nun, allem Anfang wohnt auch ein Zauber inne. Ein Buch kann natürlich wie ein Backstein in der Hand liegen und Mühen ausstrahlen. Aber ein einziger Satz kann wie Honig schmecken. Wenn der erste Absatz eines Buches «Resonanz» auslöst, dann sollte man über die Lese-Reise nachdenken.

Wenn es Menschen richtig schlecht geht: Raten Sie dann eher zur Apotheke oder zur christlichen Buchhandlung? 
Christliche Buchläden sind geistliche Hausapotheken. Gehen Sie hin, lassen Sie sich beraten, greifen Sie ein Buch, das Sie anlächelt.

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