Fontis-Blog

In einem Jahr durch die Bibel

Blog Döhler

Was hat ein Kühlschrank mit der eigenen Gottesbeziehung zu tun? Lektorin Anne Helke spricht im Interview mit dem Pastor, Musiker und Autor Frank Döhler darüber, welchen Herausforderungen man gestellt ist, wenn das Ziel verfolgt wird, einmal ganz durch die Bibel zu lesen. Das ganze Interview kann als Podcast angehört werden.

Anne Helke: Wir wollen heute über ein Thema reden, das für viele ganz schön herausfordernd ist: die Bibel nicht nur zu lesen, sondern sie sogar mal ganz durchzulesen – vielleicht sogar in einem Jahr. Hast du damit auch schon Erfahrung gemacht, oder bist du eher der Typ, der gerne einzelne Verse liest?

Frank Döhler: Das erste Mal, als ich mit dem Thema «Die Bibel durchlesen» konfrontiert wurde, saß ich im Unterricht in der Berufsschule. Ich habe Werkzeugmechaniker gelernt, und mein Lehrer, der selbst Atheist ist, kam irgendwie auf den Glauben zu sprechen. Es gab noch zwei, drei andere Christen in der Schulklasse. Der Lehrer hat einen der Christen aus der Klasse gefragt, ob er schon mal die Bibel durchgelesen hat. Der schüttelte den Kopf und meinte: «Ab und zu liest er schon in der Bibel.» Überraschenderweise sagte der Lehrer, dass er als Atheist die Bibel schon zwei Mal komplett von vorne bis hinten durchgelesen hat, aber keinen Anhaltspunkt fand, um Gott zu vertrauen. Seine Antwort hat mich dann umgehauen. Er sagte zu dem anderen: «Ich weiß, woran du glaubst, du nicht wirklich.» Und das war einerseits ein wirklich skurriles Erlebnis mit einem Lehrer in einer Schulklasse, aber es war für mich auch eine Herausforderung, dass ich dachte: Okay, jetzt fängst du an, von vorne bis hinten, du liest die Bibel durch. […]

Bei Christen könnte man denken, würde es auf jeden Fall anders laufen. Die meisten, die ich kenne, haben die verschiedensten Bibelausgaben zuhause, dazu Andachtsbücher, Bibelkommentare usw. Trotzdem muss das ja nicht unbedingt bedeuten, dass wir die Bibel deshalb auch besonders gut kennen. Dazu schreibst du ja auch etwas in deinem neusten Buch. Kannst du darüber vielleicht noch ein bisschen was erzählen?

Die Frage ist: Warum liest man als Christ die Bibel? Manchmal klingt das so, als gehört es dazu. Wenn man Christ ist, muss man Bibel lesen. Aber das ist ja nicht wirklich eine Motivation. Ich habe für mich entdeckt, zu sagen: Ich muss die Bibel lesen, um Gott kennenzulernen. Man kann Gott natürlich auf vielfältige Weise kennenlernen. Ich kann auch in die Natur gehen und Gott in der Natur kennenlernen. Die Natur jedoch kann mir nur sagen, dass es einen Gott gibt, aber nicht wirklich Gottes Charakter zeigen […] Ich stand zum Beispiel mal beim Skifahren auf einem Berg und dachte: Gott, du bist groß, du hast eine herrliche Natur geschaffen. Und dann fuhr ich beim Pitztaler Gletscher runter und hab gehört, es ging gerade eine Lawine ab und es ist einer verschüttet worden und der ist gestorben. Was denk ich jetzt? Denk ich jetzt: Gott, du bist aber brutal?! Gott kann mir in der Natur zeigen, dass es ihn gibt, aber ich erfahre nichts über seinen Charakter. Wenn ich in die Bibel schaue, dann erfahr ich, wie Gott ist. Und meine Motivation ist es, Bibel zu lesen, mit den Fragen: Gott, wie bist du? Was kann ich über dich lernen? Gott, wozu hast du mich geschaffen? Wie hast du mich geschaffen? Wer bin ich als dein Kind? All diese Antworten kann ich nur in der Bibel finden.

Ich behaupte also einfach mal, dass Bibellesen für Jesus-Nachfolger dazugehört. Ich behaupte, und da kommt dann nochmal ein anderes Bild ins Spiel, dass die Bibel für Christen sogar Seelennahrung ist. Die Frage ist dann nur noch: Wie genau ernähre ich mich eigentlich von diesem reich gedeckten Tisch? Und hier kommen wir nochmal zurück zum Thema «Jahresbibel». Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, als Christen ernähren wir uns eher einseitig, also wir lesen mal ein paar Bibelverse hier und da, vielleicht auch mal einen größeren Abschnitt. Warum schlagen wir nicht öfter zu bei diesem riesen Buffet, das die Bibel uns eigentlich bietet? Viele Leute sagen: «Ich bin einfach gestresst, da ist Fastfood besser als gar nichts zu essen.» Was ist dein Tipp für Menschen, die sagen: «Mir fehlt einfach die Zeit dafür!»

Ich glaube, das ist die Normalität für uns Menschen: Uns fehlt die Zeit für Gott. Gerade auf unsere heutige Gesellschaft trifft das zu. Ich habe erst vor kurzem verstanden, oder mir wurde erst erklärt, wie ein Kühlschrank funktioniert. Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Der Kühlschrank musste einfach funktionieren, mein Kirschjoghurt musste einfach kalt sein. Und als er letzten Sommer nicht mehr kalt war, haben wir uns halt einen neuen Kühlschrank gekauft. Aber jetzt habe ich mal verstanden, wie das geht. Ich dachte immer, da wird bestimmt irgendwie Kühle hinzugefügt, aber es ist andersrum: Dem Kühlschrank wird Wärme entzogen. Damit mein Kirschjoghurt also haltbar bleibt, muss das dem Kühlschrank entzogen werden, was ihn schlecht werden lassen würde. Und genauso merke ich, dass es so in meinem Leben ist. Um Gott kennenzulernen, muss ich meinem Alltag das entziehen, was mich davon abhält. Das funktioniert einfach nicht anders. Ich kann Gott nicht auf alles, was ich tue, noch mit oben drauf stülpen und denken, da wird schon irgendwo Platz für ihn sein. In der Bibel zu lesen ohne dafür Platz zu schaffen, das wird einfach nur stressig. Ich muss also die Dinge aus meinem Alltag rausnehmen, die mich davon abhalten. […]

Hoffnung für alle.
Die Jahresbibel für alle. Blue Edition.
Fontis-Verlag
1.472 Seiten
Bestellnr. 204419

Deutschland: https://www.fontis-shop.de/Die-Jahresbibel-fuer-alle-Blue-Edition
Schweiz: https://www.fontis-shop.ch/Die-Jahresbibel-fuer-alle-Blue-Edition

In der Rubrik BücherTALK vom Fontis-Podcast «Die literarische Hausapotheke» kommen Verlagsleiter Dr. Dominik Klenk und Lektorin Anne Helke mit Autorinnen und Autoren über Lesenswertes ins Gespräch.

«Fontis-Podcast: Die literarische Hausapotheke» anhören auf:

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