Fontis-Blog

Elisabeth Schoft: Zwischen den Stühlen

In der Zeit zwischen den Jahren fühlt es sich so an, als würde man zwischen den Stühlen sitzen: hin- und her gerissen zwischen Rückblick und Pläneschmieden. Elisabeth Schoft nutzt diese Aufbruchstimmung im Herzen für eine ehrliche Bestandsaufnahme. 
Die Zeit zwischen den Jahren gehört zu meinen liebsten. Es ist, als würde man zwischen den Stühlen sitzen. Das alte Jahr ist noch nicht ganz vergangen, das neue hat noch nicht ganz begonnen – ein paar Tage sind es noch. Ein paar Tage bis zum Jahresrückblick, bei dem ich das Jahr und seine Ereignisse Revue passieren lasse. Ein paar Tage bis zum Neuanfang. Bis zu den großen und guten Vorsätzen, von denen ich die meisten zwei Wochen später entweder schon wieder vergessen oder bereits gebrochen habe. In diesen Tagen „dazwischen“ herrscht in meinem Herzen Aufbruchstimmung. Obwohl es für Veränderung kein festgelegtes Datum braucht, ist der Jahreswechsel ein dankbarer Zeitpunkt dafür.
Entschlackung für Wohnung und Geist
Nach den kulinarisch und manchmal auch emotional vollen Weihnachtsfeiertagen nutze ich diese Tage gern für praktisches und geistiges „Detox“. Ich sortiere endlich das überquellende Bücherregal aus, trenne mich von unnützen Dingen und unterziehe meine Wohnung einem neujährlichen Großputz. Aber noch wichtiger als das geschäftige Um- und Ausräumen meiner Wohnung ist allerdings das Entrümpeln meines Herzens. An wem bin ich schuldig geworden im vergangenen Jahr? Wen habe ich zu Unrecht verurteilt? Welche Verletzungen habe ich mir bewahrt, welchen Groll pflege ich? Wo muss ich Vergebung aussprechen, wo sie empfangen? Welche Fehler vergebe ich mir selbst nicht – welche kann ich noch korrigieren? Welche Beziehungen muss ich pflegen, welche habe ich vernachlässigt? Es sind keine einfachen Fragen. Aber sie sind wichtig zu stellen. Noch wichtiger ist es, sie sich auch ehrlich zu beantworten.
Zwischen Euphorie und Ernüchterung
Auch mein geistliches Leben hat so eine ehrliche Bestandsanalyse des vergangenen Jahres verdient. Ich blättere dann in meinem kleinen Büchlein, in dem ich die Gedankensplitter notiere, die mir göttlich erscheinen. So fördere ich ein buntes Potpourri an geistlichen Einsichten zutage. Darunter sind einige Einsichten, die ich mehrmals lernen musste. In einigen Jahren scheint meine geistliche „Ausbeute“ und Erkenntnis größer zu sein als in anderen. Manchmal muss ich Wahrheiten noch einmal lernen, muss sie noch einmal erkennen. Manchmal geht es in Siebenmeilenstiefeln voran – manchmal habe ich das Gefühl, geistlich gesehen mit eben diesen Stiefeln im Schlamm festzustecken. Und ich habe gelernt: Das ist in Ordnung. Es kann im Leben nicht immer Höhenflüge geben – es braucht auch die Kamikaze-Flüge, die frustrierenden Mit-den-Stiefeln-im-Schlamm-feststeck-Momente, die Zeiten, in denen Gott nicht wahrnehmbar ist. Denn das sind meistens die Zeiten, in denen ich nach Gott suche, mich nach seiner Gegenwart sehne und mich bewusst in sie hineinbegebe. Und so tanze ich auch im geistlichen Sinne jedes Jahr den Drahtseil-Akt zwischen Euphorie und Ernüchterung. Das gute: Gott kann mit beidem umgehen.
Pläneschmieden
Mein liebster Part an den Tagen zwischen den Jahren ist das Pläneschmieden. Ich schreibe Listen mit Namen von Freunden, die ich besuchen will; mit Ländern, die ich bereisen will; mit Zielen, die ich erreichen will; mit Namen von Menschen, für die ich beten will. Listen mit guten Vorsätzen, die so konkret sind wie möglich – und gleichzeitig so idealistisch, so träumerisch und so großdenkend, dass sie aus eigener Kraft nicht schaffbar sind. Das großartige an Gott ist: Er ist ein Freund großer Träume und Pläne. Ein Gott, der einen alten Mann mitten in einer Dürreperiode eine Arche bauen lässt, ist wohl auch fähig, meine Liste gemeinsam mit mir abzuarbeiten. Vielleicht lächelt er auch in sich hinein und denkt sich: Ach Elli, vergiss deine Liste – ich habe noch viel Größeres mit dir vor. Nun denn: Hier bin ich und träume groß. Mach etwas größeres daraus, Gott!

 

Elisabeth Schoft arbeitet in der Marketing- und Presse-Abteilung von Fontis. Einen Neujahrsvorsatz hat sie schon gefasst: Jeden Tag mit den kurzen Impulsen und Gebeten aus dem Andachtsbuch „Am Ende des Tages“ ausklingen lassen.

 

 

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