Fontis-Blog

Einblicke in das moderne Israel

KitePride

Die Schweizer Autorin Tabea Oppliger, Leiterin des Sozialunternehmens KitePride/Tel Aviv, lebt mitten im Schmelztiegel. Im Aufstellbuch «Milch & Honig» entführt die energiegeladene Weltverbesserin in Wort & Bild an ihre persönlichen Lieblingsplätze und gewährt überraschende Einblicke ins moderne Israel, die den meisten Touristen verborgen bleiben.

Tabea Oppliger hat die Augen aufgemacht. Und das, was sie gesehen hat, hat ihr Leben verändert. Das erste Mal kam sie in Zürich mit Prostituierten in Berührung – und das wortwörtlich, denn sie hat sie als gelernte Physiotherapeutin massiert. Die meisten stecken in Zwangsprostitution fest und erlauben sich aus Schutz selbst nicht mehr, ihre Seele und ihren Körper zu spüren. Diese Begegnungen haben Tabea Oppliger betroffen gemacht.

Sie kann nicht länger die Augen verschließen und hat dafür das «leichte» Leben in der Schweiz aufgegeben. Heute lebt sie seit acht Jahren mit ihrer Familie in Israel. In einem Land, in dem ca. 14.000 Menschen von Zwangsprostitution betroffen sind und in moderner Sklaverei ausgebeutet werden. 2020 trat das sogenannte «Skandinavische Gesetz» in Kraft: Der Kauf von Sex ist in Israel nun strafbar. Im Schmelztiegel von Tel Aviv kämpft die in Papua-Neuguinea geborene Schweizerin nun dafür, dass Männer und Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen oder Opfer von modernem Menschenhandel geworden sind, einen Arbeitsplatz in einer sicheren Atmosphäre finden. Denn das ist ausschlaggebend für die Aussteiger: «Wir brauchen kein Mitleid, wir brauchen Jobs!», sagen sie selbst. Diese Arbeitsplätze werden im Israelischen Social Business «KitePride» geschaffen, das Tabea Oppliger gemeinsam mit ihrem Mann Matthias aufgebaut hat und leitet. Aus gebrauchten, aber qualitativ hochwertigen Materialien wie Kitesurf-Segeln, Yachtsegeln, Fallschirmen und Neoprenanzügen entwickeln und produzieren sie dort Taschen und Rucksäcke. Die sind nicht nur robust und widerstandsfähig, sondern auch ultraleicht. 

In diesem Upcycling-Prozess entsteht eine Symbiose: Aus dem Material, das die Gesellschaft als Müll und Abfall bezeichnet, entstehen in Handarbeit wunderschöne Taschen. Die wiederum werden von Menschen zusammengenäht, deren Leben sonst wahrscheinlich in ihrer eigenen Zerrissenheit geendet hätte. Das Zerschneiden der zu Beginn defekten Ware und das nachträgliche Zusammensetzen der Stoffbahnen zu trendigen Bags wird für einige von ihnen ein Spiegelbild für das eigene Leben. Darum heißt das Motto von KitePride auch «second wind for kites and people». 

Israel gilt als das Land, in dem «Milch und Honig fließen»; als die zum Blühen gebrachte Wüste. Tabea Oppliger trägt dazu bei, dass auch Menschen, deren Leben eigentlich nur noch wüst und leer war, neu aufblühen können. Und das tut sie nicht nur vor Ort mit KitePride – sondern auch in den sozialen Medien oder auf Konferenzen, wo sie als Sprecherin aktiv ist. Ihre auf-den-Punkt-gebrachten Gedanken und authentischen Eindrücke aus Israel regen zum Nachdenken an – und sind Teil des Aufstellbuches. In «Milk & Honey» entführt die energiegeladene Weltverbesserin in Wort und Bild an ihre persönlichen Lieblingsplätze. Dabei gewährt sie überraschende Einblicke in das moderne Israel – eines, das den meisten Touristen verborgen bleibt. Natürlich gehören zu Israel auch die Klagemauer und der Tempelberg, Kippas und Schläfenlocken, Religion und Nahost-Konflikt. Aber nicht nur. Denn mit mehr als 3.000 High-Tech-Firmen und Start-Ups ist das moderne Israel der perfekte Nährboden für innovative Unternehmen, für bahnbrechende Forschung, für künstlerische Freiheit und überwältigende internationale Küche. Das Aufstellbuch meistert einen Spagat: Es zeigt das «gelobte Land» in seiner ganzen Pracht und zugleich in seiner Verwundbarkeit. 

Tabea Oppliger
Milk + Honey
Fontis-Verlag 
56 Seiten
Bestellnr. 204213 

Deutschland: www.fontis-shop.de
Schweiz: www.fontis-shop.ch

In der Rubrik BücherREZEPT vom Fontis-Podcast «Die literarische Hausapotheke» stellt Elisabeth Schoft «beschreibungspflichtige» Bücher vor – also solche, die in deiner literarischen Hausapotheke nicht fehlen dürfen. 

«Fontis-Podcast: Die literarische Hausapotheke» anhören auf:

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