Fontis-Blog

Sprachverhunzung – Wie der Genderismus den Wörtern ihre Bedeutung raubt

fontis-verlag_2019-06_blog_dominik-klenk_cover_gender-sprachverhunzung

Der Turmbau zu Babel ging als „Sprachverwirrung“ in die Geschichte der Menschheit ein. Heute herrscht im deutschen Sprachgebrauch wieder Verwirrung. Der Genderismus hat es, finanziert von Kirchensteuern, bis in die Gesangsbücher der Kirchen geschafft: Darüber und über die Sprachverhunzung schreibt Fontis-Verlagsleiter Dominik Klenk.

Was man seit Babel „Sprachverwirrung“ nennt, war die heilsamste Sprachreform in der Geschichte der Menschheit: Gott setzte beim Turmbau dem totalitären Ein-Sprech humorvoll ein Ende. Der Drang, durch konstruierte Sprachwelten die Deutungshoheit über das Leben zu erlangen, hält allerdings bis heute an. Just eben tagte in Freiburg der 94. Esperantokongress, ein lauterer, doch erfolgloser Versuch, Ordnung ins weltweite Sprachgeschehen zu bringen. Seit 1887 halten die Esperanto-Jünger nun schon an ihrer Vision fest. Allerdings hat die Kunstsprache weder die Tragkraft, noch den Wurzelgrund, die Bedeutungstiefe lebendiger Sprache abzubilden.

Viel lohnender wäre es, dem Verlottern unserer Sprachkultur die Erneuerung von Denken und Reden entgegenzusetzen. Sprach- und kulturbildend wirkte die Kirche über 1500 Jahre. Jahrhunderte lang waren es die Klöster, in denen sich die zivilisatorische Kraft des Evangeliums sprachlich klar und rhetorisch brillant artikulierte. Später hat die Reformation wie keine andere Kraft im Lande zur Bildung eines mündigen Volkes beigetragen. Auf der Auslegung des „verdolmetschten“ Wortes standen die Dichter und Denker wie Zwerge auf den Schultern von Riesen. Nun, das war einmal.

Haben Feministen vor Jahren die Bibel in gerechte Sprache umgedichtet, brachte jetzt der Vollständigkeit halber die Hamburger Gruppe „Lesben und Kirche“ das Kirchentags-Gesangbuch auf Linie. Druckauflage 265.000 Exemplare. Finanziert aus Kirchensteuern. Wunderbare alte Choräle wie „Lobet den Herren“ sind geschlechtssensibel zu „Lobet die Ew’ge“ mutiert. Ungereimtheit und holpriges Versmaß kümmern die Gesinnungstäterinnen dabei kaum. Mit Kurt Tucholsky möchte man mahnen: „Wer dichten will, der täte gut, wenn er es so wie Goethe tut.“ Nach Dichtung steht der Geist der Sprachpolizei allerdings nicht, eher nach Dickicht: ein Gestrüpp von gendergerechten Umschreibungen wuchert über Gewerkschaften, Betriebsräte und Universitäten bis ins Kirchenlied. Die Sprachverwirrung bildet die Geschlechtsverwirrung wortreich nach. Durch den Gender_Gap, also durch Unterstriche oder *Sternchen, werden Signets für Identitäten jenseits des Mann-Frau-Schemas geschaffen. Kryptik ist erwünscht. Hinter dem Make-up der Gleichstellung zeigt sich die Fratze des Genderismus. „Sprachverhunzung“ nannte Thomas Mann den Kernimpuls brauner Ideologie. Auch im Regenbogenschillern bleibt Ideologie, was sie ist: Gewalt am Sprach- und Denkvollzug. Das Wissen darum ist alt wie die Menschheit: „Wenn Wörter ihre Bedeutung verlieren“, sagt Konfuzius, „verlieren die Menschen ihre Freiheit“.

Die Bibel ist das Buch der Bücher. Jesus Christus ist das Wort der Wörter. Die Revitalisierung der Sprache kann nur von dort her kommen, wo sie ihren Ursprung nahm: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden.“ (Johannes 1,1–3) Die Schöpfung ist ein Sprachwunder Gottes. Seine Worte sind Leben: Er ruft ins Leben. Jeden Tag neu. Die Selbstäußerungen von Kulturen, Generationen und Geschlechtern finden dort zueinander, wo uns der Heilige Geist selbstredend Christus als Mitte bezeugt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei idea spektrum.

Über den Autor

Dr. Dominik Klenk ist Verlagsleiter und Geschäftsführer bei Fontis in Basel. Der gelernte Journalist war früher Handballprofi, Consultant und Leiter der Kommunität „Offensive Junger Christen“. Zuletzt schrieb er den Bestseller „YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus.“

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on linkedin
Share on email

One Response

  1. Leserbrief zu:
    „Sprachverhunzung – Unser Reden zwischen Bibel und Babel“

    Sprachpflege für Gottes Wort in Menschensprache

    Als Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte, gab es noch keine deutsche Sprache, sondern nur deutsche Dialekte. Der Reformator wollte, dass alle Menschen selbst das Wort Gottes lesen können. Aber die Bibel in alle deutsche Dialekte zu übersetzen, kam ihm nicht in den Sinn. Die Lösung war vielmehr, eine gemeinsame deutsche Sprache zu schaffen. Er wählte dazu als Ausgangspunkt den mitteldeutschen Dialekt, denn der war selber schon eine Mischsprache, da die Bergbauarbeiter Mitteldeutschlands aus vielen Dialekten zusammenkamen und infolgedessen ihre Dialekte, um sich zu verständigen, einander anglichen. Außerdem stützte sich Luther bei seiner Sprachgestaltung auf Sprachformen, die die Kanzleien der Fürsten verwendeten, die ebenfalls bestrebt waren so zu schreiben, dass möglichst viele die volkssprachlichen Urkunden lesen konnten. Luther musste beim Bau der Sätze (Grammatik) und bei der Auswahl der Wörter immer Entscheidungen treffen, aus welcher lokalen Mundart er auswählte. Wir sehen also: Luther betrieb Sprachplanung. In vielen anderen Bibelübersetzungen in die Volkssprachen verlief es ähnlich.

    Sprachplanung ist keine Verhunzung, sie ist schlichtweg notwendige Sprachpflege. Seit es Menschen gibt, gibt es Sprache, und Sprache muss gepflegt werden, damit sie den Menschen dient. Sprachpflege ist ein fester Bestandteil einer jeden Kultur. Dem Neuhebräischen Israels (Iwrit) liegt die alte Sprache der hebräischen Bibel zugrunde, aber Wörter wie „Zeitung“ und Zigtausende anderer Wörter des modernen Lebens wurden in bewussten Entscheidungen aus anderen Sprachen ins moderne Iwrit aufgenommen oder aus alten Wörtern neu gebildet.

    Die Notwendigkeit, Sprache zu gestalten, gilt auch für den religiösen Bereich. Als die irischen, später englischen und danach fränkischen Missionare den Germanen Mitteleuropas das Evangelium verkündeten, fanden sie in der germanischen Sprache ihrer Zuhörer kein geeignetes Wort für „glauben“ vor, das das griechische Wort pisteuein und das lateinische credere angemessen wiedergeben könnte; sie wählten das Wort „geloben“, das das Treueverhältnis zwischen Herrn und Untertan ausdrückte. Durch die Annahme des Evangeliums entsteht ein Treueverhältnis zu Gott als dem Herrn.

    Durch diese Wortwahl verstanden die Neubekehrten am besten, worauf es bei der Annahme des Evangeliums ankommt. Das war Sprachschöpfung, um Gottes Wort in menschlicher Sprache deutlich zu machen. Aus „geloben“ wurde „glauben“ So ist das Wort „glauben“ im Sinn des Evangeliums neu geschaffen worden, während der Glaube selbst von Gott kommt.

    Man würde all den Verkündern des Wortes Gottes in der Christentumsgeschichte schwer Unrecht tun, wenn wir ihre sprachschöperische Arbeit mit Schimpfwörtern verhöhnen würden. Gott verkündet seine Frohbotschaft in menschlichen Sprachen.

    Esperanto ist heute Muttersprache in etwa tausend Familien weltweit. Hunderttausende von Menschen auf der Welt benützen diese Sprache täglich als Verkehrssprache. Viele Sprecher dieser Sprache lesen die Bibel in Esperanto. Nicht nur auf den jährlichen ökumenischen Esperanto-Treffen, sondern auch bei allen Deutschen Esperanto-Kongressen, so auch auf dem Treffen, das kürzlich zu Pfingsten in Freiburg stattfand, wird täglich ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, ein Abend- und/oder ein Morgengebet gebetet. Es existiert ein ökumenisches Gesangbuch mit 1000 geistlichen christlichen Liedern für solche Gottesdienste, die aus der Tradition von 13 verschiedenen Kirchen stammen.

    Und noch etwas: Sprachbrücken zu bauen, kann nicht gegen den Willen Gottes sein. Ganz im Gegenteil. Verständigung ist ein Wesensbestandteil für Frieden.

    Der Kongress in Freiburg hatte den Frieden zum Thema. Der Erkenntnis, dass Religionen sehr oft gegeneinander ausgespielt werden, um Kriege zu schüren (unter anderem damit Waffen verkauft werden können), trug der Freiburger Kongress Rechnung durch eine Podiumsdiskussion zwischen Gläubigen aus sechs Glaubensgemeinschaften, die alle ihr persönliches Bekenntnis ablegten und mit dem Publikum diskutierten: ein Katholik, ein Protestant, eine Muslima, ein Gläubiger der Bahai-Religion, ein Buddhist und eine humanistische Freidenkerin. Eine Jüdin diskutierte aus dem Publikum mit. Die Ernsthaftigkeit dieses Gespräches, natürlich auf Esperanto, war sehr beeindruckend. Die Seligpreisung Jesu: „Selig sind die Friedensstifter“ wurde hier zur gemeinsamen Grundüberzeugung.

    Die wachsende Literatur in Esperanto – jährlich erscheinen weltweit etwa 120 neue Bücher in dieser Verkehrssprache, Prosa und Poesie ebenso wie Sachbücher aus unterschiedlichen Fächern – zeigt, dass Esperanto nicht nur an Verbreitung und Anwendung, sondern auch an Tiefe zunimmt. 240 000 Artikel auf Esperanto sind in dem Online-Lexikon Wikipedia, dem heute wohl verbreitetsten Nachschlagewerk, enthalten. Hinter der Verbreitung von Esperanto steht die Überzeugung: Wir sind alle Menschen, gläubig ausgedrückt: Wir sind alle Gottes Kinder.

    Im Gegensatz zu den Sprachen, die sich durch die Macht von Kolonialherren verbreitet haben, war Esperanto von Anfang an ein Verständigungsmittel, in dem Menschen gleichberechtigt aufeinander zugehen.

    Alois Eder
    Gärtringen, Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.