Fontis-Blog

Dominik Klenk: Die Kunst des Bücherschreibens

Gute Texte provozieren, überschreiten Grenzen oder sie tragen zu einem besseren Verständnis bei, findet Dominik Klenk. Er hat sich zum Welttag des Buches und des Urheberrechts Gedanken über die Kunst des Bücherschreibens gemacht. 
Bücher sind dicke Briefe an gute Freunde. So jedenfalls beschreibt der katholische Volksschriftsteller Joseph Wittig die Passion der Schriftstellerei. Der schlesische Priester machte es sich mit seinen Büchern allerdings nicht gerade einfach, denn er schaffte sich mit seinen Texten nicht nur Freunde, sondern wurde vielmehr als Ketzer in der eigenen Zunft gehandelt und schlussendlich vom Klerus exkommuniziert. Das Schicksal Wittigs steht damit vielleicht exemplarisch für den Spagat der Schriftstellerei und ihrer Intention: Zur Hälfte Botschaft an die Freunde, zur anderen Hälfte Botschaft an die Feinde. Gute Texte provozieren und überschreiten Grenzen oder sie fassen längst auseinandergefallenes wieder zusammen und fügen diverse Puzzleteile wieder in einen Kontext, der besser verstehen lässt. In der Art und Weise des Puzzelns und des Zusammenfügens zeigt sich die Kunst des Schriftstellers: Findet er den richtigen Rahmen für die Geschichte? Kann er die Einzelteile so miteinander verbinden, dass etwas Überraschendes und doch stringentes entsteht? Schafft er es, Sichtweisen zu ermöglichen, die den Leser selbst zum Urteil befähigen? Kann er die Lampen anknipsen, in deren Licht sich der Leser selbst wiedererkennt? Für manche Autoren ist das Schreiben Passion, für andere eine Zumutung. Die Angst und der Stress vor dem leeren Blatt hat schon viele Aschenbecher gefüllt und Rotweinflaschen geleert. Und doch treibt die Frage, für wen der Autor schreibt, seine Botschaft immer wieder zu Höchstleistungen und zum Außergewöhnlichen. Darum entstehen Texte, von denen man meint, sie seien gerade für einen selber geschrieben. Und vielleicht hat Josef Wittig dann irgendwie doch Recht mit den Büchern und den dicken Briefen an die guten Freunde.

 

Dr. Dominik Klenk ist Verlagsleiter und Geschäftsführer bei Fontis. Der gelernte Journalist war früher Handballprofi, Consultant und Leiter der Kommunität „Offensive Junger Christen“. Zuletzt schrieb er den Bestseller „YOUBE. Evangelischer Jugendkatechismus.“

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