Fontis-Blog

BücherREZEPT: Die wilden Jahre der Mutter Teresa von Dresden („All you need is love“ von Sabine Ball)

© TAZ
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Sabine Ball gilt als «Mutter Teresa von Dresden», wo sie 1993 den Hilfsverein «Stoffwechsel» gründete. Am Ende ihres Lebens schrieb sie auf, welche Abenteuer sie zur Quelle ihrer Liebe führten: Weder als Millionärsgattin noch als Vollblut-Hippie fand sie Heilung. Doch dann zog Jesus in ihre Kommune ein …
BücherREZEPT: Die wilden Jahre der Mutter Teresa von Dresden („All you need is love“ von Sabine Ball)

BücherREZEPT: Die wilden Jahre der Mutter Teresa von Dresden („All you need is love“ von Sabine Ball)

Als ich ein Teenie war, vor ungefähr 15 Jahren, zeigte mir eine Freundin die Biografie einer Frau, die als «Mutter Theresa von Dresden» bekannt wurde und trotz ihres hohen Alters eine großartige und umfangreiche Straßenarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufbaute. Ich wusste nicht viel über Sabine Ball, und doch hat mich beeindruckt, dass der Siebzigjährigen Teenies so am Herzen lagen. Sie gründete den Verein «Stoffwechsel», der diese Arbeit bis heute in Dresden fortführt.

2009 ist sie gestorben. Erst jetzt, elf Jahre später, erscheint «All you need is love» – ein Buch, dass vor allem ihre wilden und frühen Jahre in den USA beschreibt. Das Manuskript hatte sie gemeinsam mit einer Freundin und Autorin größtenteils abgeschlossen – nun wurde es von Sabines Familie und Freunden beendet.

Was brachte eine Siebzigjährige dazu, auf Rockkonzerte zu gehen und Jugendlichen in ihr «Café Stoffwechsel» einzuladen? Wieso besuchte sie oft als einzige «ihre Jugendlichen», wenn sie im Gefängnis saßen? Aus Liebe. Und um ihnen von dem Leben, das sie einst gelebt hat, zu erzählten: Wie sie immer versucht hat, mehr zu erreichen, und wie sie sogar das Leben einer Multimillionärin gelebt hat. Sie berichtet von der Leere, die sie empfunden hatte, obwohl sie alles besaß. Und dass Gott diese Leere schließlich gefüllt hat.

Sabines Geschichte beginnt in Königsberg, im damaligen Preußen. Sie wächst in einem behüteten und wohlhabenden Elternhaus auf. Als der Krieg Preußen erreichte, wird sie als 19-Jährige mit ihrem Bruder nach Dresden zu Bekannten der Eltern geschickt. Was als Schutz gedacht war, entpuppte sich durch die Bombardierung Dresdens 1945, die sie in einem Luftschutzkeller miterlebte, zum Desaster. Vier Jahre nach Kriegsende immigrierte sie in die USA. Dort arbeitete sie zunächst als Kindermädchen, studierte dann Hotelmanagement in der Abendschule und fand in einem schicken Hotel in Florida Arbeit. Sehr schnell fand sie Zugang zu der High Society – sie war ein beliebter und gern gesehener Gast auf Partys der Reichen und Schönen. Schließlich heiratete sie sogar den Sohn eines Multimillionärs – geblendet vom Reichtum und der Sicherheit, die diese Heirat mit sich brachte. Nach zehn Jahren Luxusleben war die Ehe allerdings am Ende. Mit ihren zwei Söhnen zog sie nach Kalifornien, wo sie die Hippie-Kultur kennenlernte. Später kaufte sie ein Stück Land, um eine Kommune für Hippies zu gründen – ursprünglich mit dem Bestreben, sie auf der Suche nach dem Sinn im Leben zu begleiten und ihn auch für sich zu finden. Diesen Sinn suchte sie auch auf einer abenteuerlichen Reise nach Indien und Nepal, wo sie drei Monate in einem Kloster zu innerer Ruhe und Erleuchtung finden wollte – aber nicht gefunden hat. Zurück im Hippie-Land bemerkte sie, dass einige «ihrer Hippies» Christen geworden sind. Schließlich bekehrte sich auch Sabine als «Hippie-Mutter». Damit veränderte sich auch der Wind, der in der Hippie-Kommune wehte.

In ihr brennte ein neues Feuer: Anderen Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen. Besonders Straßenkinder schloss sie auf ihrem Missionseinsatz in New York ins Herz. Und so wagte sie 47 Jahre nach ihrer Flucht aus Dresden in der gleichen Stadt einen Neuanfang. Das war 1993, nur ein paar Jahre nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands.

Was als einjähriger Abstecher geplant war, wurde zu ihrer letzten Lebensstation. Insgesamt sechszehn Jahre lang baute sie eine Kinder- und Jugendarbeit auf, für die sie später mehrfach ausgezeichnet wurde. Dazu gehört der ursprüngliche Second-Hand-Laden «Stoffwechsel», Kinder- und Jugendtreffs, ein Abenteuerspielplatz und Wohngemeinschaften für jugendliche Straftäter und ehemalige Drogenabhängige.

Ralf Knauthe, der heute die Arbeit von Sabine Ball fortführt, sagt:

«Sie sah zuerst die Schönheit Gottes in ihnen und nicht den «Schmutz» an ihnen. Sie konnte dies tun, weil sie aus eigener Erfahrung wusste, was durch Gottes Liebe möglich ist».

Er schreibt im Nachwort zum Buch: «Bis zum Alter von 46 Jahren hatte Sabine nach dem Sinn des Lebens gesucht – bis die Liebe Gottes sie fand. Diese Liebe verwandelte ihr Leben von einer Sucherin nach ihrem eigenen Glück zu einer Finderin, die jetzt selbst nach Menschen suchte, mit denen sie dieses gefundene Glück teilen durfte.»

Gott machte also aus der ehemaligen Multimillionärin die Mutter der kalifornischen Hippies und dann die Mutter der Dresdner Straßenkinder.

Wenn Sabine Ball ihre Bücher signiert hat, dann setzte sie immer «Gott ist Liebe» darunter. Und das drückt auch aus, wie Sabine gelebt hat und wofür sie bekannt war: Gott ist Liebe.

 

Sabine Ball
All you need is love
Fontis-Verlag 
256 Seiten
Bestellnr. 204207

Deutschland: https://www.fontis-shop.de/All-you-need-is-love-1
Schweiz: https://www.fontis-shop.ch/All-you-need-is-love-1

In der Rubrik BücherREZEPT vom Fontis-Podcast «Die literarische Hausapotheke» stellt Elisabeth Schoft «beschreibungspflichtige» Bücher vor – also solche, die in deiner literarischen Hausapotheke nicht fehlen dürfen. 

«Fontis-Podcast: Die literarische Hausapotheke» hier anhören:

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