Fontis-Blog

Dank Patenschaft vom Viehhirten zum Erzbischof

Where Are They Now – Jackson Ole Sapit, Kenya

Wo Jackson aufwuchs, entscheiden Kraft, Stärke und Härte über Leben und Reichtum. Als Maasai-Junge lernte er, sein Vieh und sich gegen Löwen und Elefanten zu verteidigen. Er lernte, hart zu sein und Schmerzen auszuhalten. Dank einer Patenschaft durch die Kinderhilfsorganisation World Vision nahm sein Leben eine unvorstellbare Wendung.

Bei einem Besuch in seinem ehemaligen Dorf erinnert sich der heutige Erzbischof von Kenia an viele Begebenheiten seiner Kindheit: Wie er als mittelloser Junge das Vieh hütete, in einer großen Gemeinschaft aufwuchs und zur Schule ging. Als World Vision in sein Leben kam und Jackson mit elf Jahren Patenkind wurde, öffneten sich Türen zu ungeahnten Möglichkeiten, zu Wissen und neuen Chancen. «Alles, was ich heute bin, kann ich darauf zurückführen, dass ich ein World Vision-Patenkind wurde» erzählt Jackson und ergänzt: «Ich bekam nicht nur eine Schuluniform und meine Schulgebühren wurden bezahlt. Schnell merkte ich, dass Bildung eine Schlüsselrolle im Leben spielt.» 

Jackson in der Schule, auf die er durch Wald Vision gehen konnte.

Jackson las gerne und seine Noten waren so gut, dass er die High School besuchen konnte. Nach deren Abschluss begann er zunächst als Viehhändler zu arbeiten. Eines Tages kam eine Missionarin ins Dorf und baute eine Gesundheitsstation für die Maasai auf. Sie brauchte jemanden, der Englisch verstand und für sie übersetzen konnte – bei den Gesprächen mit den Patienten genauso wie für ihre Predigten. Jackson übernahm diese Aufgabe und übersetzte Bibeltexte und Predigten aus dem Englischen in die Sprache der Maasai. Bald konnte er selbst über das Christentum sprechen und Geschichten aus der Bibel erzählen. Dennoch: Für ihn war es nur ein Job – er wiederholte, was ihm gesagt wurde. 

Die Lebenswende

Doch eines Tages veränderte sich Jacksons Leben erneut: Bei einem längeren Fußmarsch machte er Rast in einem Wald und beobachtete eine Spinne, die in den Zweigen ihr Netz neu baute. Er verglich sein Leben mit dem zerrissenen Spinnennetz. Er erkannte sich als Menschen, dem es sehr schlecht ging, dessen Leben zerrüttet war und der kein Ziel hatte, auf das er sich freuen konnte. Eine Bibelstelle kam ihm in den Sinn, Matthäus 11,28: «Kommet her alle zu mir, die ihr mühselig und beladen sei; ich will euch erquicken.» Und er begann zu beten und Jesus zu bitten, ihn von all seinen Lasten zu befreien und sein Leben zu ändern. Schon während des Gebetes konnte er eine Veränderung spüren: «Ich fühlte mein Blut wärmer werden. Ich konnte sogar mit geschlossenen Augen ein Licht sehen. Dann öffnete ich die Augen und begann zu singen, Lobgesänge auf Gott.»

In den nächsten Tagen dachte er über seine Zukunft nach, darüber mehr Verantwortung zu übernehmen, seiner Mutter und Schwester zu einem besseren Leben zu verhelfen. Und er begann, sich für andere einzusetzen: Er beriet Bauern in der Land- und Viehwirtschaft, baute eine Maasai-Schule auf und gab Alphabetisierungskurse für Erwachsene. Seine Energie und seine Arbeit beeindruckten seinen Pfarrer, der ihn dazu ermutigte, Theologie zu studieren. 1991 machte Jackson seinen Abschluss, wurde ein Jahr später zum Priester geweiht und 2005 zum Bischof der Diözese Kericho ernannt. In der anglikanischen Kirche stieg er dank seiner Leistungen und seines Einsatzes rasch auf – bis er 2016 zum Erzbischof von Kenia gewählt wurde. Heute steht er 47 Bischöfen vor, die 42 Diözesen in Kenia mit insgesamt fünf Millionen Anglikanern leiten. Der Erzbischof spielt außerdem als Berater eine Schlüsselrolle im politischen und zivilen Leben Kenias.

Patenschaft im Rückblick

Im Rückblick kann er heute sagen: «Die Patenschaft machte es mir möglich, der zu werden, der ich heute bin, Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Kenia, und das Leben anderer Menschen zu verändern. Das wäre nicht möglich gewesen ohne meinen Paten und dafür bin ich für immer dankbar.»

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