Fontis-Blog

Birgit Kelle: Muttertag

Muttertag steht vor der Tür. Wir haben unsere „Muttertier“-Expertin Birgit Kelle gefragt, woran sie sich an diesem Tag besonders gerne erinnert.

 

Schon wieder droht der Muttertag und mit ihm die Frage: Ist er noch zeitgemäß? Im vergangenen Herbst ereilte uns aus dem gendersensiblen Finnland nicht ohne Grund die Nachricht, dass dort beispielsweise der Vatertag in manchen Kindergärten abgeschafft wird, weil bei einer Scheidungsrate von 50 Prozent zunehmend Kinder ohne Vater großwerden, und die wolle man nicht „traumatisieren“ durch Vatertags-Basteln.

Da könnte man analog auf den Gedanken kommen, was denn mit jenen Kindern ist, die am Muttertag ohne Mutter sind, weil sie beim Vater leben oder in einer „bunten Regenbogenfamilie“ mit zwei Müttern oder zwei Vätern. Die Verwandtschaftsverhältnisse werden ja zunehmend unübersichtlich in Zeiten, in denen es heißt, Mutterschaft sei nur eine soziale Rolle, die von jedem ausgeübt werden könne, der gerne Mutter sein möchte. Und da gilt die Mama im Sinne moderner Reproduktionsmedizin auch gern als ersetzbar durch zwei Männer. Irrer Weise zieht diese Argumentation bei den gleichen Leuten ja nicht, wenn wir über Frauen in DAX-Vorständen reden. Dort würde es garantiert den nächsten Aufschrei verursachen, würde man den Damen Feministinnen erklären, dass eine Frau im Vorstand locker mit zwei Männern wettgemacht werden kann.

Wofür der Muttertag heute noch gut ist

Muttertag, er ist gut, um daran zu erinnern, dass da noch mehr ist, was Mütter leisten, als einfach nur ihren Bauch als Brutkasten zur Verfügung zu stellen. Ein guter Tag, um daran zu erinnern, wie paradox es ist, dass die Politik davon redet, die Geburtenrate erhöhen zu wollen, gleichzeitig aber zusieht, wie immer mehr Geburtskliniken schließen, weil es sich medizinisch nicht „lohnt“ und zu viele Kosten bei den Kliniken verursacht. Geburtsort: „Taxi“ wird sich demnächst in den Geburtsurkunden etablieren.

Muttertag, ein guter Tag, um zu erinnern, dass der Beruf der Hebammen gefährdet ist, aus den gleichen finanziellen Gründen. Die Versicherungen erhöhen stetig die Kosten für diesen Berufszweig, was zu Engpässen in Krankenhäusern und Geburtshäusern führt. Sarkastisch könnte man anfügen: Wenn die Geburtsstationen abgeschafft werden, dann sind ja logischerweise auch die Hebammen überflüssig.

Wir alle sprechen Muttersprache

Muttertag, ein guter Tag, um daran zu erinnern, dass wir alle in unserer „Muttersprache“ sprechen, weil unsere Mütter uns in aller Regel das Sprechen beigebracht haben. Ein Wort das nicht nur in der deutschen Sprache, sondern auch in zahlreichen anderen Sprachen und Kulturen verwendet wird. Es ist eine großartige Kulturleistung, das Mütter seit Jahrtausenden die nächste Generation sprachfähig machen. Wer dankt es ihnen? Wer würdigt das? Stattdessen arbeiten nicht wenige daran, die Kindheit vom heimischen Küchentisch auf das Kitastühlchen zu verlegen. Dass die „Kitasprache“ die Muttersprache nicht ersetzen kann, zeigt sich bereits jetzt mit schlechten Vorahnungen.

Muttertag, ein guter Tag, um daran zu erinnern, dass die meisten Mütter, gerade jene mit vielen Kindern und jene, die sich viele Jahren Zeit nehmen, ihre Kinder selbst zu erziehen, von Altersarmut bedroht sind. Da kann sich die Politik noch so sehr rühmen, die „Mütterrente“ eingeführt zu haben, denn was hier ausgezahlt wird, ist eine familienpolitische Nebelkerze. Nach wie vor werden nämlich jene Eltern durch unser Rentensystem bestraft, die die Generation der Rentenzahler von morgen groß ziehen, weil sie in den Augen der Gesellschaft „nicht arbeiten“, das gilt genauso für Väter, die sich um die Kinder kümmern. Wir reden von dem bedrohlichen, demographischen Wandel, belohnen aber fiskalisch die Kinderlosigkeit, statt den Kinderreichtum. So wird das nie was.

Mütter schenken Leben

Muttertag, ein Tag, der also politisch einerseits ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, persönlich aber eine Atempause zwischen Wäschebergen, Elternabenden und aufgeschlagenen Knien. Lasst uns also an die Mütter denken. Auch wenn sie manchmal nervtötend sind und anstrengend. Wir haben sie uns nicht ausgesucht. Sie uns aber auch nicht. Und dennoch lieben sie uns bedingungslos, egal wie und was wir sind. Wir wurden einander an die Seite gestellt, um das Beste daraus zu machen. Mütter, sie haben uns das Leben geschenkt. Ohne sie wären wir nicht auf der Welt. Zeit einmal „Danke“ zu sagen.

 

MUTTERGLÜCK: Das Vorwort aus Birgit Kelles Buch „Muttertier“ finden Sie hier.

Über die Autorin

Birgit Kelle wurde 1975 in Siebenbürgen/Rumänien geboren und ist Journalistin, Publizistin und Mutter von vier Kindern. Zuletzt erschien 2017 von ihr «Das Muttertier» bei Fontis.

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