Fontis-Blog

Backstage: Christliche Bücher und die Preispolitik dahinter

Aus dem Lektorat

Wenn Sie an dem Schaufenster einer säkularen Buchhandlung in Ihrer Stadt vorbeilaufen und die Preise jener Bücher studieren, wird Ihnen bald auffallen: Die sind fast durchs Band etwas höher und also teurer als die, die Sie von christlichen Büchern gewohnt sind. Manchmal sogar massiv teurer. Da kostet ein Roman, Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, schnell mal 6 oder 7 Euro bzw. 10 Franken mehr als sein christliches Pendant in derselben Aufmachung. Ich hörte die Frage schon oft: «Hat das denn einen Grund?» Und: «Wäre es nicht sinnvoll, wenn ihr bei Fontis eure Bücher ebenfalls teurer verkaufen würdet? Es ginge euch doch dann viel besser! Und all eure monetären Probleme wären auf einen Schlag gelöst!» Das mag ja stimmen. Aber es geht nicht. Und der Grund ist eigentlich ein sehr schöner. Denn als christlicher Verlag haben wir ein Zielpublikum vor uns, das jeden Monat viel vom verdienten Geld weitergibt. Viele nennen es «den Zehnten», andere nennen es «Spende», «Zuwendung», «Support» oder «Unterstützung».

Ich glaube, das gibt es nur im christlichen Bereich in diesem Ausmaß: dass man nämlich jeden Tag mit einem Zielpublikum und einer Klientel zu tun hat, die sehr viel von dem Geld, das sie für Freizeitgestaltung und Kultur zur Verfügung hätte, lieber in Hilfsgeldzahlungen investiert und selbstlos andere Projekte und Werke mitfinanziert. Eigentlich eine schlichtweg großartige Sache!

Ein Zweites kommt hinzu: Christen sind eindeutig eine (selbst-)kritische, selbstreflektierte, beim Kaufen kopfgesteuerte und immens kostenbewusste Klientel, die den ersten emotionalen Kaufgelüsten bewusst nicht zu viel Raum geben will. Viele stellen sich vor dem Kauf von Medien, Kleidern, Schuhen, Reisen und Gegenständen selber ausdrücklich die Frage: «Jetzt mal ehrlich: Brauche ich das wirklich? Ist es richtig, wenn ich Geld dafür ausgebe? Oder verlangen andere Dinge meine finanzielle Aufmerksamkeit und meinen Support nicht noch viel, viel mehr?» Auch das ist de facto eine wunderschöne Geschichte, und wir christlichen Verleger sind uns dessen bewusst und gleichen auch hier unsere Verkaufspreise an die gegebenen Voraussetzungen an.

Ein Drittes ist übrigens auch wahr: Viele Christen arbeiten bewusst in pflegerischen, sozialen oder seelsorgerlichen Berufen – etwa als Jugendarbeiter oder Krankenschwestern – und sind bereit, zugunsten ihres sozialen Engagements auf große Löhne zu verzichten und persönlich zurückhaltend und bescheiden zu leben, so dass die vorhandenen Resourcen für alle reichen. Auch daran denkt man bei der Preisgestaltung der christlichen Bücher. (Übrigens, fast hätte ich es vergessen: Auch christliche Verleger und Verlagsmitarbeiter geben sich aufgrund ihrer Passion selbst keine allzu hohen Löhne und verzichten auf das Lohnniveau der Verantwortlichen aus säkularen Verlagshäusern, damit die Ausgaben im Lot bleiben.)

Und als Viertes denken wir an dieses: Wir wissen, dass viele Christen von einem Buch drei, vier, fünf oder sogar noch mehr Exemplare kaufen. Weil sie vom Inhalt so überzeugt sind, dass sie das betreffende Buch an Freunde, Bekannte und Verwandte weiterverschenken wollen. Wir täten ihnen keinen Gefallen, wenn diese Bücher zu teuer wären. All das haben wir also im Hinterkopf. Und setzen deshalb bewusst «kulante Preise» unter unsere Bücher, so dass sie auch für möglichst viele Leserinnen und Leser erschwinglich sind. Man kann uns eigentlich nur mit einem so richtig, richtig, richtig weh tun: Wenn man uns dann (wie das pro Jahr so zwei bis drei Mal geschieht) einen geharnischten Brief schreibt und uns mit teils frommen, teils heftig unterirdischen Worten zynisch fragt, weshalb unsere Bücher denn nicht «zur Ehre Gottes» alle völlig gratis seien und warum wir in unserem ollen Verlag eigentlich nicht ganz ohne Geld leben und produzieren könnten … Na, das ist dann aber wieder ein ganz anderes Thema! (Smile / Seufz / Hüstel / Schluck.) – Bleiben Sie fröhlich. Und: Stay tuned!

Herzhaft: Christian Meyer, Abteilungsleiter Fontis – Brunnen Basel

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