Das Kirchenjahr: Pfingsten

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Johannes 14,23-27; Psalm 118,24-29

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sacharja 4,6)

Mit diesem Sonntag wird die Osterzeit abgeschlossen. Mit der Sendung des Heiligen Geistes wird das österliche Geheimnis erfüllt: der Auferstandene ist der Gegenwärtige.

Israel hatte eine lange Geschichte mit schweren und mit großartigen Erfahrungen. Aber die Erinnerung an vergangene Tage trägt nicht im Alltag. Israel hatte auch prima Gaben: das Land, die Priester und Propheten, die Tradition und den Kultus und über allem den Zuspruch Gottes: ihr seid mein Augapfel. Aber auch das allein hat nicht getragen.  Nun sitzen sie im Exil, in der Fremde und der Verlorenheit. Und mittendrin einer, der das verheißene Land nur vom Hörensagen kennt. Er kennt die alten Wundergeschichten um Auszug und Landnahme, um David und Goliath, um Salomo und seinen Tempelbau. Aber die Zeit in die er hinein geboren wird ist eine andere: der Tempel ist zerstört, das Land der Verheißung verwüstet und die, die da eigentlich hin gehören sind im Exil. Eben dort wird er geboren und man gibt ihm den Namen Sacharja. Das bedeutet: Jahwe erinnert sich – so was wie: denk daran, du bist nicht vergessen – Gott denkt an dich!

Ob ihn dieser sein Name zu solch einem mutigen Führer des Wiederaufbaus hat werden lassen? Zu einem, der sah, als es noch nichts zu sehen gab und was andere längst noch nicht sahen? Zu einem Mann der Hoffnung und Zukunft?

Unser Wochenspruch wurde sein Leitmotiv. Und über ihn hinaus zu dem der ersten Christenheit. Auch sie fühlten sich verlassen und waren verunsichert. Und auch sie erlebten an Pfingsten: wir sind nicht vergessen. Das Kommen des Geistes bedeutet den nahen Gott!

Bis heute ist es so: nicht durch Heer oder Kraft sondern durch meinen Geist – nicht durch das Menschenmachbare sondern durch Gottes wundersames Wirken – nicht durch Machen sondern durch Empfangen – nicht durch die Macht menschlicher Verfügbarkeit sondern durch das Vertrauen auf göttliche Unverfügbarkeit zu unseren Gunsten bricht Gottes neue Zeit an! Nie sind es die Masse oder die Stärke, immer ist es Gottes Geist und in ihm Gottes gemeinschaftliche Gegenwart.

Darum entsteht wo der Geist kommt auch Kirche. Und so ist es bis heute: wo der Geist ist, da ist Kirche. Wo der Geist Gottes weht geraten Menschen in Verbundenheit zueinander. Das ist der große ökumenische Horizont dieses Festes!

Bis heute gilt der Wochenspruch als Zuspruch und Leitspruch: verlass dich auf Gottes Geist. Strecke dich aus nach seinem Geist – ohne den alles nichts ist, mit dem aber alles Zukunft hat! Darum stimme ein in den Gebetsruf der frühen Kirche: „veni creator spiritus“ – Komm, Schöpfer Geist! Denn: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Impuls: Klaus Sperr