Das Kirchenjahr: Oculi

Lukas 9,57-62; Psalm 34,16-23

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Die Menschen, die im Evangelium zu Jesus kommen, sind mir grundsympathisch. Sie sind bereit zur Nachfolge: „ich will!“ Das klingt gut. Solchermaßen entschlossene Christen braucht diese Welt. Aber Vorsicht: Nachfolge ist Jesusstil, meint Leben wie Jesus: weg vom gemütlichen sicheren Himmel, auf die Erde ins Risiko und hin zur Passion. Nachfolge fordert die Konzentration aufs Wesentliche.

Natürlich geht es hier nicht um einen Verhaltenskodex in Sachen Beerdigung. Das ist nur ein zugespitztes Beispiel: sogar das Wichtigste kann nötigenfalls Unwesentlich werden. Und dazu dieses landwirtschaftlich so einleuchtende Bild vom Pflug. Gerade Furchen kann man nur ziehen wenn man nach vorne sieht – nur wenn man das Ziel fest im Blick hat kann man es auch erreichen! Gute Absichten werden da nicht genügen.

Wem gilt mein Augenmerk? Dem Rückblick? Der Tradition? Dem geprägten festgelegten Denken über Gott und die Welt? Den Verletzungen oder Erfahrungen? Den Erfolgen oder Misserfolgen? Dem Versagen oder der Sünde? Ebenso wenig wie man mit dem Auto vorwärts mit stetigem Blick in den Rückspiegel unfallfrei fahren kann, ebenso wenig geht das in der Nachfolge, dem Leben mit und für Gott.

Wem gilt mein Augenmerk? Der Umsicht? Also dem Blick nur auf mich? Auf meine Gabe oder meine Schwächen? Auf meine Rahmenbedingungen oder meine Grenzen? Wer nur mit sich selbst beschäftigt ist, entdeckt die Chancen Gottes nicht!

Wem gilt mein Augenmerk? Dem klaren Blick nach vorne? Nicht dass das so leicht wäre, das Evangelium deutet es an. Da geht es um Bereitschaft und Einsatz, um Hingabe und Mühe, um Kosten und Wunden und Risiko … da muss man anpacken und zupacken … gute Furchen machen durchaus Mühe.

So darf ich mich fragen: zu was will ich mit meinen Lebensjahren geschickt sein? Im Sinne von begabt: wo sind meine Pfunde mit denen ich wuchern könnte? Auch im Sinne von gesandt sein: wo könnte mein Auftrag liegen? Und sogar im Sinne von sich in etwas schicken: was will ich zu meinem machen?

Bei alledem gibt es eine klare Blickrichtung: Oculi – „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Nicht auf Furche und Ertrag. Nicht auf Mühe und Leistung. Meine Augen sehen auf meinen Herrn! Er ist der Initiator und das Ziel aller Nachfolge! Darum: Zukunft statt Herkunft, Hoffnung statt Resignation, Erwartung statt Vergangenheit … so wird man geschickt! Mein Augenmerk will IHM gehören: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

Impuls: Klaus Sperr