Das Kirchenjahr: Letzter Sonntag des Kirchenjahres

Matthäus 25,1-13; Psalm 126

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lukas 12,35)

Von alters her ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr der Ewigkeitssonntag. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hat 1816 per Kabinettsordre den Totensonntag daraus gemacht. So ist es auch ein Gedenktag der Entschlafenen, aber unter dem deutlichen Horizont der Ewigkeit! Wie das zu verstehen ist, verdeutlichen katholische Christen. Sie nennen den Tag Christkönigsfest. Ewigkeit ist nicht unaufhörlicher Stillstand aller Uhren, gleichsam traumhafte Zeitlosigkeit, sondern sie ist dort wo Christus der König ist und als solcher gefeiert wird. Darum heißt die Einladung dieses Tages und dieser Woche: Mit dem König unterwegs nach Hause.

Das Bild ist das des Aufbruchs. Wer in alter Zeit seine Lenden gegürtet hat, der hat sein langes Gewand nach oben gerafft und mit einem Gürtel zusammen gebunden. So konnte man deutlich besser gehen. Wer sein Licht brennend hatte war bereit für das Hochzeitsfest. Der Bräutigam war in der Dämmerung des Abends aufgebrochen, hat seine Braut abgeholt und nun, auf dem Weg der Heimführung, konnten alle, die mit ihren Lichtern am Wegesrand standen, mit aufs Fest. Beide Bilder signalisieren also die Bereitschaft zum Aufbruch. Umgürtete Lenden und brennende Licht signalisieren: ich bin startklar. Es kann losgehen.

So könnte ich fragen: wie steht es mit meiner Bereitschaft? Oder: wie ist man überhaupt bereit? Die Antwort: bereit ist man durch Erwartung. Wenn man den Aufbruch erwartet ist man bereit. Im Blick auf die Ewigkeit heißt das vor allem Loslassen. Denn wer festhält, der wird gehalten. Loslassen der Sorgen und Ängste, der Wünsche und Sehnsüchte. Loslassen heißt nicht aufgeben sondern freigeben und Gott anvertrauen.

Loslassen und Zugreifen kann nur, wer Zeitliches und Ewiges unterscheiden kann. Ich darf das Zeitliche segnen im Empfangen dessen, was Gott mir schenkt und Ergreifen dessen, was er durch mich anderen schenken will.

Loslassen und Zugreifen kann nur, wer jetzt nicht auf Dauer setzt. Ich muss das Zeitliche nicht ewig machen. Wenn Gott daraus einen ewigen Segen machen will, genügt das vollauf. Darum bin ich eingeladen, nicht so zu leben als wäre alles Irdische ewig. Darum: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

 

Impuls: Klaus Sperr