Das Kirchenjahr: 9. Sonntag nach Trinitatis

Matthäus 25,14-30; Psalm 40,9-12

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48)

Im Wochenspruch wie im Evangelium von den anvertrauten Zentnern geht es um kluge Haushalterschaft. Diese beginnt bei den einem jeden geschenkten Gaben und wendet sich einhellig gegen jede Art von Sicherheitsdenken, Risikoscheu, Besitzstandswahrung oder Verlustängste. Dies alles wäre den Gnadengaben Gottes nicht angemessen.

Angemessene Haushalterschaft weiß: jedem ist etwas gegeben. Da geht es um Gaben und Talente, um erworbene Fähigkeiten und anvertrautes Gut, um Erfahrungen und Berufungen. Wer sein Leben von Gottes Geben her denkt und lebt, der nimmt es als eine Schatzkammer wahr. Denn was in unseren Worten „etwas gegeben“ heißt, spricht Jesus als „viel gegeben“ aus. Etwas hört sich wie Trost an, viel wie Zuversicht!

Angemessene Haushalterschaft weiß auch: alles Gegebene ist mir anvertraut. Da geht es um Besitz und nicht um Eigentum. Da geht es um Gaben zur Verwaltung, zum Dienst, zur Vervielfältigung, zum Segen. Immer wenn Gott mich beschenkt, denkt er damit an mich und an andere. Wo er mit etwas anvertraut, da traut er mir damit auch etwas zu! In jeder Gabe steckt sein Vertrauen in mich, ich werde damit zu seinem Vertrauten! Deshalb sind Gaben immer auch Aufgaben. Und jede Gabe hat eine doppelte Aufgabe. Zum einen die nach außen: anderen soll damit gedient werden. Gaben sind Geschenke, die durch mich hindurch gehen wollen, sie machen mich reich um auch meinen Nächsten damit zu bereichern. Und zum anderen ist die Aufgabe der Gabe nach innen hin gerichtet: ich soll dadurch geformt werden. Bei mir sollen Herzensbildung und Charakterformung gefördert werden. So dass Sorgfalt und Leidenschaft sich in mir vermehren können.

Und schließlich weiß angemessene Haushalterschaft: Gott sucht bei mir nur das mit Anvertraute. Er sucht nie mehr als er finden kann. So muss ich nicht vergleichen sondern kann im Einklang mit dem meinen mich als Beschenkten sehen und damit dienen. Es geht nicht um viel oder wenig, es geht allein um das was mir geschenkt ist und was ich damit anfange. Nicht Leistung aber Achtsamkeit ist gefordert – es geht nicht um Erfolg wohl aber um Segen. Die Quellen von Taizé drücken es so aus: „Zählst du zu den Menschen, die durch ihr Teilen mit ganz geringen Mitteln froh machende Hoffnung entfachen?“ Denn einem angemessenen Haushalter Gottes gilt: Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.

Impuls: Klaus Sperr