Das Kirchenjahr: 6. Sonntag nach Ostern

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Johannes 15,26-16,4; Psalm 27,1.7-14

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

Wir sind am letzten Sonntag im Osterfestkreis angelangt. Er steht zwischen dem Fest der Himmelfahrt Christi und Pfingsten. So ist der Sonntag Exaudi ein Brückentag. Zwischen Ostern und Pfingsten, zwischen der Auferstehung Christi und der Ausgießung des Heiligen Geistes, zwischen dem Abschied der Jünger von ihrem Meister und der Ankunft des Geistes, der sie bevollmächtigen und senden wird: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und meine Zeugen sein“.

Als Brückentag ist er ein Sonntag der Verheißung. So klingt es im Wochenevangelium an: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.“ Jesu Abschiedswort an seine Jünger ist ein Wort der Verheißung. Er haut nicht einfach ab und lässt sie mit leeren Händen zurück. Verheißungen sind handfeste Aussichten Gottes für unser Leben.

Auch in den weiteren Lesungen dieses Sonntags wird dies deutlich. Die alttestamentliche aus Jer. 31,31-34 verheißt den Neuen Bund: „Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein“; und die Epistel aus Eph. 3,14-21 spricht von der Teilhabe der Heiligen: „Damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle“. Verheißungen sind handfeste Aussichten Gottes für unser Leben mit denen er uns zu sich zieht.

Dass wir diese Nähe Christi nötig haben ist nicht nur der Erhöhung an Himmelfahrt geschuldet. Das Wochenevangelium macht deutlich: wir haben den Tröster nötig weil wir den Trost nötig haben. Dort heißt es: „Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.“ Eben noch hat die Gemeinde ergriffen gen Himmel gesehen und den Erhöhten gefeiert, nun sieht sie sich schon mit den Chaosmächten dieser Welt konfrontiert. Da wächst die Sehnsucht nach Trost. Wo Vertröstung nicht weiterhilft reift die Hoffnung auf den Tröster!

Auch wir sind eingeladen – gerade im Angesicht unserer vorfindlichen Realitäten – auf die Verheißungen Gottes hin zu leben. Sie sind handfeste Aussichten Gottes für unser Leben mit denen er uns zu sich zieht und die sich zur gegebenen Zeit erfüllen werden. Ganz sicher, es gilt: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Impuls: Klaus Sperr