Das Kirchenjahr: 4. Sonntag im Advent

Lukas 1,(39-45).46-55.(56); Psalm 102,17-23

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4.5b)

Der 4. Advent ist auch der evangelische Mariensonntag. Durch das Evangelium steht das Magnificat, der Lobgesang der Maria, ganz im Mittelpunkt. Staunende Freude über ihrer einzigartigen Berufung. Lebendig machende Vorfreude!

Diesen fröhlichen Klang nimmt der Wochenspruch auf. Dennoch: warum braucht es eigentlich einen Imperativ zur Freude! Und auch noch doppelt. Etwa für die, die es gar nicht kapieren? Ist denn Freude etwas Mühseliges zu dem man aufgefordert werden muss? Oder geht es um eine besonders getragene, heilige Freude? In der lateinischen Übersetzung steht das Wort gaudere – also das Wort von dem unser deutsches Wort Gaudi stammt. So also soll die Freude sein: nicht gefasst und leicht himmlisch entrückt sondern herzhaft und überschwänglich!

Da wird Vorfreude auf Gottes Kommen gefeiert. Weihnachten meint: egal wer und wo ich bin: Gott sucht mich auf! Damals, heute, künftig. Gott überlässt mich nicht einfach meinem Schicksal, in Jesus kommt er zu mir. Die Aufforderung zur Freude gibt es wohl deshalb, weil wir hin und wieder dazu neigen, uns unserem Alltag zu ergeben. Darum die Erinnerung: es ist Gottes Freude – Gottes Gaudi?! – uns Menschen nahe zu sein! Das macht ihm echt Spaß! Über der Gewissheit des nahen Gottes kann man wahrlich fröhlich sein!

So wird auch die Vorfreude auf die (endgültige sichtbare) Gegenwart Jesu gefeiert. Der Kontext unseres Wochenspruches ist nämlich ein Streit. Zwei, die sich nicht einig werden. Denen wird gesagt: Gott kommt auch in eure und unser aller Zerrissenheit. Leben in der Vorfreude löst nicht alle Not. Aber mitten im Elend ist das Heil Gottes schon da! Was heute schon gelingt ist Grund zur Freude, über allem anderen steht die Vorfreude auf sein kommendes umfassendes Heil. Denn: „der Herr ist nahe“. Nicht weil wir so fröhliche Leute sind, ist er nahe – sondern weil er nahe ist (!), sind wir so fröhlich! Nur wer diese Reihenfolge beachtet, kommt diesem Lebensgeheimnis auf die Spur: man muss dies Bibelwort von hinten her lesen. Der Grund der Freude liegt nicht in den lustigen Lebenslagen sondern in seiner Nähe auf allen (!) unseren Wegen! Darum muss ich mich nicht von meiner aktuellen, manch mal auch akuten, Lebenslage, vom Augenblick und meinem Befinden her deuten. Ich darf von Christi Kommen und seiner ewigen heilvollen Zukunft her schon jetzt leben – in Vorfreude – in Gaudi!

Gott kommt in Jesus: und überlässt mich nicht meinem Schicksal. Gott kommt in Jesus: sein Heil steht jetzt schon über all unserem Elend. Deshalb ganz begründet: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

 

Impuls: Klaus Sperr