Das Kirchenjahr: 3. Sonntag nach Epiphanias

Erscheinungsfest: Es ist erschienen die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes

Matthäus 8,5-13; Psalm 86,1-11.17

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lukas 13,29)

Wo Gott in Jesus Christus erscheint, da wird die Welt verändert. Seit er zu uns Menschen kam können wir Menschen wieder zueinander kommen. Bei IHM entsteht versöhnte Gemeinschaft: „Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wie Gemeinschaft untereinander.“ Und versöhnte Gemeinschaft lebt immer unter einem großen Horizont.

Das biblische Bild dafür ist der Tisch. Es ist ein Bild der Familie, die alle einbezieht, die an diesem Tisch sitzen und so aus fremden Gästen beheimatete Familienglieder macht. Dabei ist das Urbild unserer menschlichen Tische der Tisch Gottes. Unsere Tische an die wir laden sind oft genug getrennt nach Völkern und Rassen, nach Denominationen und Konfessionen, nach Fangruppen aller Art. Gottes Tisch ist der Abendmahlstisch: der Tisch der Eucharistie, der Danksagung. Wir feiern dankend die Versöhnung, die uns geschenkt ist und weit über unser persönliches kleines Leben hinaus geht und alle einschließt, die sich einladen lassen.

Weil alle Welt an seinen Tisch geladen ist, darf sich als kleiner Abglanz und Hinweis auf Größeres auch alle Welt an unseren Tischen wiederfinden. Als Beschenkte teilen wir: wir genießen zur gemeinsamen Freude und stärken einander zur gegenseitigen Ermutigung.

So leben wir gemeinsam unter dem großen Horizont des Reiches Gottes oder besser der Königsherrschaft Gottes. Denn dort geht es nicht um trennende Verletzung sondern um verbundene Heilung geht: ein Vater und unendlich viele Kinder. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Dabei meint gemeinsam unter einem großen Horizont leben nicht die Aufhebung aller Unterschiede. „Wir müssen die Unterschiedlichkeit der Ansichten für eine Schönheit halten“, so Zinzendorf. Aber da wo wir die Tische teilen – den der Eucharistie und den der Familie, dort machen sind Unterschiede nicht trennend sondern fruchtbar bemerkbar.

Vergangene Woche war es ein Wandlungswunder, heute ist es ein Heilungswunder. In beidem zeigt sich die weltumspannende Herrlichkeit des Gottessohnes. Im Evangelium ist es der römische Offizier, der dies erfährt. Auf seinen Glauben antwortet Jesus mit demselben Satz, der den Wochenspruch bildet. In der alttestamentlichen Lesung (2. Könige 5) ist es ebenfalls eine heilende Begegnung: der heidnische Offizier Naaman begegnet Elisa, dem Propheten Gottes. So heilsam müssen wir Christen leben, dann wir deutlich, was in der Epistel (Römer 5) zum Ausdruck kommt: die Gerechtigkeit aus Glauben. Sie allein kann diesen Horizont erfüllen: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

 

Impuls: Klaus Sperr