Das Kirchenjahr: 2. Sonntag nach Trinitatis

Brunnen_Kirchenjahr_38

Lukas 14,(15).16-24; Psalm 36,6-11

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28)

ER will uns bei sich haben. In seiner Nähe. Dazu sind wir eingeladen. Christsein ist nicht die kultische Verehrung eines erhabenen Gottes in unendlicher Ferne zu uns. Christsein ist die Nähe zu Christus. Weil ER es so will. In IHM sucht Gott nicht Verehrer sondern Weggefährten. Nicht solche, die schließlich doch auf Distanz bleiben sondern solche, die sich in seine Nähe ziehen lassen. Diese Einladung gilt insbesondere denen, die mühselig und beladen sind. Sie werden erquickt. Der Wochenspruch erinnert uns daran, dass Christsein nicht den klassischen Erfolgsmustern unserer Zeit unterworfen ist. Nicht die besonders Frommen oder Starken sind hier gefragt, sondern die, denen das Leben – auch das religiöse – zur Last geworden ist. Sie sollen erfrischt werden. Sie sollen Ruhe finden für ihre Seelen. Sie sollen zu Kräften kommen und neu durchatmen können. Bei IHM.

Diese Einladung gilt denen, die nichts zu bringen haben. Sie werden beschenkt. Auch die alttestamentliche Lesung (Jesaja 55,1-5) spricht diese Einladung aus: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst!“ Die, die nichts zu bringen haben und die, die nur mit ihrer Armut vor Gott stehen: genau die werden beschenkt. Genau die sind eingeladen. Zu IHM.

Diese Einladung gilt denen, die Gäste und Fremdlinge sind. Sie werden zu Mitbürgern und Hausgenossen. Die Epistellesung (Epheser 2,17-24) nimmt diesen Faden auf. Es sind die eingeladen, die sich nicht herzu trauen und die, die sich fremd fühlen. Ihr Leben wird verwandelt, sie erhalten bei Christus Heimat. Ein Zuhause und Geborgenheit. Sie wissen endlich wohin sie gehören: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Durch IHN.

Diese Einladung gilt denen, die sich einladen lassen. Sie werden Platz an seinem Tisch finden. Das meint das Wochenevangelium vom großen Abendmahl. Einladung und Mahnung gleichermaßen. So viel vergebliche Liebesmüh: Termin- und Interessenkonflikte, Prioritäten und Absagen … und doch: „es ist aber noch Raum da.“ Es gibt noch Platz am Tisch des Herrn. Für die, die sich einladen lassen. Einladung und Mahnung gelten auch uns. So heißt es in der geistlichen Regel unserer Kommunität: „Jesus Christus lädt zum Abendmahl ein. (…) Das innigste Sakrament, das Jesus gestiftet hat, vollzog sich an einem Tisch. Er war der Gastgeber. Der Tisch des Abendmahls muss sich fortsetzen an den Tischen unserer Gemeinschaft“ [Wie Gefährten leben 66.120]. Wir sind berufen zur Gemeinschaft – miteinander und mit IHM.

Denn ER will uns bei sich haben: Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Impuls: Klaus Sperr