Das Kirchenjahr: 2. Sonntag nach Ostern

Brunnen_Kirchenjahr_29

Johannes 10,11-16.(27-30); Psalm 23

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11.27.28)

 

Die Sonntage nach Ostern wollen das neue österliche Leben entfalten. Sie wollen zeigen wie man lebt, wenn Ostern wirksam wird. Die vergangene Woche stand unter dem Motto Quasimodogeniti: so stark ist unsere Hoffnung als wären wir neu geboren.

Nun kann man sich aber Hoffnung und Zuversicht ja nicht einfach einreden. Auch nach Ostern sind die alten Miseren ja dennoch irgendwie hartnäckig anhaltend da. Auch davon spricht der Sonntag, denn im Wort misericordias steckt das Wort miseria: Unglück, Elend, Leid. Damit uns die Miseren des Lebens nicht erdrücken, braucht es einen Platz für sie. Und auch der steckt im Name des Sonntags: Misericordias Domini – der Platz für unsere Miseren ist das Herz (cor) des Herrn. Meine miseria und Gottes cor gehören zueinander! Beides zusammen ergeben die misericordia: die Barmherzigkeit, die Güte. Und daran erinnert das Thema des Sonntages: dass die Erde voll ist der Güte des Herrn! Es ist längst nicht alles gut bei mir, aber Gott ist mir gut!

Einen haben, der barmherzig auf mich achtet. Das heißt: einen haben bei dem ich mit all meinen Miseren gut aufgehoben bin. Bei dem ich nicht resignieren muss. Bei dem ich berechtigten Grund zu Hoffnung und Zuversicht habe. Weil ich nicht nur die (kleinere weil zeitliche) Realität meiner Miseren sondern vor allem die (weitaus größere weil ewige) Wirklichkeit des Osterfestes sehe.

Dieser Eine wird im Wochenspruch mit einem Bildwort umschrieben: dem guten Hirten. Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Im griechischen Grundtext des Neuen Testamentes wird diese Aussage noch zusätzlich betont. Wörtlich müsste man übersetzen: „ich, ich bin“ – oder: „ich und kein anderer bin“ der gute Hirte. Nur hier gibt es echte Barmherzigkeit und nachhaltige Fürsorge. Denn der Hirte achtet auf seine Schafe. So gilt es: solange dieser Eine auf mich sieht, wird österliches Leben seine Kraft entfalten können. Auch im Angesicht meiner Miseren. Solange wir an seinem Herz sind: seine Stimme hören und folgen, in Ruf- und Hörweite zu ihm bleiben.

Dies alles ist kein Hirtenidyll. Denn dass Christus ewiges Leben gibt, lebt davon dass er sein Leben für die seinen gelassen hat. So können wir jetzt und heute schon mit dieser Gabe der Ewigkeit leben – aus Gottes Herz heraus – aus seinem Herz voller Güte – aus dem Herz des guten Hirten voller Fürsorge. Wie gut es doch ist einen zu haben, der barmherzig auch mich sieht!

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Impuls: Klaus Sperr