Das Kirchenjahr: 19. Sonntag nach Trinitatis

Markus 2,1-12; Psalm 32,1-5.10-11

Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14)

Jeremia wirkte rund 50 Jahre lang unter den letzten sieben Königen des Südreiches Juda als Prophet. Den Mächtigen galt er als Landesverräter. Drei mal saß er im Gefängnis, zwei mal hat man seinen Tod verlagt. Dabei war er kein Verbrecher sondern schlicht Selsorger seines Volkes. Ein Mahner und ein Tröster. Die jüdische Tradition berichtet, dass er 580 v. Chr. gesteinigt wurde.

Die Lutherbibel überschreibt den Abschnitt, dem unser Wochenspruch entnommen ist, mit den Worten „Jeremias Gebet in Anfechtung“. Seine Seele war einsam geworden inmitten seines Volkes. Immer frecher griffen sie ihn an. Man benutzte Gottes Geduld um ihm zu beweisen, wie unwahr sein gepredigtes Wort und wie falsch sein gesprochenes Urteil war.

Es ist die Anfechtung eines Seelsorgers, der aus Liebe um sein Volk ringt. Jede Zeit und jedes Volk braucht solche Diener Gottes, die sich zu Dienern ihres Volkes machen lassen. Die den persönlichen Einsatz und die eigene Reputation nicht scheuen um der Wahrheit willen.

Jeremia bittet angesichts seiner Anfechtung um Heil und Rettung. Um innere Kraft und äußere Bewahrung, um Zuwendung an Seele und Leib. Das Wochenthema „Heil und Heilung“ erinnert daran, dass wir beides nötig haben. Und es spricht alle Gebrechen an, die Menschen in sich und an sich tragen können. Das Evangelium spricht von einem Gelähmten und seinen Freunden. Sie bringen ihn in die Nähe Jesu. Zunächst jedoch enttäuscht er ihre Erwartungen: „Deine Sünden sind dir vergeben“. Ups, was soll das denn? Der Mann ist doch lahm! Aber Jesus weiß: in Krisenzeiten geht es um Grunderfahrungen. Und solche sind immer eine Frage des ersten Gebotes: „Ich bin der Herr, dein Gott – der dich in die Freiheit geführt hat – du brauchst keine anderen Götter außer mir!“ Darum ist in der alttestamentlichen Lesung (2. Mose 34,4-10) auch die Rede von der Erneuerung der Bundestafeln und damit des Bundes. Und das Wunder aller Wunder ist dort schon die Vergebung der Schuld des Volkes, ihrer Sünde. So entsteht Heil. Nötiges Heil. Ohne das alles andere doch nichts wäre.

Dennoch bleibt Jesus beim Heil nicht stehen. Zum Heil kommt auch die Heilung – als Zeichen des nahen Gottesreiches. Denn bei der Heilung geht es – im Gegensatz zum Heil! – nicht um etwas Unerlässliches. Jesus begründet: „Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden …“ Auf das Heil kommt es an, Heilung ist dann aber auch möglich und darf, wie bei Jeremia vertrauensvoll erflehen werden: Heile du mich, HErr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

 

Impuls: Klaus Sperr