Das Kirchenjahr: 17. Sonntag nach Trinitatis

Matthäus 15,21-28; Psalm 25,8-15

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Johannes 5,4)

Im Wochenevagelium trifft Jesus auf eine Frau, die sich mit ihrem Anliegen nicht abschütteln lässt. Nicht von den Jüngern und nicht einmal vom Meister. Sie bekommt wonach sie sich sehnt – Hilfe für ihre Tochter – weil Jesus feststellt: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!“ Ein siegreicher Glaube! Um diesen geht es in dieser Woche.

Beim Glauben geht es immer um einen Kampf. Nicht gegen sondern für das Leben. Oder wie wir in unserer Kommunität es formulieren: für eine Kultur des Lebens. Es geht um die göttliche Art zu leben, die allein unser menschliches Leben blühen lassen kann. Darum ringt der Glaube auch immer mit dem Unglauben, der immer auch etwas lebensverneindes in sich trägt.

Beim Glauben geht es nicht um die Theorie sondern um die Praxis. Einer meiner theologischen Lehrer pflegte zu sagen: im Neuen Testament meint pistis (Glaube) fast nie ein Bekenntnis sondern nahezu immer einen Akt. Also nicht dieses formulierte und gesprochene ‚ich glaube an‘ … Nein: wenn von Glaube die Rede ist, dann verhalten sich Menschen in einer bestimmten Art und Weise. Sie tun etwas, das ihr Vertrauen zeigt. Es geht nicht um Ideale sondern um Realitäten.

Schließlich geht es beim Glauben um einen Sieg! Nicht einen, den ich noch zu vollbringen hätte sondern einen, der von Jesus vollbracht wurde und auf den hin ich nun leben kann. Ja, ich darf auf Kosten seines Sieges leben. Diese Siegeskraft will sich in meinem Leben immer wieder bewähren.

Denn es geht immer um den Glauben an Jesus! Menschen verhalten sich vertrauensvoll zu Christus wegen ihm selbst: weil sie ihm etwas zutrauen. So ist die Frage nach meinem Glauben immer auch die Frage nach meinem Gottes- und Selbstbild: an wen oder was glaube ich tatsächlich? D.h. wem ich oder was traue ich das Wesentliche meines Lebens zu? Deshalb muss sich Glauben nicht an meinen Frömmigkeitsgefühlen festmachen. Nicht am Erfüllen von Idealen. Glaube ist keine sportliche Disziplin – höher, schneller, weiter – sondern ein für wahr nehmen der Allmacht Jesu und ein entsprechendes Verhalten meinerseits. Auch gegen allen Augenschein, sei er persönlich oder öffentlich, naturwissenschaftlich oder ideologisch oder sonstwie. Das heißt die Welt überwinden.

Es bleibt dabei: „Wenn einer nichts als Glauben kann, so kann er alles machen; der Erde Kraft sieht er an / als ganz geringen Sachen.“ (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf). Oder eben wie Johannes es formulierte: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

 

Impuls: Klaus Sperr