Das Kirchenjahr: 15. Sonntag nach Trinitatis

Matthäus 6,25-34; Psalm 127,1-2

Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petrus 5,7)

Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinen Lebenserinnerungen, dass er alles in allem höchstens drei Wochen seines Lebens glücklich gewesen wäre. Er hatte kein sorgenfreies Leben. Das haben wir auch nicht. Ja, es ist gar nicht nötig ein sorgenfreies Leben zu führen. Denn Sorgen haben ihren Platz. Bei dem, der für uns sorgt.

Gehe sorgsam mit deinen Sorgen um! Wir denken an Psalm 55,23: „Wirf dein Anliegen auf den HErrn“. Sorgen sind also ein Anliegen. Wir sorgen uns um Menschen und Dinge und vieles mehr. Sie sind uns ein Anliegen und das ist gut so. Sorgsam mit den Sorgen umgehen heißt: mach sie auch zu einem Anliegen Gottes. Verbinde die Sorgen nicht mit der Angst sondern mit Gott! „Sorgt um nichts, sondern lasst eure Bitten vor Gott kund werden“ (Philipper 4,6).

Lebe nicht für die Sorgen sondern für den Fürsorger! Für Gott sind unsere Schwierigkeiten Kleinigkeiten aber keine Nichtigkeiten! „Darum: Sorget nicht um euer Leben … Denn euer himmlischen Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft“ (Matthäus 6,25.32). Unser Leben ist eine von Gott umsorgte Gabe. Deshalb muss ich nicht in der Ausrichtung auf meine, berichtigten oder unberechtigten, Sorgen leben. Ich darf von ihm umsorgt mit und für ihn leben. Mehr ist nicht nötig.

Sei Gottes Sorgenkind! Der Rabbiner Abraham Heschel schreibt einmal, dass der ewige und allmächtige Gott auch ein bedürftiger Gott ist. Sein Bedürfnis ist der Mensch, deshalb hat er ihn erschaffen. Welch wunderbarer Gedanke: ich bin sein Bedürfnis! Gott wollte und will mich. Deshalb sorgt er sich auch um mich. Im Kleinen wie im Großen meines Lebens.

Darum wirf deine Sorgen auf deinen Versorger! Am ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes Rosh Hashanah gibt es die Tradition des Taschlit-Gebetes. Dazu geht man an ein Gewässer und betet Worte aus dem Propheten Micha: „Wer ist wie Gott, der Schuld vergibt und sie in Meerestiefen schleudert.“ Taschlit heißt werfen. Deshalb leert man dabei seine Taschen und wirft alles was einen belastet symbolisch von sich. Werfen meint hier wegwerfen, weit von sich werfen – so weit, dass ich es nicht mehr bei mir habe sondern Gott es bei sich hat.

Nein, ein sorgenfreies Leben ist weder möglich noch erstrebenswert. Aber ein Leben, das weiß, wohin mit den Sorgen, das schon. Dann werden Sorgen zu Brücken meines Vertrauens. Dann verbinden meine Sorgen mich mit Gott. Deshalb gilt: Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.

Impuls: Klaus Sperr