Das Kirchenjahr: 11. Sonntag nach Trinitatis

Lukas 18,9-14; Psalm 113,1-8

Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade. (1. Petrus 5,5)

Hier geht es um Gottes Widerstand und Zuwendung. Aber die Richtung gibt die erste Satzhälfte vor: „Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht …“. Ging es letzte Woche um die Ökumene von Juden und Heiden, so geht es heute um das geschwisterliche Miteinander der Generationen. Und um das der Ämter, das Miteinander zwischen Leitern und Geleiteten. Unser Wort ist ein Beziehungswort. Dabei gilt: allen ist Demut ans Herz gelegt.

Gott wiedersteht dem Hochmütigen. Dabei geht es um eine doppelte Ausrichtung: Hochmut nach außen ist auf andere gerichtet, nach innen ist er auf mich selbst gerichtet. Nach außen gerichtet meint Hochmut Verachtung: die eigene Größe gewinnen am klein machen des Anderen; die anderen unter- und sich selbst überschätzen. Man achtet den Nächsten nicht als Geschöpf Gottes und damit achtet man auch nicht den Schöpfer. Nach innen gerichtet ist es die klassische Tragödie einen Menschen, der seine eigenen Grenzen nicht respektieren kann. Hybris meint in der griech. Wurzel Übergewicht. Sich selbst also zu viel Gewicht geben. In der Konfrontation mit der Wirklichkeit erwächst daraus rasch Selbstverachtung. Das Evangelium lädt beide zu Christus ein: den Überheblichen und den mit Minderwertigkeitskomplexen, den Selbstsicheren und den Unsicheren.

Gott wendet sich dem Demütigen zu. Das sind solche, die einen gesunden Blick auf sich selbst haben. Sie erkennen einen anderen – Gott – als größer und sich selbst als kleiner an. In einem anthropozentrischen Weltbild gilt Demut als Schande. In einem theozentrischen Weltbild aber drückt es die angemessene Beziehung zu Gott aus. Und damit auch zu mir selbst. Die hebr. Wortwurzel heißt antworten. Demut ist Antwort. Der Demütige gibt Resonanz und kann sich selbst und sein Verhältnis zu Gott damit recht einzuschätzen. Demut ist wie ein Echolot, das die Wirklichkeit abbildet. Nicht unterschätzen und nicht überschätzen, nicht weniger und nicht mehr. Diese Demut heilt vergiftete Verhältnisse weil wir die eigenen (und fremden) Abgründe und das Heil Gottes in Beziehung zueinander bringen.

Solch einem Demütigen wendet sich Gott zu. Nicht nur im Trost. Sondern vor allem in der Beschlagnahmung. Denn Demut ist die Gesinnung des Dienenden. Sie nimmt Maß an Jesus und seiner Lebensart. In Niedrigkeit und Dienst kommt Christus uns nahe. Mitunter kann sich das auch in markanter Zivilcourage äußern: siehe barmherziger Samariter.

Gottes Widerstand und Zuwendung weißen auf das Beziehungswort. Hochmut fördert Verachtung, Demut fördert Vertrauen. Darum antwortet Gott auf Hochmut mit Widerstand: um uns zu helfen. Und auf Demut mit Gnade um unser Vertrauen zu beschenken. Denn: Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade.

Impuls: Klaus Sperr