Das Kirchenjahr: 1. Sonntag nach Trinitatis

Brunnen_Kirchenjahr_37

Lukas 16,19-31; Psalm 34,2-11

Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lukas 10,16)

Die Feststellung Jesu über seine Boten entspringt seinem Weheruf über die galiläischen Städte. Nicht weil sie so sündig waren sondern weil sie den Ruf Gottes nicht hören wollen. Gegen Sünde gibt es Vergebung und Erlösung – gegen geistliche Taubheit und die ihr zugrunde liegende Herzenshärtigkeit scheint nichts zu helfen. Wer die Botschaft Gottes durch die Boten Gottes nicht hört, der verachtet gleichermaßen den, von dem die Botschaft ausgeht wie den, der die Botschaft überbringt.

Das Wochenevangelium ist ein Beispiel dafür. Lazarus war nicht nur der Arme, er war auch der Bote für den Reichen. Doch der achtet nicht auf dieses lebendige Signal Gottes. Am Ende wird ihm gesagt: wer auf Mose und die Propheten nicht hört, der hört nicht einmal wenn einer von den Toten auferstehen würde. Welch hartes weil so klares Urteil. An Mose und die Propheten erinnert auch die alttestamentliche Lesung des Sonntags aus 5. Mose 6,4-9. Dort heißt der Ruf schema: höre! Und es schließt sich das Grundbekenntnis Israels zum einen und einzigen Gott an. Höre! Sie haben Mose und die Propheten, die sollen sie hören …

Gott ist in seinen Boten gegenwärtig in dieser Welt. Von Pfingsten und Trinitatis her kommend gilt: seine Boten sind der Tempel des Heiligen Geistes! Heimat der Gegenwart Gottes, der mit uns und durch uns gegenwärtig ist, wo immer wir sind. Denn das ist eine Feststellung: Ihr seid (!) das Licht der Welt, ihr seid (!) das Salz der Erde! Dies ist keine Möglichkeit sondern eine Tatsache. Mit und durch uns ist Gott in dieser Welt gegenwärtig! Wir sollen gewiss sein: „Wohin immer ihr nun geht, dahin kommt der Herr!“

Weil Gott in uns gegenwärtig ist, ist er auch durch uns gegenwärtig. Darum: Gottes Boten Gehör schenken. In ihrem apostolischen Dienst – denn sie haben Grundlegendes zu sagen. Und in ihrem prophetischen Dienst – denn sie sagen was Gott in diese Zeit hinein zu sagen gedenkt. Jeweils nicht unbedingt gefällig, aber immer notwendig. Boten Gottes – und wir alle sind dazu berufen – haben unserer Welt Wesentliches zu sagen, das nicht verlustlos überhört werden kann!

Und dies führt zur zweiten Feststellung. Nicht immer werden Gottes Boten gehört. Immer wieder werden sie auch verachtet. Das meint: verwerfen, ablehnen, für ungültig erklären, ja sogar sich vergehen. So wichtig nimmt Gott seine Boten, dass, wer sie ablehnt, sich an ihnen vergeht! Denn im Wochenspruch gibt es eben auch die dritte Feststellung: wer hört oder verachtet, der hört oder verachtet Christus selbst! So ist der Wochenspruch Ermutigung und Trost gleichermaßen: Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Impuls: Klaus Sperr