Das Kirchenjahr: 1. Sonntag im Advent

Matthäus 21,1-9; Psalm 24

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9)

Advent, lat. adventus, heißt Ankunft. Da kommt wer und mit ihm geht was los. Zunächst einmal beginnt für die christliche Kirche das Kirchenjahr. Nach altem Brauch werden mit dem Formular dieses Sonntages die liturgischen Bücher geöffnet. Wohl deshalb weil mit der Ankunft des himmlischen Königs auf Erden eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Seither sehen wir Weltgeschichte im Maß der Heilsgeschichte. Das Heil bestimmt die Welt, auf dieses kommt es an. Darum ist die Ankunft des (griech.) Christus, des (hebr.) Messias, so entscheidend – weil mit ihm das Heil anbricht. Und deshalb war auch stets die Adventszeit eine Zeit der Erwartung und Bereitung. Und damit eine Zeit der Buße, wie man an den violetten Paramenten erkennen kann. Der bald anstehende Jahreswechsel geht knallend laut vonstatten. Der Wechsel des Kirchenjahres hingegen ruhiger und bescheidener, deshalb wohl auch ernster und tiefer, allemal aber gewichtiger und wegweisender!

Der König kommt! Eben noch, am Ewigkeitssonntag, haben wir auch Christkönig gefeiert. Nun kommt er: aus der Ewigkeit in die Zeit. Nur wer von dort kommt kann hier heilsam wirken. Nur wer mit göttlicher Würde kommt kann wahrhaft Mensch sein. Christus ist der heruntergekommene Gott! So zielt alles auf diesen König aus dem Hause David: die alttestamentliche Lesung aus Jeremia 23,5-8 und der Wochenpsalm 24. Und auch das Evangelium spielt darauf an. Einst eroberte Alexander der Große ein riesiges Reich und kam auf einem weißen Pferd. Dieser König, der nun kommt und die Weltgeschichte wirklich verändern sollte, der keinen äußerlichen Glanz. Erst einmal tut’s eine Krippe, später dann ein Esel. Christi Würde zeigt sich gerade in seiner Niedrigkeit und seinem Leiden. Denn er ist ein Gerechter. Einer, der weiß was recht und unrecht ist. Einer, der deshalb auch das Rechte tun kann und uns den rechten Blick für uns und ihn geben kann. Denn er ist auch ein Helfer; wörtlich: er ist siegreich, befreiend. Nicht nur für sich, auch für mich und mit mir. Nun ist das alles recht und gut. Aber es kommt auf einen Buchstaben an: nicht ein König kommt, sondern dein König kommt! Das kleine d entscheidet: der, der kommt – der, der immer wieder kommen will – ist der, der mein König ist! Der, mit dem alles, was er ist und bringt, auch mir gilt!

Noch einmal sei an das Evangelium erinnert. Es erinnert uns daran, dass Krippe und Kreuz zueinander gehören. Sie bilden einen gemeinsamen Bogen. Ankunft: ER bricht zu uns Zeitlichen auf, auf dass wir Ewige würden – ER kommt zu uns Weltlichen, auf dass wir Himmlische würden – ER kommt zu uns Menschen, auf dass wir Königskinder würden. So ist der Beginn des Kirchenjahres der Beginn der nun sichtbar gewordenen Heilsgeschichte, die zu meiner Lebensgeschichte werden will! Darum aufgemerkt: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

 

Impuls: Klaus Sperr